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Perspectives

Von ungültigen Vollmachten, Reichsangelegenheiten und geraubten Ehegattinnen

Argumentationsstrategien in der Auseinandersetzung um die Bretagne zwischen Maximilian I. und Karl VIII.
Hans Baumann

Résumés

Cet article a pour but d’examiner les stratégies argumentatives mises en œuvre dans le conflit autour de la Bretagne entre le Habsbourg Maximilien Ier et Charles VIII de France dans les années 1490 à 1493. Ce conflit éclata à la suite du mariage de Charles avec Anne de Bretagne, qui était déjà mariée avec Maximilien à cette date-là. Il en ressort que Maximilien s’efforçait avant tout de représenter l’action de la France comme une menace pour l’existence de l’Empire afin de gagner les états impériaux et leur soutien financier à sa politique. En revanche, la stratégie argumentative de Charles se basa notamment sur la justification directe de la légitimité ou de l’illégitimité des deux mariages. Pour ce faire, il se servit, contrairement à Maximilien, surtout d’arguments juridiques.

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Texte intégral

1Eine vorabendliche Soap-Opera hätte es wohl nicht besser in Szene setzen können. Es geht um zwei Männer, die sich um Einfluss, Macht und Besitz streiten – und um eine Frau, die einer der Männer heiratet, was bei seinem Kontrahenten für derartige Entrüstung sorgt, dass dieser die Frau kurzerhand entführt und schließlich selbst heiratet. Dies löst, wie hätte es auch anders kommen können, eine Schlammschlacht zwischen den beiden Männern aus, da beide nicht bereit sind, auf ihre Ansprüche zu verzichten. Ein solcher Streit trug sich zwischen dem Habsburger Maximilian I. (1459–1519) und Karl VIII. von Frankreich (1470–1498) zu. So heiratete nämlich die Herzogin Anna von der Bretagne (1477–1514) 1490 nicht nur Maximilian, sondern im folgenden Jahr auch Karl, der eigentlich bereits mit Maximilians Tochter Margarete (1480–1530) verlobt war. Diese beiden Heiraten bildeten den Ereignishintergrund eines Konflikts zwischen Maximilian und Karl, in dem Begründungen der Rechtmäßigkeit des eigenen und der Unrechtmäßigkeit des gegnerischen Handelns eine entscheidende Rolle spielten. Der Aufsatz fragt danach, wie von habsburgischer und französischer Seite die Recht- bzw. Unrechtmäßigkeit der Ehen zwischen Maximilian und Anna einerseits sowie zwischen Karl und Anna andererseits begründet wurde.

2Dabei soll das Augenmerk vor allem auf den Argumentationen liegen, die jeweils vonseiten der beiden Höfe vorgetragen wurden. Besonders aufschlussreich für die Seite Maximilians sind dabei die für diese Zeit zahlreich vorliegenden Reichstagsakten, in denen der Konflikt um die Bretagne immer wieder zentral diskutiert wird. So spiegeln sie nicht nur die Dynamik dieser Auseinandersetzung wider, sondern geben darüber hinaus Hinweise auf die von Maximilian verfolgte Argumentationsstrategie in diesem Konflikt. Für die französische Seite ist unter anderem eine Briefsammlung Karls VIII. aus den Jahren 1490 bis 1493 überliefert, die die Grundlage für die Analyse der Argumentation vonseiten des französischen Hofs bildet. Darüber hinaus werden weitere Quellengattungen wie humanistische Traktate und Lieder in die Untersuchung einbezogen.

3In der Diplomatiegeschichte gerieten in letzter Zeit verstärkt Frauen als außenpolitische Akteurinnen in den Blick der Forschung (Bastian u. a., 2013). Der Ansatz einer solchen Geschlechtergeschichte der Diplomatie scheint im Hinblick auf Anna jedoch nur schwer umsetzbar, geben uns die Quellen doch kaum Aufschluss über den Handlungsspielraum und die persönlichen Einstellungen Annas zu den Heiratsprojekten, sondern schildern vor allem die Sicht der anderen Beteiligten. Auch wenn im Hinblick auf die agency Annas gerade im Kontext der Analyse der Handlungsfähigkeit subalterner Akteure weitere Untersuchungen wünschenswert sind, muss in diesem Zusammenhang schließlich auch bedacht werden, dass Anna zum Zeitpunkt der Heirat mit Maximilian erst dreizehn Jahre alt war und ihre Handlungsfähigkeit und ihr Entscheidungsspielraum schon allein aufgrund ihres Alters begrenzt und ihr Vorgehen daher wohl vor allem von ihren Beratern und den bretonischen Ständen beeinflusst war (Wiesflecker, 1971: 330–336). Aus diesen Gründen fokussiert sich die Arbeit vor allem auf die Argumentationsstrategien und das Vorgehen von Maximilian und Karl.

4Maximilian I. kann wohl zweifelsfrei als einer der am besten erforschten Herrscher des Spätmittelalters angesehen werden. Auch anlässlich seines 500. Todestages im Jahre 2019 erschienen zahlreiche Monographien und Sammelbände, die sein Leben und Wirken aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten (z. B. Helmrath, Kocher und Sieber, 2018; Weiss, 2018; Birkenbihl, 2019; Kaska, 2019; Lange-Krach und Emmendörffer, 2019). Während jedoch für andere Auseinandersetzungen wie den Burgundischen Erbfolgekrieg, in die Maximilian verstrickt war, zahlreiche Untersuchungen vorliegen (bspw. Pfaffenbichler, 2000; Blockmans, 2002; Weiss, 2002; Spieß, 2014), wurde die Auseinandersetzung um die Bretagne zwischen Maximilian und Karl, die Maximilians erster großer Konflikt auf Reichsebene war, trotz guter Quellenlage bislang nur wenig betrachtet (Wiesflecker, 1971: 318–344; Bischoff, 1992; Wiesflecker, 2000; Collard, 2012). Ähnliches beobachten wir auch für Karl VIII. Auch wenn für diesen im Vergleich zu Maximilian weniger Gesamtdarstellungen seines Lebens und Wirkens vorliegen (bspw. Labande-Mailfert, 1975; Labande-Mailfert, 1986; Le Fur, 2006), wurde in der Forschung vor allem dessen Vorgehen in den Italienkriegen in den Blick genommen (dazu z. B. Bacqué-Grammont, 2002; Boucheron, 2005; Desrey, 2007; Plaisance, 2008; Provini, 2020). Doch ähnlich wie bei Maximilian blieb bislang auch Karls Handeln in der Auseinandersetzung um die Bretagne in der Forschung weitgehend unbeachtet.

5Dieses Forschungsdesiderat mag sicherlich auch darauf zurückzuführen sein, dass die Bemühungen Maximilians um Anna letztlich vergeblich waren und daher hinter erfolgreichen Heiratsprojekten wie Maximilians Ehe mit Maria von Burgund zurücktreten. Zuletzt widmete sich Reinhard Seyboth (2006) dieser Auseinandersetzung und nahm dabei vor allem die mediale Repräsentation dieses Konflikts in den Blick. Dabei fragte er in Anlehnung an das Sender-Empfänger-Modell insbesondere nach den Medien und Kommunikationsformen, mit welchen die Sender und Empfänger von Informationen und Meinungen miteinander in Verbindung traten. Der vorliegende Beitrag möchte einen Schritt vor diesen Überlegungen ansetzen, indem er einerseits stärker nach den Begründungen fragt, die sowohl von habsburgischer als auch von französischer Seite im Hinblick auf die Recht- bzw. Unrechtmäßigkeit der Ehen in diesem Konflikt vorgebracht wurden. Andererseits beleuchtet er darüber hinaus die Argumente und Argumentationsstrategien dieses Konflikts in vergleichender deutsch-französischer Perspektive und im interdisziplinären Forschungsfeld von geschichtswissenschaftlicher, rechtsgeschichtlicher und kirchengeschichtlicher Forschung und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zur Frage, welche Rolle Argumente und Argumentationsstrategien in Konflikten zwischen europäischen Adelshäusern des ausgehenden 15. Jahrhunderts spielten.

Heiratsbündnisse mit Anna von der Bretagne und Eroberung des Herzogtums durch Frankreich

  • 1 Ein solches Versprechen gab Annas Onkel Jean de Chalon, Fürst von Orange, 1489 als Dank für militär (...)

6Nachdem der burgundische Herzog Karl der Kühne im Jahr 1477 gestorben war, rangen die Häuser Habsburg und Valois um dessen Gebiete. Diese aus habsburgischer Sicht zunächst rein dynastische Angelegenheit löste Spannungen zwischen den beiden Mächten aus, die 1488 einen weiteren Höhepunkt erreichten. Als Maximilian I. in Brüssel gefangen war, konnte Frankreich im Juli 1488 das unabhängige Herzogtum Bretagne besiegen und dessen Herzog Franz (1435–1488) verpflichten, alle gegen Frankreich gerichteten Bündnisse zu lösen und seine Tochter Anna nur mit Zustimmung des französischen Königs zu verheiraten1. Die Bretagne hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits Bündnisverträge mit dem Heiligen Römischen Reich abgeschlossen, da sie ihre Unabhängigkeit aufgrund der französischen Arrondierungspolitik zunehmend bedroht sah.

  • 2 Wie Florian Waldauf von Waldenstein, Protonotar von Maximilian, Erzherzog Sigmund von Tirol im Janu (...)

7Als Franz von der Bretagne im September 1488 ohne männlichen Nachfolger starb, betrachteten sowohl Maximilian I. als auch Karl VIII. von Frankreich dies als Möglichkeit, die Bretagne ihrem Territorium anzuschließen. Maximilian verfolgte damit jedoch keine vorrangig territorialen Interessen in Form einer Gebietserweiterung, sondern versuchte vor allem, die französischen Expansionsbestrebungen zurückzudrängen und einen „Einkreisungsring um Frankreich“ (Wiesflecker, 1971: 318) voranzutreiben, um seinen Gegner zu schwächen. Karl hingegen suchte mit dem Ziel der Schaffung eines französischen Einheitsstaats vor allem territoriale Interessen durchzusetzen, war er doch nicht zuletzt auch daran interessiert, England keinen Brückenkopf zur Übersiedlung auf das französische Festland zu bieten, wie dies die Bretagne im Hundertjährigen Krieg zum Nachteil Frankreichs getan hatte (Wiesflecker, 1971: 318f.). Sicherlich waren sowohl das Haus Habsburg als auch das Haus Valois auch am Reichtum der Bretagne interessiert, der sich insbesondere aus dem Seehandel, Holz und Salz speiste2.

  • 3 „[O]rdonnons, & établissons, nos Ambassadeurs, […] pardevers ladite Duchesse de Bretagne, lui dire (...)

8Nach dem Tod Franz‘ schien für Maximilian die Heirat mit dessen Tochter Anna die wohl einfachste und friedlichste Lösung, die Bretagne für sich zu gewinnen. Daher schickte er im März 1490 vier Brautwerber, darunter den Niederadligen Wolfgang von Polheim (1458–1512), in die Bretagne, um stellvertretend für ihn, der zu diesem Zeitpunkt in einem Krieg in Ungarn gebunden war (Bárány, 2014), die Ehe mit der erst dreizehnjährigen Anna zu vollziehen. Sie sollten an Maximilians statt einen Heiratsschwur ablegen, die Heiratsverträge abschließen und die nötigen Urkunden ausstellen3.

9Nachdem die Gesandten Maximilians im Sommer 1490 in der Bretagne eingetroffen waren, einigten sie sich schnell mit den dortigen Vertretern. So unterstützten nämlich auch die bretonischen Landstände die Idee einer Ehe zwischen Maximilian und Anna, da sie hofften, dass die zu erwartenden Kinder aus dieser Ehe Anna als Herzöge nachfolgen könnten und so die Unabhängigkeit der Bretagne sicherstellen würden (Wiesflecker, 1971: 325). Die Heiratsverträge wurden schließlich am 16. Dezember 1490 abgeschlossen, und nur drei Tage später segnete der Bischof von Rennes die Ehe in der dortigen Kathedrale. Um die Rechtmäßigkeit der Ehe sicherzustellen, vollzog Wolfgang von Polheim als Stellvertreter Maximilians durch das Entblößen seines Beins symbolisch das Beilager mit Anna. Eine solche prokuratorisch geschlossene Ehe galt zwar als kanonisch gültig, ersetzte den persönlichen Ehevollzug jedoch nicht völlig und konnte vom Papst wieder gelöst werden (Spieß, 1997: 26). Nach der Ehe bezeichnete sich Maximilian als „Herzog der Bretagne“ (Hye, 1965: 91) und führte auch gemeinsam mit Anna den Königs- und Herzogtitel (Morice, 1746: 702).

  • 4 Dies erfahren wir aus der Chronik von Jean Molinet (1435–1507) (Buchon, 1828: 174); auch die franzö (...)

10Karl VIII. reagierte Anfang 1491 auf die Heirat Maximilians und Annas mit einer militärischen Eroberung der Bretagne, die er mit der Verletzung des Vertrags von Sablé (20. August 1488) rechtfertigte, wonach Anna nicht ohne die Zustimmung des französischen Königs hätte verheiratet werden dürfen. Da Maximilian jedoch durch den zeitgleich stattfindenden Krieg in Ungarn gebunden war und die Reichsstände nur zu wenigen Zugeständnissen bereit waren, konnte Maximilian die Bretagne lediglich mit einer geringen Anzahl an Soldknechten unterstützen. Ohne große Gegenwehr hatte Frankreich die Bretagne rasch erobert und im Oktober 1491 zur Kapitulation gezwungen. Obwohl sich für Anna bereits zuvor die Möglichkeit geboten hatte, per Schiff nach England oder in die Niederlande zu fliehen, blieb sie in der Bretagne und heiratete schließlich Karl VIII. Wiesflecker (1971: 332) spricht gar von einem „verhüllten Angebot [zur Heirat, HB]“ von Anna an Karl und geht damit davon aus, dass sie die Heirat mit ihm in gewissem Maße freiwillig einging. So habe sie drei von Karl zur Heirat vorgeschlagene Standesherren abgelehnt, indem sie darauf hingewiesen habe, dass sie bereits mit einem König verheiratet sei und, sollte sie noch einmal heiraten, lediglich ebenfalls einen König heiraten werde4.

Argumentationen und Rechtfertigungen

Maximilian I. und die Argumentation des Habsburger Hofs

11Die Heirat von Karl und Anna stellte für Maximilian eine Demütigung in doppelter Hinsicht dar. Einerseits hatte Karl die Frau, die er, wenn auch nur prokuratorisch, selbst geheiratet hatte, zur Frau genommen. Andererseits bedeutete diese Heirat jedoch auch die Verstoßung seiner Tochter Margarete vom französischen Hof, die bereits mit Karl verlobt gewesen war (Collard, 2012). Dem folgte in den Jahren 1491 bis 1493 „eine der massivsten publizistisch-propagandistischen Auseinandersetzungen, die Europa bis dahin je erlebt hatte“ (Seyboth, 2006: 240) und die unter anderem mit Briefen, Pamphleten, Liedern und Traktaten geführt wurde. Maximilians Argumentation basierte dabei auf dem Vorwurf des „bretonischen Brautraubs“, wonach Anna von Karl gefangen genommen und zur Heirat gezwungen worden war, als sie sich auf dem Weg zu Maximilian befunden habe.

  • 5 „Die braut [Anna, HB] saß auf mit eren, / wollt reiten ins teutsche land / zu irem edlen herren: / (...)
  • 6 Eine Verbreitung der Ansichten im Volk war wohl auch deshalb relevant, da ein Steuerplan die Belast (...)

12Diese These greift auch ein zeitgenössisches Volkslied mit dem Titel „Fräulein von Britania“ auf, laut dem Anna vom französischen König „groß leid“ angetan wurde, als sich diese auf dem Weg zu Maximilian befunden habe5. Zwar gibt Liliencron (1866: 300) an, dass es sich bei diesem Lied um ein vielgesungenes Volkslied handelte, welche Rolle es jedoch in der Auseinandersetzung spielte, kann nur schwer ermittelt werden. Dennoch handelte es sich bei dem Lied, dessen Komponisten wir nicht kennen, wohl um eine zeitgenössische Dichtung, verfasste doch zu diesem Zeitpunkt auch der Dichter Hans Ortenstein ein Gedicht mit dem Titel „Vom Fräulein von Britannien“, das die Brautraubthese ebenfalls aufgreift (Liliencron, 1866: 295–300). Hier zeigt sich, dass Maximilian immer wieder bewusst die Dienste politischer Propagandisten in Anspruch nahm, um seinen Interessen Ausdruck zu verleihen und damit auch das Volk von seinen Auffassungen zu überzeugen (Kellermann, 2000: 221 u. 251f.). Diese Propagandisten unterhielten als königsnahe Gefolgschaft gute Beziehungen zum Hof und versuchten wohl, dessen Ansichten unter Einsatz volkstümlicher Genres wie Lieder oder Gedichte im Volk zu verbreiten6. Dabei steht zu vermuten, dass die Argumentation in dieser Auseinandersetzung ganz bewusst das antike literarisch-mythische Motiv des Brautraubs (z. B. Heldmann, 2016) aufgriff und auf diese Weise auch eine emotional-appellative Funktion besaß.

  • 7 An dieser Stilisierung waren auch Humanisten wie Jakob Wimpfeling beteiligt, die dem Hof nahestande (...)

13Der Rückgriff auf das Brautraubmotiv war in argumentativer Hinsicht jedoch schon allein deshalb nützlich, da das Motiv eine Parallele zum Verlust der Bretagne darstellte, die aus Maximilians Sicht wie Anna von Karl „geraubt“ wurde. Denn wie schon Seyboth (2006) erarbeitete, zielte Maximilians Argumentation vor allem darauf ab, die zunächst hausmachtpolitische Auseinandersetzung der Habsburger mit Frankreich zu einer Bedrohung für das gesamte Reich zu stilisieren, um die Stände für den Konflikt zu gewinnen und finanzielle Unterstützung zu erhalten. Besonders deutlich wird dies in der Betonung der Reichszugehörigkeit der Bretagne durch Maximilian, der in einem Reformprojekt, das die Einteilung des Reichs in sechs Friedensbezirke vorsah, vorschlug, dass dort auch „die furstenthumb des haws Burgundi und Britani, die an die kunigliche majestat und das hl. Reich auch kumen sein, begriffen und verfast werden“ (Weinrich, 2001: 373) sollten. So entwickelte sich der Konflikt mit der Bretagne zum zentralen Thema der Reichsversammlungen in den Jahren 1491 bis 1493. Durch die Darstellung der Bretagne als Teil des Reichs stilisierte Maximilian die Bedrohung der Bretagne durch Frankreich zu einer Gefahr für das gesamte Reich und damit für die nationale Existenz, um das Reich und die Stände für den Kampf gegen Frankreich zu mobilisieren7.

  • 8 „Gegen die unwahren Schriften der Franzosen von 1491 zur Verteidigung der Ehre des stets erhabenen (...)

14Im Mai 1492 veröffentlichte er im Reich eine Zusammenfassung aller Vorwürfe gegen Karl mit dem Titel „Contra falsas Francorum litteras 1491 pro defensione honoris serenissimi Romanorum regis semper augusti“8 sowohl in lateinischer als auch in deutscher Sprache, die Anuschka Tischer (2012: 223) als die erste offizielle Kriegsbegründung der Frühen Neuzeit ansieht. Das offiziell vom königlichen Rat und Statthalter zu Mecheln ausgestellte Manifest forderte den Papst zur Sanktionierung von Karls eherechtlich unmoralischem Verhalten, die französische Bevölkerung zur Ablehnung von Karls Vorgehen und Friedrich III. zur Unterstützung Maximilians in der Bretagnefrage auf (Seyboth, 2006: 248f.). Hier zeigt sich, dass Maximilian mit diesem Schreiben durch den Versuch einer Emotionalisierung und Mobilisierung unterschiedliche Empfänger auf europäischer Ebene im Blick hatte. Dies führt uns zugleich zur Frage nach der Wahl der Sprache. Durch die Veröffentlichung der Vereinbarung in lateinischer und deutscher Sprache konnten sowohl der Papst und die französische Obrigkeit als auch Friedrich III. und die Reichsstände erreicht werden, die Maximilian zwingend für seine Frankreichpolitik benötigte. Auch wenn das Schreiben die französische Bevölkerung zur Missbilligung von Karls Verhalten aufruft, scheint sie kein Hauptadressat gewesen zu sein, kann doch davon ausgegangen werden, dass ein Großteil der französischen Bevölkerung entweder weder des Lateinischen noch des Deutschen mächtig war oder aber schlicht nicht lesen konnte.

15Dabei zeigt sich eine weitere Dimension in Maximilians Argumentation. So stelle der Aufruf zur Kriegshilfe in diesem Manifest lediglich eine Reaktion auf Karls Vorgehen in der Bretagne dar, handele es sich doch laut des Schreibens nur um eine Verteidigung gegen das vertrags- und rechtsbrüchige Frankreich sowie eine Antwort auf die Verletzung der Ehre Maximilians. Ein gerechter Krieg (bellum iustum) konnte nach damaliger Auffassung nicht zur eigenen Gebietserweiterung geführt werden, und deshalb sei Frankreichs Vorgehen „mer verreterey und pöse, geschwynde und ungetreue listigkait dann gerechter krieg“ (Seyboth, 2008: 850). Hier zeigt sich, dass neben der Umdeutung einer dynastischen in eine Reichsangelegenheit auch die Rolle der Diffamierung des Gegners in Maximilians Argumentation nicht außer Acht gelassen werden darf, weist das Manifest am Ende doch ganz gezielt darauf hin, dass Karl mit „falschen worten und lysten“ (Seyboth, 2008: 862) arbeiten würde. Der Vorwurf der Listigkeit scheint jedoch auch eine rechtliche Dimension zu besitzen. So stellt diese Anschuldigung Karls Einhaltung der vertraglichen Abmachung infrage und verweist auf eine Verletzung von Treu und Glauben (bona fides) durch den Bruch des Vertrags von Arras (pacta sunt servanda), indem Karl anstelle von Margarete Herzogin Anna heiratete.

Karl VIII. und die Argumentation des französischen Hofs

  • 9 „Frau und Gattin“ [Übersetzung HB].
  • 10 Bei der Übersetzung des französischen Originaltexts für die Verbreitung im Heiligen Römischen Reich (...)

16Wie Maximilian versuchte auch Karl, die Rechtmäßigkeit seines eigenen Vorgehens zu begründen und das Vorgehen seines Kontrahenten als unrechtmäßig zu entlarven. Dabei musste Karl jedoch nicht nur die Rechtmäßigkeit seiner Ehe mit Anna begründen, sondern hatte darüber hinaus auch die Verstoßung von Maximilians Tochter Margarete, die er bereits als seine „femme et epouse“9 (zit. in Collard, 2012: 344) bezeichnet hatte, zu rechtfertigen, die eigentlich den Verlust des Artois und der Freigrafschaft Burgund hätte bedeuten müssen (Wilangowski, 2017: 102). Aus diesem Grund veröffentlichte er bereits am 8. Dezember 1491, kurz nach seiner Eheschließung, eine Verlautbarung über das Zustandekommen seiner Heirat mit Anna (Pélicier, 1902: 414–418), die in übersetzter Form auch im Reich verbreitet wurde (Seyboth, 2008: 161–164). Diesen Text ließ Karl an alle Parlamente und wichtigen Institutionen in Frankreich übersenden, um auf diese Weise Solidarität und Unterstützung für sein Vorgehen zu erhalten. Unklar bleibt allerdings, ob Karl selbst oder eine Instanz auf deutscher Seite für die Übersetzung und Publikation im deutschen Sprachraum sorgte10. In jedem Fall sollte seine Verbreitung im Reich wohl die Meinung der Reichsstände beeinflussen, um deren finanzielle Unterstützung Maximilian zu diesem Zeitpunkt bereits warb und die Frankreich zu verhindern suchte. Erst daraufhin veröffentlichte wiederum die habsburgische Seite ihre Zusammenfassung der falsas Francorum litteras, was verdeutlicht, wie die Argumentationsstrategien ineinandergreifen und aufeinander aufbauen.

  • 11 Auch Gaguin (Herding und Mertens, 1990: 185) weist in seinem Briefwechsel mit Wimpfeling auf Maximi (...)

17Die Auflösung seiner Verlobung mit Margarete begründet Karl in dieser Verlautbarung vor allem mit der negativen Haltung Maximilians zu diesem Projekt, der laut des Schreibens „offenlichen merken laussen an allen enden, das er nie in solich abredung des gemelten kunftigen hyrats gehollen oder dem verwilligung gegeben hab, deshalb er nit in willen, den zu halten, dann im der Kg. sein tochter wider sein gefallen und mit gewalt vorhalten sy“ (Seyboth, 2008: 162)11. Die Annullierung seiner Verlobung mit Margarete stellt Karl dabei als friedenwahrende Lösung dar, entspräche er doch mit der Rückgabe Margaretes Maximilians Forderungen, gegen dessen Willen Margarete ursprünglich nach Frankreich gekommen sei und der daraufhin kriegerische Aktivitäten gegen Frankreich begonnen habe (Collard, 2012: 348-350).

18Unerwähnt bleibt dabei jedoch, dass diese Verlobung von Karl und Margarete vertraglich festgehalten worden war. Es wird lediglich darauf hingewiesen, dass „ain gross zal främbds, tutschs volks“ (Seyboth, 2008: 162) Ansprüche auf die Bretagne und Burgund gewaltsam durchzusetzen versuchte. Wilangowski (2017: 101f.) macht daran einen Wandel der argumentativen Praxis fest und führt das Fehlen von Verweisen auf Verträge auf die unklare rechtliche Situation zurück, die nicht nur die Frage nach dem Verbleib der Mitgift Margaretes, sondern auch nach der Legitimität der Heirat von Karl und Anna stellte, die ebenfalls auf einem vermeintlichen Vertragsbruch basierte.

  • 12 „Um in seinem Namen eine Ehe in der Bretagne zu schließen“ [Übersetzung HB].
  • 13 Nec tibi fecerant fidem destinati ad connubium procuratores, tametsi quattuor essent; nulli eorum t (...)
  • 14 „Keinerlei Eheverbindung zwischen dem König der Römer und der genannten Herzogin“ [Übersetzung HB].

19Zentral in der Argumentation Karls war jedoch die Betonung der Unrechtmäßigkeit der Ehe zwischen Maximilian und Anna, da sie das größte Hindernis einer Ehe zwischen Karl und Anna darstellte. Konnte ihre Ungültigkeit belegt werden, so gab es keinen Grund, an der Rechtmäßigkeit der Eheschließung zwischen Karl und Anna zu zweifeln. Für die Unrechtmäßigkeit dieser Ehe führte Karl in dieser im Dezember 1491 veröffentlichten Verlautbarung mehrere Gründe an. Zunächst „[mag] man denn auch durch die procuracion derselben siner [Maximilians, HB] sendboten wol sehen […], das das mer ain erdichte sach ist dann anders“ (Seyboth, 2008: 163). So besaßen diese Gesandten in Karls Augen, wie es in der französischen Version der Verlautbarung heißt, keine ausreichenden Vollmachten „pour traicter eventuellement ou nom de lui aucun mariaige oudict pais de Bretaigne“12 (Pélicier, 1902: 417), wie es auch Gaguin in seinem Antwortschreiben an Wimpfeling betont13. Auch der Vertragstext der prokuratorischen Ehe wurde als ungenügend und unwirksam angesehen (Labande-Mailfert, 1975: 102). So ließ beispielsweise Jakob von Baden, der in Rom weilte, um im Auftrag Maximilians die Erteilung des päpstlichen Dispenses für die Ehe zwischen Karl und Anna zu verhindern, Maximilian wissen, dass dessen Ehevertrag mit Anna von französischer Seite als „unformlich und von kain kreften“ (Seyboth, 2008: 169) betrachtet wurde. So habe es eigentlich, wie der Großstallmeister von Frankreich, Pierre d’Urfé, Angehörigen der Pariser Universität berichtet, „point de lien de mariaige entre le roy des Rommains et ladicte ducesse“14 (Pélicier, 1902: 421) gegeben.

20Ein weiteres zentrales Argument in Karls Argumentation der Rechtmäßigkeit seiner Eheverbindung mit Anna war, wie wir aus seiner Verlautbarung vom Dezember 1491 erfahren, der leibliche Vollzug der Ehe, der seine eigene Heirat mit Anna in seinen Augen entscheidend von jener Maximilians unterschied, welcher damit jegliche Gültigkeit abgesprochen wurde (Seyboth, 2006: 245). Außerdem sei die Ehe zwischen Maximilian und Anna dem Schreiben zufolge schon allein deshalb ungültig, da Anna die Zustimmung des französischen Königs zur Heirat mit Maximilian, wie im Vertrag von Sablé geregelt, nicht ersucht hatte (Jurewitz-Freischmidt, 2013: 88). In der Vielfältigkeit der Argumente, die Karl für die Ungültigkeit der Ehe zwischen Maximilian und Anna anführt, spiegelt sich zugleich die Ungewissheit der Situation wider. Da die rechtliche Lage unklar war, war Karl bemüht, möglichst viele Argumente für die Unrechtmäßigkeit dieser Ehe anzuführen, und konnte sich nicht auf einen einzigen Argumentationsstrang beschränken.

  • 15 „Großer Nutzen für das Königreich, wenn er [Karl, HB] ihre Herzogin heiratet“ [Übersetzung HB].

21Dennoch begrenzt sich Karl in seiner Argumentation nicht völlig auf die Rechtmäßigkeit seiner eigenen Ehe mit Anna und die Unrechtmäßigkeit der Ehe zwischen Maximilian und Anna. Vielmehr ist er, wenn auch nur vereinzelt, darum bemüht, auch den Nutzen seiner Eheverbindung mit Anna für ganz Frankreich zu betonen, wenn sein Großstallmeister Pierre d’Urfé an der Pariser Universität von einer „grant utilité qui viendroit au royaulme s’il [Karl, HB] prenoit leur ducesse en mariaige“15 (Pélicier, 1902: 421) spricht, womit sicherlich auch die Pariser Eliten für Karls Krieg in der Bretagne und sein Vorgehen gegen Maximilian gewonnen werden sollten.

Die Lösung des Konflikts. Oder: Wie man eine Auseinandersetzung vergessen macht

  • 16 Da aus diesem Grund zum Beispiel der Heiratsvertrag zwischen Maximilian und Anna nicht überliefert (...)

22Obwohl Maximilian seinen Vater Friedrich 1492 für die Unterstützung seiner Westpolitik gewinnen konnte, verfügte er trotz seiner offensiven Werbung bei den Reichsständen über zu wenig Geld, um Frankreich mit einer großen Anzahl an Truppen angreifen zu können. Dennoch wagte er ohne seine Verbündeten Spanien und England, die bereits Sonderfrieden mit Frankreich abgeschlossen hatten, einen militärischen Vorstoß in die Freigrafschaft Burgund, die er zu großen Teilen zurückerobern konnte. Unter diesen Bedingungen war schließlich auch Frankreich zu einem Waffenstillstand bereit, der im März 1493 mit dem Frieden von Senlis und einem Verzicht Maximilians auf die Bretagne besiegelt wurde. Dieser Friede stellte das Ende der Auseinandersetzung zwischen Maximilian und Karl um die Bretagne dar. Anschließend waren beide Parteien darum bemüht, alle den Konflikt betreffenden Urkunden und Zeugnisse zu vernichten16. Schließlich erkannte auch Maximilian die Ehe von Karl und Anna an, da er zu diesem Zeitpunkt wohl bereits um Bianca Maria Sforza warb (Wiesflecker, 1971: 338–344).

23Wenngleich beide Parteien auch die Diffamierung ihres Gegners im Blick hatten, unterscheiden sich die Argumentationsstrategien von deutscher und von französischer Seite doch grundlegend voneinander. Maximilians Argumentation basierte auf dem Vorwurf des „bretonischen Brautraubs“, nach dem Anna vom französischen König geraubt und zur Ehe gezwungen worden sei. Dieser Vorwurf weist rechtliche, appellativ-emotionale und diffamierende Dimensionen auf und zielte damit auf unterschiedliche Empfänger der Informationen. Dadurch war der Vorwurf des Brautraubs aufgrund dieser verschiedenen Dimensionen flexibler einsetzbar als Karls eindimensionale Argumentation auf rechtlicher Ebene. Diese basierte vor allem auf der direkten Begründung der Recht- bzw. Unrechtmäßigkeit der Ehen, da Karl nicht nur die Vollmachten der Gesandten Maximilians und den Vertragstext der prokuratorisch geschlossenen Ehe zwischen Maximilian und Anna bemängelte, sondern darüber hinaus auch den leiblichen Vollzug seiner eigenen Ehe mit Anna betonte. Besonders bedeutend in Maximilians Argumentation hingegen war die Stilisierung des Konflikts zur Bedrohung des gesamten Reichs, mit der er das Volk für sein Vorhaben zu gewinnen und die Reichsstände zu finanzieller Unterstützung zu bewegen suchte. Damit spiegeln sich in diesem Konflikt Maximilians Herausforderungen, mit denen er immer wieder zu kämpfen hatte, wie in einem Brennglas wider: So war er zeit seines Lebens aufgrund seiner Geldnot auf die Unterstützung der Reichsstände angewiesen, um seine Pläne voranzutreiben.

24Wie Helmer Helmers (2016) jüngst zeigen konnte, spielte in der frühneuzeitlichen Diplomatie die Interaktion zwischen diplomatischen Instanzen und der Bevölkerung eine wichtige Rolle. Dies zeigt sich auch in der Auseinandersetzung zwischen Maximilian und Karl, wandten sich doch beide nicht nur an Eliten, sondern immer wieder ganz gezielt an ihr eigenes oder das Volk des Kontrahenten. Dabei weist Helmers auch darauf hin, dass noch untersucht werden müsse, inwiefern sich diese „public diplomacy“ (Helmers, 2016: 414) zwischen Herrschaftsgebieten unterschiedlicher Administrationsformen unterscheidet. Zumindest die Kommunikation mit dem eigenen Volk in dieser diplomatischen Angelegenheit legt erhebliche Unterschiede offen. So musste Karl aufgrund des größeren Zentralismus in Frankreich keine nationalen Momente hervorheben, um Unterstützung zu erhalten, während Maximilian aufgrund der teils starken Partikularinteressen in seinem Herrschaftsgebiet auf eine Bedrohung des gesamten Reichs durch Frankreich hinzuweisen hatte. In solchen diplomatischen Auseinandersetzungen spielten jedoch auch rechtliche Argumente eine wichtige Rolle (Drocourt und Schnakenbourg, 2016). Neben den emotional-appellativen Aussagen und den diffamierenden Äußerungen waren sie in diesem Konflikt gar das zentrale Argumentationsinstrument und damit unentbehrlich, um die Meinungsbildung ganz unterschiedlicher Adressatengruppen zu beeinflussen.

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Bibliographie

Quellen

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Morice, Hyacinthe (Hg.) (1746): Mémoires pour servir des preuves à l’histoire ecclésiastique et civile de Bretagne, tirés des archives de cette province, de celles de France et l’Angleterre, Bd. 3, Paris.

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Literatur

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Notes

1 Ein solches Versprechen gab Annas Onkel Jean de Chalon, Fürst von Orange, 1489 als Dank für militärische Unterstützung auch Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien, die ebenfalls in Betracht zogen, ihren Sohn mit Anna zu verheiraten: „Pour lesdictes causes & autres consideracions à ce nous mouvans, avons promis & promectons par ces presentes, aux dicts Roy & Royne de non traicter, ne faire traicter ne consentir mariaige de ma dicte dame la duchesse avec quelque personne que ce soit, sans leur sceu, advis, conseil & consentement ; moiennant leur volonté.“ („Aus den genannten Gründen und anderen Erwägungen versprechen wir dem genannten König und der Königin hiermit, ohne deren Wissen, Mitteilung, Rat und Zustimmung oder gegen deren Willen keine Heirat abzuwickeln und keiner Heirat der Herzogin mit irgendeiner Person zuzustimmen“ [Übersetzung HB]); Le Roux de Lincy, 1860: 170. In der Auseinandersetzung zwischen Maximilian und Karl scheint dieses Versprechen jedoch keine Rolle mehr zu spielen.

2 Wie Florian Waldauf von Waldenstein, Protonotar von Maximilian, Erzherzog Sigmund von Tirol im Januar 1491 berichtet, könnte man von der Bretagne jährliche Einnahmen in Höhe von 600 000 fl. erwarten. So sei es „vil mechtiger, grösser und reicher dann Burgundi“ (Seyboth, 2008: 150).

3 „[O]rdonnons, & établissons, nos Ambassadeurs, […] pardevers ladite Duchesse de Bretagne, lui dire et declarer […] nôtre vouloir, intention, & desir au fait dudit Traité & Alliance de Mariage […], conclure de nôtre par lesdits Traité et Alliance […], fiancer pour et au nom de nous ladite dame Anne Duchesse et faire promesse et serment solennel en l’ame de nous, que la prendrons en nôtre femme et épouse“ (Dumont, 1726: 219). „Wir ordnen unseren Botschaftern an, gegenüber der genannten Herzogin der Bretagne unseren Willen, unsere Absicht und unser Verlangen zu erklären, den genannten Vertrag und das genannte Bündnis abzuschließen, für und in unserem Namen [gemeint ist für Maximilian, HB] die Herzogin Anna zu verloben und ein Versprechen und einen feierlichen Eid abzulegen, dass wir sie zu unserer Frau und Gattin nehmen werden“ [Übersetzung HB].

4 Dies erfahren wir aus der Chronik von Jean Molinet (1435–1507) (Buchon, 1828: 174); auch die französische Forschung geht von einer freiwilligen Heirat Annas mit Karl aus, da diese Ehe aus persönlichen und politischen Gründen für sie wohl vorteilhafter war (Labande-Mailfert, 1975: 101–115).

5 „Die braut [Anna, HB] saß auf mit eren, / wollt reiten ins teutsche land / zu irem edlen herren: / groß leid stieß ir zu hand / von einem künig aus Frankreich / von herzen erschrag sie sere, / die schön magt tugentleich.“ (Liliencron, 1866: 301). Dass die These des Brautraubs auch in Volksliedern präsent war, macht dabei deutlich, dass Argumente in diesem Konflikt auf ganz verschiedenen Ebenen verbreitet wurden und unterschiedliche Empfänger in den Blick nahmen.

6 Eine Verbreitung der Ansichten im Volk war wohl auch deshalb relevant, da ein Steuerplan die Belastung sämtlicher Reichsuntertanen mit einer Abgabe zur Finanzierung des Krieges gegen Frankreich vorsah (Seyboth, 2006: 254f.).

7 An dieser Stilisierung waren auch Humanisten wie Jakob Wimpfeling beteiligt, die dem Hof nahestanden. So rechtfertigte dieser in einem Briefwechsel mit dem französischen Humanisten Robert Gaguin das Vorgehen Maximilians, für den die Heirat von Karl und Anna eine Demütigung gewesen sei, die Wimpfeling sogleich auf alle Untertanen des Reichs ausweitet: Nam et indigna quam rex noster accepit contumelia visa est mihi non suae solum maiestati, sed universae quoque Germaniae et Alemannis, denique omnibus infandum probrum, labem, iniuriam et sempiternam ignominiam attulisse. […] [I]ta ego Germanus regi Romanorum obnoxius merito turpissimum iudicarer membrum, si non tanto capiti contumeliam passo saltem ingenii mei vena condolere et misereri studuissem (Herding und Mertens, 1990: 178f.; „Denn auch die unwürdige Beleidigung, die unser König erhalten hat, schien mir nicht nur über Seine Majestät, sondern über ganz Deutschland und die Alemannen, kurz gesagt über alle eine unsägliche Beleidigung, Schmach, Unrecht und ewige Schande gebracht zu haben. […] So wäre ich, ein deutscher Untertan des Königs der Römer, mit Recht für das schändlichste Stück erklärt worden, wenn ich nicht so viel Beleidigung erlitten hätte, dass ich zumindest geneigt gewesen wäre, im Sinne meines Charakters mitzufühlen und Mitleid zu haben.“ [Übersetzung HB]).

8 „Gegen die unwahren Schriften der Franzosen von 1491 zur Verteidigung der Ehre des stets erhabenen Königs der Römer“ [Übersetzung HB]. Der offizielle Titel der deutschen Fassung lautete „Zu handthabung und behaltnuß der römischen kunigklichen maiestat eeren und glympfens auff der Frantzosen falsch erdicht und ungegründt außschreiben in nachvolgenden henndeln“ und ist gedruckt bei Goldast von Haiminsfeld (1713: 34–43).

9 „Frau und Gattin“ [Übersetzung HB].

10 Bei der Übersetzung des französischen Originaltexts für die Verbreitung im Heiligen Römischen Reich handelt es sich um eine wortgetreue Übersetzung des Textes ins Deutsche.

11 Auch Gaguin (Herding und Mertens, 1990: 185) weist in seinem Briefwechsel mit Wimpfeling auf Maximilians Ablehnung zu dieser Heirat hin: Et ne forte nescias, rex Romanus Margaretae pater pactum de nuptiis semper improbavit; „Und damit du es genau weißt, Margaretes Vater, der römische König, hat den Ehevertrag stets missbilligt.“ [Übersetzung HB].

12 „Um in seinem Namen eine Ehe in der Bretagne zu schließen“ [Übersetzung HB].

13 Nec tibi fecerant fidem destinati ad connubium procuratores, tametsi quattuor essent; nulli eorum tamen erat in solidum coniugii gerendi decreta facultas, quod verbum iuris maxima providentia cautioneque statutum est (Herding und Mertens, 1990: 188; „Auch die von dir zur Eheschließung eingesetzten Stellvertreter konnten keine Glaubwürdigkeit erzeugen, obwohl es vier waren; keiner von ihnen hatte jedoch eine Vollmacht, die Eheverordnungen auszuführen, weil das Wort des Gesetzes mit größter Vorsehung und Vorsicht festgesetzt worden war.“ [Übersetzung HB]). Dass die Vollmachten jedoch tatsächlich ungenügend waren, lässt Wimpfelings Aussage vermuten, der den Willen und die Gefühle der Partner stärker gewichtet als juristische Feinheiten, die seiner Meinung nach vernachlässigt werden können: Quid tu in anfractibus iuris obambulas? Quid nodum in scripto quaeris? Quid de supervacuo procuratorio disputas? Substantiam rei pondera, consensum animadverte, voluntatem et affectum pensiculare memento (Herding und Mertens, 1990: 194; „Warum gehst du in die Weitschweifigkeit des Gesetzes? Welchen Knoten suchst du in der Schrift? Warum setzt du dich mit Überflüssigem Stellvertretendem auseinander? Wäge die Beschaffenheit der Sache ab, beachte die Einwilligung, denke daran, den Willen und das Empfinden zu beurteilen.“ [Übersetzung HB]).

14 „Keinerlei Eheverbindung zwischen dem König der Römer und der genannten Herzogin“ [Übersetzung HB].

15 „Großer Nutzen für das Königreich, wenn er [Karl, HB] ihre Herzogin heiratet“ [Übersetzung HB].

16 Da aus diesem Grund zum Beispiel der Heiratsvertrag zwischen Maximilian und Anna nicht überliefert ist, lässt sich die Heirat lediglich durch zufällig überlieferte Nebenumstände wie eine Opferspende datieren. So macht es diese Vernichtung von Akten und Urkunden zwingend erforderlich, neben Quellen wie volkstümlich überlieferten Liedern und Gedichten oder humanistischen Traktaten, die nicht direkt an den Höfen entstanden sind, vor allem auf die in größerer Auflage von den Höfen gedruckten, weit verbreiteten und daher nicht vollständig zu vernichtenden Pamphlete und Manifeste zurückzugreifen. Folgen wir Paul de La Bigne Villeneuve (1862), der 1862 bereits im Titel seines Aufsatzes von „une date historique retrouvée“ („einem wiedergefundenen historischen Datum“) spricht, so scheint der Versuch der Vernichtung sämtlicher Urkunden und Zeugnisse aber tatsächlich von Erfolg gekrönt gewesen zu sein.

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Pour citer cet article

Référence électronique

Hans Baumann, « Von ungültigen Vollmachten, Reichsangelegenheiten und geraubten Ehegattinnen »Trajectoires [En ligne], 16 | 2023, mis en ligne le 13 mars 2023, consulté le 24 juin 2024. URL : http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/trajectoires/9291 ; DOI : https://0-doi-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/10.4000/trajectoires.9291

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Auteur

Hans Baumann

Doktorand, Eberhard Karls Universität Tübingen

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Droits d’auteur

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