Navigation – Plan du site

AccueilNuméros16EchosMouvements contraires„Ich bin aus Deutschland geflohen“

Echos
Mouvements contraires

„Ich bin aus Deutschland geflohen“

Deutschland hinter sich lassen in der deutschen Gegenwartsliteratur
Hannes Höfer

Résumés

Au cours des dernières années de plus en plus de romans de jeunes autrices et auteurs sont parus dans lesquels l'Allemagne n'apparaît plus comme le pays d'accueil des réfugiés, mais aussi comme le point de départ d'une fuite. À travers des histoires d'exil ou de remigration, ces romans critiquent d'une part l'hypocrisie des débats sur la migration et l'intégration au sein d’une société allemande se croyant ouverte et tolérante. D'autre part, ces romans montrent que le concept d'un espace hybride où se rencontrent différentes cultures n’est plus seulement une avancée positive, mais également un révélateur d’effets discriminatoires. Cette opposition se manifeste dans des textes qui vont parfois jusqu’à réclamer une nouvelle univocité. Ainsi, ces autrices et auteurs mettent en avant leurs positions littéraires et se présentent comme une seule et unique génération.

Haut de page

Texte intégral

  • 1 Da es im Folgenden ganz allgemein um Kulturbegegnungen geht, könnte deren literarische Darstellung (...)

1Deutsche Gegenwartsliteratur ist auch interkulturelle Literatur. Das ist nicht in dem abstrakten Sinne gemeint, dass eigentlich jeder literarische Text interkulturell ist, weil Literatur immer verschiedene kulturelle Einflüsse bündelt (Hofmann, 2006b: 49). Sondern ganz konkret: In der deutschen Gegenwartsliteratur werden Fragen von Kulturbegegnung, kultureller Zugehörigkeit und kulturellen Selbst- und Fremdzuschreibungen verhandelt1. Und diese Texte erfreuen sich in den letzten Jahren einer zunehmenden Beliebtheit auf dem Buchmarkt, in öffentlichen Literaturdebatten und in der Forschung. Die Beliebtheit einer interkulturellen Literatur kann allerdings auch der Ausgangspunkt für neue Absetzbewegungen sein: In den im Folgenden behandelten Romanen geht es in sehr spezieller Weise um Probleme, die entstehen, wenn Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen sich begegnen. Die Kulturbegegnung in Deutschland wird nämlich unter- oder gar ganz abgebrochen, weil die Hauptfiguren auf der Inhaltsebene Deutschland zeitweise oder sogar für immer verlassen. Deutschland ist in diesen Texten kein Einreise-, sondern ein Ausreiseland.

2Das ist die inhaltliche Gemeinsamkeit der Romane, in ihnen gibt es Hauptfiguren mit Migrationserfahrung, die entweder selbst oder deren Eltern nicht in Deutschland geboren worden sind. Weil sie andauernd auf diese Migrationserfahrung angesprochen oder gar reduziert werden und damit in ein ‚Dazwischen‘ zwischen Herkunfts- und deutscher Kultur gezwungen werden, entziehen sich die Figuren dieser Zwischenposition, indem sie Deutschland verlassen. Dabei findet der jeweilige Umgang mit der aufgezwungenen Position seinen Ausdruck in der Reiseroute: Bei Karosh Taha und Deniz Utlu reisen die Figuren zeitweilig in das Ursprungsland ihrer Eltern, um sich anschließend gestärkt und selbstbewusst den weiterhin als widrig wahrgenommenen Umständen in Deutschland zu stellen. In Romanen von Olga Grjasnowa und Sasha Marianna Salzmann reisen die Figuren in Länder, die nicht die Herkunftsländer ihrer Familien sind, und erkennen dort, dass ihr Gefühl der Unzugehörigkeit fortdauert. Die Figuren beenden ihre Reisen desillusioniert und es bleibt auf der Handlungsebene offen, ob sie sich erneut den Frustrationen eines Lebens in Deutschland aussetzen wollen. Die Figuren bei Fatma Aydemir und Ronja Othmann verlassen Deutschland endgültig und bleiben im Herkunftsland ihrer Eltern (bei Othmann dem des Vaters). Sie brechen ein Leben im ‚Dazwischen‘ in Deutschland ab zugunsten einer neuen Eindeutigkeit. Spricht man im Zusammenhang mit interkultureller Literatur hin und wieder emphatisch von einer ‚Literatur ohne festen Wohnsitz‘ (z. B. Ette, 2005; Asholt u. a., 2010), könnte man die hier vorgestellten Romane als literarische Suche nach einem neuen festen Wohnsitz bezeichnen.

3Die Romane reagieren auf dieselben Debatten und Diskurse. Offensichtlich ist, dass mit dem Verlassen von Deutschland Kritik an diesem Land formuliert wird; genauer Kritik am Umgang mit Menschen, die nicht in Deutschland geboren worden sind. Die Romane klagen die deutsche Gesellschaft an, entweder intolerant gegenüber Migrant*innen zu sein oder ihre Toleranz nur zu heucheln und tatsächlich schlicht gleichgültig zu sein. Die Romanfiguren reagieren auf diese Abweisung, indem sie wütend das Land verlassen. Ebenso offensichtlich, nur möglicherweise für einen kleineren Kreis an Rezipient*innen, reagieren die Romane nicht nur auf den gesellschaftlichen Diskurs über Migration, sondern auch auf den literaturwissenschaftlichen Diskurs über Migrationsliteratur. Dort findet sich teilweise bis heute eine positive – in Teilen auch emphatische – Vorstellung von produktiver interkultureller Begegnung in einem Raum zwischen den Kulturen. Die Romane halten kulturelle Begegnung keineswegs für unsinnig, sondern vielmehr für selbstverständlich, sie kritisieren aber scharf, dass bei einer vorschnellen Begeisterung für kulturelle Zwischenräume meist übersehen wird, dass auch in diesen ein Machtgefälle bestehen kann. Nämlich genau dann, wenn Menschen mit Migrationserfahrung in einen Raum zwischen ihrer Herkunfts- und ihrer Ankunftskultur gezwungen werden von Menschen ohne Migrationserfahrung. Özkan Ezli stellt in seiner Untersuchung zu deutsch-türkischen Narrativen der Migration fest, dass in den Publikationen der letzten Jahre der Fokus verstärkt auf „Praktiken und Wahrnehmungen von Diskriminierung“ (Ezli, 2022: 19) gelegt wird. Genau unter diesem Fokus gehen die hier behandelten Romane die Themen Kulturbegegnung und Migration an, denn die Hauptfiguren werden von deutschen Figuren diskriminiert, indem sie in ein ‚Dazwischen‘ gezwungen werden. Dabei stellen die Romane ihr Wissen um die wissenschaftlichen und spezieller literaturwissenschaftlichen Debatten deutlich aus.

4Neben den kurz umrissenen Ähnlichkeiten der Romane auf Handlungs- und Diskursebene gibt es einen weiteren Zusammenhang der Texte auf der Produktionsebene: Die Romane wurden von Autorinnen und Autoren geschrieben, die selbst oder deren Eltern nicht aus Deutschland stammen und die in den 1980er oder 90er Jahren geboren wurden. Diese biographische Gemeinsamkeit unterstreichen sie, indem sie publizistisch als zusammengehörige Generation auftreten und so sowohl ihren literarischen Positionen Nachdruck verleihen als auch ihre Rolle als engagierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der deutschen Öffentlichkeit unterstreichen. Indem sie Deutschland literarisch hinter sich lassen, besetzen sie eine starke und produktive Position auf dem deutschen Literaturmarkt.

Deutschland zeitweilig verlassen & Wut auf die deutsche Gesellschaft

5Der Roman Im Bauch der Königin von Karosh Taha aus dem Jahr 2020 bildet einen Übergang zu den hier behandelten Romanen, in denen Deutschland verlassen wird. Er steht hier zusammen mit Deniz Utlus Roman Die Ungehaltenen von 2014 für Texte, in denen die Romanfiguren durch ihr Leben in Deutschland dazu gezwungen werden, sich mit der Migrationserfahrung ihrer Eltern auseinanderzusetzen und hierfür ins Geburtsland der Eltern reisen. Ein Übergang ist Tahas Roman deshalb, weil er seine Geschichte in zwei unabhängigen Varianten erzählt, die bei gleichbleibendem Personal unterschiedlich und wegen ihres jeweils anderen Handlungsverlaufs erzähllogisch miteinander unvereinbar sind. Es handelt sich um ein ‚Wendebuch‘, das von beiden Seiten begonnen werden kann und in dem die beiden Varianten der Geschichte aufeinanderzulaufen. Im Kern geht es um die alleinerziehende Kurdin Shahira und ihren Sohn Younes, einmal erzählt aus der Perspektive von Younes‘ Freund Raffiq und einmal aus der Perspektive von Younes‘ Freundin Amal. In Raffiqs Version werden Younes und Raffiq von der nicht näher bestimmten mittelgroßen Stadt nach Frankfurt am Main ziehen. In Amals Version bricht Amal aus ihrem Viertel aus, um zu ihrem Vater zu reisen, der in den Irak zurückgegangen ist und eine neue Familie gegründet hat. Aus dieser Passage stammt der Titel des Beitrags: Amal ist aus Deutschland geflohen (Version Amal, Taha, 2020: 100), um festzustellen, dass sie auch im Irak nie ein Zuhause finden wird, weil dieses Zuhause ein ständiger Prozess ist: „Und Mutter entscheidet jeden Tag aufs Neue [in Deutschland; Anm. v. mir] zu bleiben“ (ebd.: 130), so wie es Amal dann auch tun wird.

6Diese kämpferische und zuversichtliche Haltung ist in Utlus Die Ungehaltenen stärker ramponiert: Elyas taumelt durch Neuköllner Tage und Nächte. Erst der Tod seines Vaters, der Terror des NSU und vor allem die deutsche Gleichgültigkeit diesem Terror gegenüber bringen ihn zu einer Auseinandersetzung mit der Geschichte seiner Familie. Die Liebe zu Aylin und die gemeinsame Reise nach Istanbul und Trabzon, wo sie sich wie „Touristen“ (Utlu, 2015: 179) vorkommen, führen zu einer Akzeptanz der eigenen Familiengeschichte und der eigenen Herkünfte.

7Trotz dieser individuellen Versöhnung sind die Figuren bei Taha und Utlu wütend. Utlus Romantitel bringt es auf den Punkt. Sie sind ungehalten: haltlos, weil ihnen ein Ankommen unmöglich ist; ungehalten, weil sie von der deutschen Gesellschaft nicht unterstützt, sondern im Gegensatz dazu gezwungen werden, eine Migrationsidentität an- und somit eine Position des ‚Dazwischen‘ einzunehmen.

8Utlu gestaltet das Skandalöse der deutschen Selbstgefälligkeit in mehreren Szenen. Ein eindrückliches Beispiel ist eine Festveranstaltung zum 50. Jahrestag des Gastarbeiterabkommens zwischen Deutschland und der Türkei, zu dem Elyas eingeladen wird:

„Der Mann vor mir tat geschäftig, was mich darauf schließen ließ, dass er zu den Kreisen des Bürgermeisters gehörte. Neben ihm stand ein untersetzter Herr, in einem Anzug aus den Achtzigerjahren mit Schulterpolstern und langem Jackettrock. ‚Schön, nicht, Herr Bulukuluogulu?‘, sagte der Bürokrat. Der untersetzte Mann verbeugte sich mit dem ganzen Oberkörper. ‚Da soll mal keiner behaupten, dass es unseren Einwanderern nicht gut gehe bei uns‘, sagte der Bürokrat und klopfte Staub vom Jackettärmel des untersetzten Mannes. Der Ärmel schien ihm nicht sauber genug geworden zu sein, der Bürokrat spuckte sich in die Finger und rieb jetzt am Jackett des anderen, der sich immer wieder mit dem Oberkörper und den gefalteten Händen vor und zurück beugte“ (ebd.: 100).

9Empörend ist an dieser Szene sowohl das entwürdigende Verhalten des Bürokraten, der den türkischen Herren wie ein Kleinkind behandelt, als auch das Verhalten des Herren selbst, der den Bürokraten nicht darauf hinweist, dass „Bulukuluogulu“ kein türkischer Name ist, und die Entwürdigung unterwürfig geschehen lässt. Für Elyas ist Stillhalten keine Option mehr. Er verlässt den Empfang wütend und startet ein virtuelles Museum über das Leben türkischer Migrant*innen in Deutschland. Dieses Archivprojekt verfolgt der Autor Utlu selbst (vgl. Utlu, 2018), hier formuliert die Figur also ein Anliegen ihres Autors. Das Anliegen des Romans wird allerdings auch deutlich, wenn man nichts über die Biographie seines Autors weiß: Er klagt das Verhalten der deutschen Gesellschaft gegenüber ihren eingewanderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern als menschenverachtend und ignorant an.

10Taha inszeniert die Ignoranz der Deutschen auf dem zentralen Feld von Integrationsdebatten: der deutschen Sprache. Denn die einzigen Figuren, die bei ihr gebrochen Deutsch sprechen, sind die Deutschen selbst. Als Raffiq seinen Vater auf dessen Arbeitsstelle in einem Großlager besucht, wird er vom Chef hingebracht:

„Herr Bauer ruft nach meinem Vater, wedelt ihn mit der Hand her. Wenn er das noch einmal macht, klatsche ich ihm eine. ‚Herr Khalid! Kommen! Sohn da.‘ Ich schaue zu Herrn Bauer, der plötzlich angefangen hat, wie ein Spacko zu reden“ (Version Raffiq, Taha, 2020: 60f.).

11Will man hierin einen Kommentar auf Debatten um gelingende Integration sehen, ließe sich sagen: Die Integrationsverweigerer sind die Deutschen.

Deutschland zeitweilig verlassen & Ablehnung des ‚Dazwischen‘

12Die Frustration der Figuren bei Utlu und Taha ist nicht nur lesbar als Reaktion auf gesellschaftliche Debatten, sondern ebenfalls auf literaturwissenschaftliche Positionen von Interkulturalität und von einem produktiven ‚Dazwischen‘. Das wird deutlicher in Romanen, in denen die Protagonist*innen längere Zeit im Ausland leben, um Abstand zu deutschen Migrationsdebatten zu gewinnen. So geschieht es in den Romanen Der Russe ist einer, der Birken liebt von Olga Grjasnowa aus dem Jahr 2012 und in Sasha Marianna Salzmanns Roman Außer sich von 2017. Bei Grjasnowa ist es die aus Aserbaidschan stammende Maria Kogan, die nach Israel und Palästina aufbricht. In Israel hat Kogan, die wegen ihres jüdischen Glaubens zusammen mit ihren Eltern Baku verlassen musste, zwar Verwandtschaft, Halt findet sie dennoch nicht. Am Ende will sie nach Deutschland zurück, wobei sie frustrationsreich lernen muss, dass ihr Gefühl der Unbehaustheit niemals und nirgendwo enden wird. Ähnlich geht es Salzmanns Figur Alissa Tschepanow, geboren in St. Petersburg und wie Maria Kogan als Kontingentflüchtling nach Deutschland gekommen. Tschepanow sucht in Istanbul ihren Zwillingsbruder Anton. Sie findet ihn nicht, beginnt mit einer Hormontherapie eine Geschlechtsumwandlung und nennt sich selbst Anton. Hier wie bei Grjasnowa führt der Auslandsaufenthalt dazu, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen und die daraus resultierenden Brüche und Verletzungen der eigenen Identität anzunehmen, ohne nach einer Versöhnung dieser Brüche zu streben. Damit formulieren die Romane eine klare Diagnose: Deutschland kann keinen Halt bieten, Menschen mit Migrationserfahrung bleiben – wie es der Romantitel von Salzmann formuliert – ‚außer sich‘. Dass die Figuren bei Grjasnowa und Salzmann dennoch zurückkommen, hat also weniger mit Deutschland zu tun, sondern damit, dass ihnen auch kein anderes Land den Eindruck nehmen kann, sich unzugehörig zu fühlen. Das zumindest macht der kurzzeitige Aufenthalt außerhalb Deutschlands beiden Figuren schmerzhaft klar. Das heißt aber nicht, dass Kogan und Tschepanow nach ihrer Rückkehr Zuversicht schöpfen, wie die Figuren bei Taha und Utlu. Kogan und Tschepanow bleiben unversöhnt, jede Rede sowohl von Ankommen und Integration als auch von der Bereicherung durch ein ‚Dazwischen‘ würde ihnen zynisch vorkommen.

13Die Vorstellung eines produktiven Zwischenraums, in dem sich Menschen begegnen und über ihre kulturellen Differenzen austauschen können, ist grundlegend für Theorien des Interkulturellen. Für die Literaturwissenschaft lässt sich hierfür exemplarisch der Einführungsband Interkulturelle Literaturwissenschaft von 2006 zitieren. Zur Situation von Menschen aus einem Umfeld türkischer Kultur in Deutschland heißt es:

„[S]ie [die Situation; Anm. v. mir] ist […] dadurch gekennzeichnet, dass die genannten Personen einen ‚dritten Raum‘ besetzen, in dem sie für [s]ie relevante Differenzen zwischen deutscher und türkischer Kultur bestimmen und eine hybride Identität ausbilden, die sich eindeutigen Zuschreibungen verweigert“ (Hofmann, 2006: 13).

14Im gleichen Jahr wird in einem Sonderband von text + kritik die „Signatur einer dauerhaften Identität im Dazwischen“ und vor allem die „Produktivität des Dazwischen“ (Blödorn, 2006: 136 u. 138) für die deutsche Gegenwartslyrik betont. Hier klingt ein Enthusiasmus gegenüber Migrationserfahrungen und ihrer Verhandlung in der Literatur durch, der bereits in derselben Ausgabe von text + kritik gedämpft wird, findet sich dort schließlich auch die Übersetzung von Leslie A. Adelsons „Against Between“. In diesem Beitrag beklagt Adelson, dass die Literatur der Migration von der Literaturkritik häufig nur deswegen zwischen zwei Welten verortet werde, um sie auf Distanz zur deutschen Literatur zu halten (Adelson, 2006: 38f.). Zuletzt hat Ezli auf das Problematische von Positionen wie bei Hofmann hingewiesen (Ezli, 2022: 68). Und auch in den hier behandelten Romanen findet sich keine ausschließlich positiv konnotierte „Produktivität des Dazwischen“, sondern gerade der Hinweis, dass eine solche Forderung auch zu einer diskriminierenden Zumutung werden kann. Dass die Romane allerdings nicht gegen eine veraltete Position der deutschsprachigen Literaturwissenschaft anschreiben, sondern sich Vorstellungen wie die von Hofmann und Blödorn auch noch in jüngeren Beiträgen finden lassen, beweisen einige Untersuchungen zu Grjasnowas Roman.

15Kogan und ihre Freunde sind jung, urban, gut ausgebildet und aufgrund ihrer transnationalen Biographien kosmopolitisch. Klare nationale, religiöse oder sexuelle Zugehörigkeiten spielen in ihren Leben keine Rolle. Sie sind ideale Vertreter*innen einer hybriden Identität. Wenn Kogan von ihrem deutschen Freund Elias oder von anderen auf ihren „Migrationshintergrund“ (Grjasnowa, 2017: 12) angesprochen wird, reagiert sie wütend. Und sie schlägt zurück, indem sie die deutschen Figuren auf einzelne negative Eigenschaften wie Sexismus, Fremdenhass, übergriffigen Philosemitismus oder Provinzialismus reduziert. Insofern widerfährt den deutschen Figuren im Roman genau das, das Kogan widerfährt: Sie werden auf eine Identität festgelegt, nur ist diese in ihrem Fall nicht hybrid, sondern einseitig und stereotyp. Einige Forschungsbeiträge tun sich mit diesem Befund schwer. So wird kritisiert, dass Kogan ihre eigene klischeehafte Wahrnehmung nicht reflektiert und somit „eine ganze Reihe von Deutschlandklischees [reproduziert]“ (Willms, 2018: 185f.), wobei Kogans „stereotypisierte[] Darstellung“ von deutschen Figuren als „problematisch“ (Catani, 2015: 108f.) eingestuft wird. Eine solche Bewertung entsteht, wenn man davon ausgeht, dass ein interkulturelles ‚Dazwischen‘ grundlegend zu begrüßen ist und Literatur dann gute Literatur ist, wenn sie diese interkulturelle Sichtweise reproduziert. Die Darstellung von Nationalklischees in einer klaren Binarität hingegen ist dann ebenso grundlegend problematisch. Dabei wurde bereits gezeigt, dass die hybride Identität von Kogan und ihren Freunden gerade „vor der Negativfolie von Deutschen erschaffen [wird], die im Roman einen besonderen Hang dazu haben, vorgefertigte Schubladen ihrer Vorstellungen mit Stereotypen zu befüllen“ (Wojcik, 2015: 11). Klischees oder hybride Konzepte sind in der Literatur keine negativen oder positiven Werte an sich, sondern erfüllen eine darstellerische Funktion. Im Fall von Der Russe ist einer, der Birken liebt zeigen sie, dass erstens hybride Identitäten besser sind als in Binäroppositionen verharrende; dass zweitens hybride Identitäten der Normallfall sind (oder zumindest sein sollten); und dass es drittens aber nicht darauf ankommt, ob es sich um hybride oder binäre Konzepte von Identität handelt, sondern darauf, wer sie wem zuschreibt. Hybride Identitäten sind als korrekte Selbstzuschreibung völlig in Ordnung, als Fremdzuschreibung vonseiten einer ignoranten Mehrheitsgesellschaft sind sie „belehrend“ (Grjasnowa, 2017: 12). Wenn man allerdings den Einsatz von Klischees aufgrund theoretischer Voreinstellungen als ‚problematisch‘ ablehnt, verhält man sich zum Roman genauso belehrend wie die deutschen Figuren zu Maria Kogan.

16Die Romane von Grjasnowa und Salzmann stellen beide ihr Bewusstsein für aktuelle gesellschaftliche Themen und Themen der Literaturwissenschaft aus. In Grjasnowas Buch wird fast kapitelweise ein Thema wie Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, sexuelle Belästigung verhandelt, aber eben auch Probleme der Trans- und Interkulturalität (Kogan ist Dolmetscherin), der Memory Studies oder der Konstruktion von Identität. Bei Salzmann kommen Fragen der Gender Studies und vor allem der Fiktionalitätstheorie hinzu. Kurz: Grjasnowa, Salzmann und die anderen hier behandelten Autor*innen sind ausgewiesene Kenner*innen literaturwissenschaftlicher Debatten. Das gilt es zu beachten: Diese Romane sind keine autobiographischen Texte, es sind keine literarischen Aufarbeitungen erlebter Migration, sondern literarische Kommentare auf den gesellschaftlichen (und literaturkritischen) Umgang mit Migrationserzählungen.

17Trotz ähnlicher Darstellungsanliegen verwenden die hier vorgestellten Romane durchaus unterschiedliche Darstellungsverfahren. Die Spannbreite der Verfahren lässt sich an den Romanen von Salzmann und Grjasnowa exemplarisch vorführen. Salzmann stellt die literarische Konstruktion am deutlichsten aus. Ihre Figur Tschepanow kommt in Istanbul bei Cemal unter, dem Onkel ihres besten Freundes Elyas, und damit bei dem gleichnamigen Romanpersonal aus Utlus Die Ungehaltenen. So entsteht einerseits eine intertextuelle Solidarität zwischen Migrationserzählungen, andererseits betont Salzmann, dass ihre Figuren in einem emphatischen Sinne literarische Figuren sind.

18Die Suche nach dem Zwillingsbruder wird auch als Ich-Suche inszeniert, vor allem durch Tagträume oder Einbildungen, die nicht immer als solche gekennzeichnet werden. Im vorliegenden Beispiel werden sie als Spiegelbild aufgelöst, das Tschepanow an Decke und Wand einer Bar sieht:

„Sie [Alissa Tschepanow; Anm. v. mir] suchte sich einen Platz weiter hinten, […], legte ihren Kopf zurück und schaute auf die giftgrünen Plastikkristalle der Lüster über ihrem Kopf, dazwischen ihre Augen, auseinandergebrochen und im Spiegel verteilt. Dann sah sie ihr Gesicht noch einmal. Ein Körper, genau wie ihrer, im gleichen schwarzen Pullover, in Jeans und weißen Turnschuhen, schmal und schlaksig, stellte seinen Wodka Tonic auf dem klebrigen Parkett ab, setzte sich rechts neben sie, lehnte sich zurück, ihre Schultern berührten sich, sonst nichts, ihre Köpfe lagen im Nacken und auf der Rückenlehne und schauten hoch in die Spiegel über ihnen. Ihre Locken standen auf die gleiche Art ab, Korkenzieher wuchsen von den Schläfen hoch und an den Ohrläppchen runter, kratzten kleine Risse in die Decke.

Ali schaute in Antons Gesicht neben sich und lächelte, und Anton lächelte in exakter Spiegelung zurück“ (Salzmann, 2017: 35).

19Fragen der Identität werden im Modus des Illusionären verhandelt, wobei das Doppelgängermotiv des Zwillingspaares Alissa und Anton bewusst auf das reichhaltige Reservoir literarischer Vorlagen anspielt.

20Grjasnowa wählt einen anderen Weg. Sie stellt die Gemachtheit des Erzählten in ihrem Roman nicht aus und behandelt Identitätsfragen in einem sachlichen Modus, der eher an Zeitungsreportagen erinnert:

„Offiziell gehören wir zum Kontingent jüdischer Flüchtlinge, die jüdische Gemeinden in Deutschland stärken sollten. Aber unsere Auswanderung hatte nichts mit dem Judentum, sondern mit Bergkarabach zu tun.

Anfang 1987 wurde in Armenien eine Kampagne gestartet, deren Ziel die Eingliederung Bergkarabachs in die Armenische Sowjetrepublik war. Damals lebten auf dem Gebiet Aserbaidschaner und Armenier“ (Grjasnowa, 2017: 44).

  • 2 Eine Übersicht verbreiteter Schreibweisen in der Migrationsliteratur findet sich bei Hausbacher, 20 (...)

21In diesem abgeklärten Ton wird dann die Flucht ihrer Familie aus Baku geschildert. Der Gegensatz zu Salzmann ist offensichtlich: Desillusionierte Nüchternheit bei Grjasnowa und illusionsreiches Fabulieren bei Salzmann, das sind die beiden äußersten Punkte in den Darstellungsverfahren der hier behandelten Romane. Sie verdeutlichen die Spannbreite der erzählerischen Möglichkeiten innerhalb eines Rahmens fiktionaler Emanzipations- und Entwicklungsgeschichten in Ich-Perspektive, in den sich fast alle Romane einfügen2. Nur Ronya Othmann wählt für Die Sommer eine durchgängig heterodiegetische Erzählinstanz, die allerdings stark intern fokalisiert ist auf die Sicht der Hauptfigur. Vom Großteil der anderen Emanzipationsgeschichten, die es aktuell in der deutschsprachigen Literatur gibt, grenzen sich die Texte durch eine teils radikale Wut auf die deutsche Gesellschaft und durch einen außerliterarischen Auftritt der Autor*innen als zusammengehörige Generation ab. Um beides soll es abschließend gehen.

Deutschland endgültig verlassen & Forderung nach neuer Eindeutigkeit

22In Ronya Othmanns Roman Die Sommer von 2020 und in Fatma Aydemirs Roman Ellbogen von 2017 lassen die Figuren Deutschland endgültig hinter sich. Bei Othmann ist es Leyla Hassan, die in Deutschland geborene Tochter eines Êzîden und einer Deutschen, die die Teilnahmslosigkeit der Deutschen angesichts des Bürgerkriegs in Syrien nicht mehr erträgt und am Ende des Romans nach Syrien aufbricht, um sich den kurdischen Streitkräften anzuschließen. Bis zum Beginn des Krieges hatte sie die Sommerferien immer in dem syrischen Dorf verbracht, aus dem ihr Vater stammt. Ein Dorf, das für Hassan ein Sinnzentrum ist: „Alles bedeutete etwas“ (Othmann, 2020: 67). Im Gegensatz dazu steht die Beschreibung ihres Wohnorts in Deutschland: „Das gesamte Dorf hatte keine Bedeutung.“ (ebd.: 143) Dass Hassan in den Krieg zieht, liegt also an einem Deutschland, das in seiner Gleichgültigkeit und Empathielosigkeit keinen Sinn mehr anbieten kann. Mit Waffengewalt für Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen, scheint hingegen eine eindeutige und sinnvolle Angelegenheit. Ein solch radikales Verlangen nach Eindeutigkeit kann man bedenklich finden. Es ist dieses Verstörungspotenzial, das den Roman so provokant macht.

23Die Hauptfigur in Aydemirs Roman sucht gar nicht so sehr nach einer eindeutigen Position, sie sucht überhaupt nach einer. Die im Berliner Wedding geborene Hazal Akgündüz ist in einer wahlweise gleichgültigen oder rassistischen deutschen Gesellschaft von vornherein chancenlos. Doch sie wehrt sich gegen die ständige Zurückweisung. Als sie an ihrem 18. Geburtstag von dem Studenten Thorsten B. an einem U-Bahnhof sexuell belästigt wird, verprügelt sie ihn zusammen mit ihren Freundinnen und wirft ihn versehentlich auf die Gleise. B. wird überfahren, Akgündüz flüchtet nach Istanbul. Als ihre Tante Semra versucht, sie zu einer Rückkehr und zu einem Geständnis zu überreden, zeigt Akgündüz keine Reue: „Wir sind nicht auf ihn losgegangen, weil es ein schlechter Abend war. Sondern weil er es verdient hat!“ (Aydemir, 2018: 243) Zu sich selbst ergänzt sie:

„Weil solche Typen herumrennen und meinen, die Welt gehört ihnen. Weil die sich aufführen, wie sie wollen, weil die nie um irgendetwas kämpfen mussten. Und weil wir mit hängenden Schultern wie so Opfer herumlaufen, obwohl wir wahrscheinlich zehnmal mehr wissen über das Scheißleben als diese Kartoffeln. Und vielleicht, wenn wir Glück haben, dürfen wir mal später bei denen putzen, in ihren dicken Häusern. Was ist das alles für eine Scheiße?“ (ebd.: 244)

24Akgündüz wird in Istanbul bleiben, auch wenn dort gerade der Militärputsch niedergeschlagen wird. Ihre Wut auf ein Leben in Deutschland bleibt maßlos, wobei die Wucht des Romans gerade darin besteht, dass ihre Tat weder verurteilt noch gutgeheißen wird, geschweige denn wird sie aus ‚sozialen‘ Gründen oder Hintergründen erklärt. Ihre Tat bleibt monströs, ihre Absage an Deutschland radikal. In dieser Absage trifft sich Aydemirs Roman mit dem von Othmann. Damit formulieren sie einerseits am schärfsten, was auch in den anderen Romanen angelegt ist: Auf Deutschland ist in Fragen von Akzeptanz und Gleichberechtigung nicht zu zählen. Andererseits setzen sie diese Absage literarisch auch am radikalsten um. Ihre Figuren verlassen Deutschland, ohne eine Rückkehr in Betracht zu ziehen. Deutschland ist hier kein Exilland, sondern die Fluchtursache.

  • 3 Zu Positionierungs- und Vermarktungsstrategien speziell russischstämmiger Autor*innen vgl. Isterhel (...)

25Die hier vorgestellten Romane formulieren also eine klare Absage an Deutschland, die sie literarisch durch Exil- oder Remigrationsgeschichten umsetzen. Und sie tun dies als Romane, die öffentlichkeitswirksam bei deutschen Publikumsverlagen erscheinen. Die Absage an Deutschland ist damit eine prominente Position innerhalb der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, aber auch innerhalb des gegenwärtigen Literaturbetriebs3. Diese Position stärken die Autor*innen, indem sie in der Öffentlichkeit als zusammengehörige Generation auftreten. Ihre Exil- und Remigrationsgeschichten schließen literarisch an den gesellschaftspolitischen Appell an, den Max Czollek 2018 in Desintegriert Euch! (Czollek, 2020) formuliert. Die Zurückweisung jeglicher Integrationsforderung ist hierbei die verbindende Haltung, mit der sich die Autor*innen von einer Vorgänger*innengeneration unterscheiden: Jagoda Marinić zum Beispiel ist 1977 geboren und fordert in Made in Germany eine neue Integrationskultur (Marinić, 2016). Der 1987 geborene Czollek hingegen erteilt jeder Integrationsforderung eine Absage (Czollek, 2020). Der 1978 geborene Saša Stanišić schreibt ein lebenslustiges Buch über seine Herkunft (Stanišić, 2020), die 1986 geborene Fatma Aydemir lässt ihre Figur einen deutschen Studenten vor die U-Bahn werfen. Und Aydemir macht 2019 publizistisch deutlich, dass sich hier eine neue Generation formiert hat: Zusammen mit Hengameh Yaghoobifarah bringt sie die Anthologie Eure Heimat ist unser Albtraum heraus, in der sich unter anderem Beiträge von Czollek, Grjasnowa, Salzmann und Utlu finden, aber keine von Marinić oder Stanišić (Aydemir und Yaghoobifarah, 2019). Damit präsentieren sich die Autor*innen als eine zusammengehörige Generation, die – so ließen sich meine Ausführungen zusammenfassen – mit einer virtuos eingesetzten Vielfalt an literarischen Darstellungsverfahren, einer unversöhnlichen Wut auf die deutsche Gesellschaft und einer Zurückweisung emphatischer Vorstellungen von einem kulturellen ‚Dazwischen‘ eine produktive und provokante Position im literarischen Aushandeln der Themen Migration und Exil besetzt. Produktiv ist diese Position, weil sie eine beträchtliche Menge weithin beachteter Literatur hervorgebracht hat und weiterhin hervorbringt. Provokant ist sie, weil sie sowohl die gesellschaftliche als auch literaturtheoretische Begeisterung für hybride Identitäten und ein kulturelles ‚Dazwischen‘ radikal ablehnt: Diese Romane haben Deutschland hinter sich gelassen, um so einen festen Platz in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zu behaupten.

Haut de page

Bibliographie

Primärliteratur

Aydemir, Fatma (2018): Ellbogen, München.

Aydemir, Fatma und Hengameh Yaghoobifarah (Hg.) (2019): Eure Heimat ist unser Albtraum, Berlin.

Czollek, Max (2020): Desintegriert Euch!, 2. Aufl., München.

Grjasnowa, Olga (2017): Der Russe ist einer, der Birken liebt, 7. Aufl., München.

Marinić, Jagoda (2016): Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland?, Hamburg.

Othmann, Ronya (2020): Die Sommer, München.

Salzmann, Sasha Marianna (2017): Außer sich, Berlin.

Stanišić, Saša (2020): Herkunft, 3. Aufl., München.

Taha, Karosh (2020): Im Bauch der Königin, Köln.

Utlu, Deniz (2015): Die Ungehaltenen, Berlin.

Sekundärliteratur

Adelson, Leslie A. (2006): Against Between – Ein Manifest gegen das Dazwischen, in: text + kritik IX, S. 36–46.

Asholt, Wolfgang u. a. (Hg.) (2010): Littérature(s) sans domicile fixe – Literatur(en) ohne festen Wohnsitz, Tübingen.

Blödorn, Andreas (2006): Nie da sein, wo man ist. ‚Unterwegs-Sein‘ in der transkulturellen Gegenwartslyrik, in: text + kritik IX, S. 134–147.

Bonner, Withold (2020): „Wir passten in keine Schablone…“. Zur Transkulturalität interkultureller Literaturwissenschaft und umgekehrt, in: Hans W. Giessen und Christian Rink (Hg.): Migration, Diversität und kulturelle Identitäten. Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven, Berlin, S. 19–33.

Catani, Stephanie (2015): Im Niemandsland. Figuren und Formen der Entgrenzung in Olga Grjasnowas Roman Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012), in: Stephanie Catani und Friedhelm Marx (Hg.): Über Grenzen. Texte und Lektüren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Göttingen, S. 95–109.

Ette, Ottmar (2005): ZwischenWeltenSchreiben. Literaturen ohne festen Wohnsitz, Berlin.

Ezli, Özkan (2022): Narrative der Migration. Eine andere deutsche Kulturgeschichte, Berlin / Boston.

Hausbacher, Eva (2019): Transnationale Schreibweisen in der Migrationsliteratur, in: Doerte Bischoff und Susanne Komfort-Hein (Hg.): Handbuch Literatur & Transnationalität, Berlin, S. 187–202.

Hofmann, Michael (2006): Interkulturelle Literaturwissenschaft. Eine Einführung, Paderborn.

Isterheld, Nora (2020): Die Russen sind wieder da! Wie russischstämmige Autor*innen den deutschsprachigen Literaturbetrieb erobern, in: Matthias Aumüller und Weertje Willms (Hg.): Migration und Gegenwartsliteratur. Der Beitrag von Autorinnen und Autoren osteuropäischer Herkunft zur literarischen Kultur im deutschsprachigen Raum, Paderborn, S. 71–87.

Kliems, Alfrun (2019): Exil, Migration und Transnationalität in den Literaturen Ost- und Mitteleuropas, in: Doerte Bischoff und Susanne Komfort-Hein (Hg.): Handbuch Literatur & Transnationalität, Berlin, S. 443–458.

Utlu, Deniz (2018): Das Archiv der Migration online, letzter Zugriff am 08.01.2023. URL: http://denizutlu.de/essays/das-archiv-der-migration

Willms, Weertje (2018): Zu einigen Gesetzmäßigkeiten des deutschen Literaturmarktes der Gegenwart am Beispiel von Olga Grjasnowa und Natascha Wodin, in: Isabell Oberle, u. a. (Hg.): Literaturkontakte. Kulturen – Medien – Märkte, Berlin, S. 165–201.

Wojcik, Paula (2015): Identität in Transgression – Olga Grjasnowas „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, Medaon 9/16 online, letzter Zugriff am 14.02.2022. URL: http://www.medaon.de/pdf/medaon_16_Wojcik.pdf, S. 1–12.

Haut de page

Notes

1 Da es im Folgenden ganz allgemein um Kulturbegegnungen geht, könnte deren literarische Darstellung auch als „transkulturelle Literatur“ bezeichnet werden, zumal beide Theorieansätze „zunehmend synonym […] Verwendung finden“ (Bonner, 2020: 24). Dass hier „interkulturelle Literatur“ gesagt wird, hat seinen Grund darin, dass die hier vorgestellten Romane explizit einige Vorstellungen über interkulturelle Literatur angreifen.

2 Eine Übersicht verbreiteter Schreibweisen in der Migrationsliteratur findet sich bei Hausbacher, 2019.

3 Zu Positionierungs- und Vermarktungsstrategien speziell russischstämmiger Autor*innen vgl. Isterheld, 2020 und Kliems, 2019.

Haut de page

Pour citer cet article

Référence électronique

Hannes Höfer, « „Ich bin aus Deutschland geflohen“ »Trajectoires [En ligne], 16 | 2023, mis en ligne le 13 mars 2023, consulté le 24 juin 2024. URL : http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/trajectoires/9214 ; DOI : https://0-doi-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/10.4000/trajectoires.9214

Haut de page

Auteur

Hannes Höfer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Germanistische Literaturwissenschaft, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Haut de page

Droits d’auteur

CC-BY-NC-SA-4.0

Le texte seul est utilisable sous licence CC BY-NC-SA 4.0. Les autres éléments (illustrations, fichiers annexes importés) sont « Tous droits réservés », sauf mention contraire.

Haut de page
Rechercher dans OpenEdition Search

Vous allez être redirigé vers OpenEdition Search