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Perspectives

„Jansenismus“ jenseits der französischen Grenzen. Ein Überblick zu jüngerer Literatur und aktuellen Forschungsthesen zu rigoros-augustinischen Verbindungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich im späten 17. Jahrhundert

Le „jansénisme“ au-delà des frontières françaises. Un aperçu de la littérature récente et des thèses actuelles sur les liens rigoristes-augustiniens entre la France et le Saint Empire romain germanique à la fin du xviie siècle
Jansenism beyond French Borders. A Review of Recent Literature and Current Theses on Rigorist-Augustinian Connections between France and the Holy Roman Empire in the Late Seventeenth Century
Nele Döring

Résumés

Les liens et les influences du « jansénisme » avec et dans le Saint-Empire romain germanique ont été un champ de recherche longtemps sous-estimé, surtout pour la période du xviie et du début du xviiie siècles. L’article propose un aperçu de la recherche afin de montrer la réception du jansénisme dans le Saint-Empire durant cette époque, par exemple à travers les traductions allemandes d’œuvres jansénistes, dans les parutions d’inspiration janséniste réalisées dans le Saint-Empire ainsi que dans les actions politiques prises contre les écrits jansénistes et leurs partisans et partisanes à l’échelle locale et régionale. En conclusion, il est suggéré que le passage de la notion de « jansénisme » à des concepts tels que « l’augustinisme rigoriste » peut contribuer, d’un point de vue méthodologique, à ouvrir d’autres aspects d’étude pour ces domaines.

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Texte intégral

Einführung zur Jansenismus-Forschung im Allgemeinen

  • 1 S. auch einen Forschungsbeitrag mit vergleichbarer Zielsetzung im französisch-niederländischen Raum (...)

1Mittlerweile kann es als weithin anerkannte Auffassung gelten, dass die jansenistische Glaubenslehre über Frankreich hinaus in vielen Teilen des damaligen Europa Eingang gefunden hatte.1 Eine solch transnationale Betrachtung der Bewegung gestaltet sich allerdings mitunter aufgrund der unklaren Begriffsdefinition des Jansenismus nach wie vor schwierig. (Orcibal, 1953 : 39) Die Bezeichnung des Jansenismus dient oft als Oberbegriff, um geistige und theologisch-spirituelle Bewegungen innerhalb der katholischen Kirche zu charakterisieren, die vom frühen 17. bis zum späten 18. Jahrhundert für eine strenge bzw. strengere Auslegung der augustinischen Lehre und hiermit zusammenhängend für eine rigorose Moraltheologie und Lebensführung plädierten. Der Begriff geht auf den niederländischen Theologen Cornelius Jansen (1585–1638) zurück, der in seinem 1640 posthum veröffentlichten Werk Augustinus überaus eigenständige, wenn nicht – zumindest aus Sicht des kirchlichen Lehramtes – verselbstständigte Reflexionen zu den Schriften und insbesondere zur Gnadenlehre des lateinischen Kirchenvaters Augustinus von Hippo (354–430) niederschrieb. Die Publikation stieß früh auf Kritik, da sie die zurückliegenden Diskussionen um göttliche Gnade und Prädestination aus der Konfliktzeit von evangelischer Reformation und katholischer Reform des 16. Jahrhunderts erneut aufgriff und teils entgegen den geltenden tridentinischen Interpretationen, so vor allem des vornehmlich thomistisch-scholastisch argumentierenden Jesuitenordens, deutete. (Richardt, 2011 : 44) Das Werk wurde schließlich recht rasch seitens der Päpste und der Könige von Frankreich, wo Jansens Thesen im dortigen Klerus zunehmend Unterstützung fanden, kritisiert und bekämpft.

  • 2 Siehe u.a. : Palmer, Thomas (2018) : Jansenism and England. Moral Rigorism across the Confessions, (...)
  • 3 Siehe u.a. Sales Souza, Evergton (2009) : Jansénisme et réforme de l'Église dans l'Amérique portuga (...)

2Der Jansenismus hat seither in der historischen und literarischen Forschung in und zu Frankreich in vielerlei Hinsicht großes Interesse gefunden. (u.a. Cottret, 2016) Jenseits der französischen, belgischen und niederländischen Grenzen ist die Jansenismus-Forschung dahingegen weniger weit gediehen, da sie in der Historiografie insbesondere zum 17. Jahrhundert als „innerfranzösische Angelegenheit“ angesehen wurde. (Hersche, 1977 : 45) Dennoch bietet sich mittlerweile, infolge zahlreicher Studien aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, eine ergiebige Forschungslage zum Jansenismus in Spanien, Italien, England und Irland,2 und auch der außereuropäische Kontext, insbesondere im Rahmen der Kolonialreiche, findet zunehmend Beachtung.3 (s. Schmitt-Maaß, 2023b : 2f.)

3Dahingegen war der Jansenismus im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation lange Zeit ein – mit wenigen Ausnahmen – vernachlässigter Forschungsgegenstand. Allerdings wurden 2023 gleich zwei Sammelbände veröffentlicht, die sich der Thematik in ausgewählten Teilaspekten widmen. (Schmitt-Maaß, 2023a ; Tüskés, Schmitt-Maaß, 2023) Diese Beiträge stellen in ihrer Gesamtheit und in überzeugender Weise die ältere, von Wilhelm Deinhardt vertretene These in Frage, wonach bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts „das katholische Deutschland von der jansenistischen Bewegung kaum recht Notiz genommen“ habe. (Deinhardt, 1929 : 28 ; s. auch : Hersche, 1988 : 398, 408)

4In der Zielsetzung knüpft dieser Artikel an diese aktuellen Studien an, um in der Forschungsperspektive auf den Einfluss und die Auswirkungen des Jansenismus auf unterschiedliche Regionen des Alten Reiches hinzuweisen. Zunächst wird diskutiert, dass Studien zum Jansenismus dieser Zeit mitunter durch diese ihm beigelegte Begrifflichkeit eingeschränkt sind (Kap. 2). Der folgende Forschungsüberblick unterstreicht, dass der Jansenismus bereits im Verlauf des 17. Jahrhunderts im Reich wahrgenommen und rezipiert wurde, und zwar anhand dreier Anhaltspunkte : erstens anhand deutscher Übersetzungen jansenistischer Texte aus dem Französischen, zweitens durch deutsche Eigenproduktionen jansenistischer Prägung sowie drittens anhand des obrigkeitlichen Vorgehens gegen den Jansenismus in bestimmten Regionen des Reiches (Kap. 3). Letzteres legt den Fokus insbesondere auf die Auswirkungen des Jansenismus auf quasi- bzw. halbsouveräne Einzelstaaten des Alten Reiches und die Positionierung eines Reichsstandes gegenüber den aus Frankreich herüberkommenden neuen religiösen Ideen der Anhängerinnen und Anhänger Jansens (Kap. 3.3.). In einem Fazit und Ausblick werden diese Aspekte schließlich gebündelt, und es wird für eine konzeptuelle Erweiterung auf Begriffe wie „rigoroser Augustinismus“ plädiert, um das Forschungsfeld für weiterreichende Betrachtungen zu öffnen (Kap. 4).

„Jansenismus“ – eine Begriffsannäherung

5Wie zu Beginn angemerkt, existiert nach wie vor keine einheitliche, zufriedenstellende Definition des Jansenismus. René Taveneaux etwa merkt diesbezüglich an, dass der Jansenismus eine vielschichtige Bewegung gewesen sei, und man daher zwischen den verschiedenen Interpretationen und Überzeugungen seiner Akteurinnen und Akteure im Rahmen unterschiedlicher „Jansenismen“ unterscheiden sollte. (Taveneaux, 1965 : 10) Für das 17. Jahrhundert sind verschiedene Arten des Jansenismus herausgearbeitet worden : so zunächst ein theologischer Jansenismus hinsichtlich der Gnadenlehre, zum Zweiten ein rigoroser im Bereich der Moraltheologie sowie zum Dritten ein politischer als Reaktion auf das Eingreifen der weltlichen Macht in theologische Streitfragen. (Crichton, 1996 : 37) In der Tat gewann der Jansenismus im Frankreich des 18. Jahrhunderts an politischem Einfluss und war ein zentraler theologischer und damit zugleich gesellschaftlicher und politischer Streitpunkt. (Maire, 1998) Abhängig vom betrachteten Zeitraum und Forschungsinteresse sind unter dem globalen Jansenismus-Begriff somit verschiedene Bewegungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten genauer zu differenzieren.

6Neben der bleibenden Schwierigkeit, die Inhalte dieser Bewegung eindeutig zu definieren, ist auch die Verwendung des Begriffs an sich kritisch zu betrachten, da dieser ab den 1640er Jahren zunächst als polemisch-diffamierende Anschuldigung gegen die Verfechterinnen und Verfechter des Augustinus verwendet wurde. (Cottret, 2016 : 9). Daher kann die damalige Wortverwendung einschränkend sein : Im französischen Kontext bildete diese vielfach nur reine Chiffre für die anti-jesuitische Opposition im Umfeld der beiden Klöster von Port-Royal, die bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 1709 als Zentren des Jansenismus angesehen wurden. (Hillmann, 2014 : 3) Auch auf europäischer bzw. internationaler Ebene kommt dem Begriff kaum Universalität zu als authentische Selbstprädikation dieser religiösen Gruppierung, da er sich schon rein geografisch überwiegend auf Frankreich und ebenso die Niederlande fokussiert und daher die Interpretationsmöglichkeiten über den weitreichenderen Einfluss der Bewegung begrenzt. (Van Kley, 2018 : 16)

7Neben einer mithin unbefriedigenden bzw. noch offenen Definition des Jansenismus und unterschiedlicher Bedeutungen des Begriffs zu verschiedenen Zeiten scheinen die Aktivitäten seiner Vertreterinnen und Vertreter im ausgehenden 17. Jahrhundert und frühen 18. Jahrhundert trotz einiger Ausnahmen bisher nur geringe Beachtung gefunden zu haben. Die wenigen Fallstudien zu bestimmten Personen(gruppen) und deren oft lokal konzentrierten, aber teils überregional vernetzten Aktivitäten deuten allerdings an, dass sich auch in dieser Zeit jansenistische Existenz fortsetzte. Im Folgenden wird im transnationalen Schwenk der Einfluss der Bewegung auf das Alte Reich in den Blick genommen.

Der Jansenismus in deutschen Landen

  • 4 Siehe als Ausnahme : Hersche, 1977.

8Erst kürzlich veröffentlichte Harm Klueting einen Forschungsüberblick über deutschsprachige Studien zum Jansenismus. Er konstatiert, dass die deutschsprachige theologie- und kirchengeschichtliche Forschung zum Jansenismus sich bis in die 1960er und 1970er Jahre der häretischen Betrachtung und Verurteilung des Jansenismus angeschlossen habe. Dennoch deutet Klueting insbesondere das 1929 veröffentlichte Werk Wilhelm Deinhardts, Der Jansenismus in deutschen Landen, als Wende in der Jansenismusforschung : Zwar schloss sich Deinhardt weiterhin in dogmatischer Hinsicht der Verurteilung des Jansenismus an, eröffnete aber in historischer Herangehensweise die Perspektive auf eine in dieser Hinsicht „wertneutrale“ Untersuchung der Bewegung. (Klueting, 2023) Doch erst in jüngerer und jüngster Zeit kam es zu vorbehaltlosen Annäherungen.4

9Diesem Neuansatz folgt der Sammelband Der Jansenismus im deutschsprachigen Raum 1670-1789, der erstmals einen sowohl zeitlich als auch geographisch breitgefassten Überblick über die Rezeption des Jansenismus im Alten Reich bietet. (Schmitt-Maaß, 2023a) Der Fokus liegt dabei sozialgeschichtlich auf den personellen Netzwerken elitärer Art, die insbesondere mittels Patronagebeziehungen den Jansenismus förderten. Auf diesem Wege eröffnet sich korrespondierend der literaturgeschichtliche wie buchhistorische Zugang mit Blick auf Übersetzungen, Drucklegung und Vertrieb jansenistischer Bücher und Bilder, dokumentiert im Sammelband Jansenisms and Literature in Central Europe (Schmitt-Maaß, 2020 ; Tüskés, Schmitt-Maaß, 2023).

10Dem folgend interessieren besonders Studien zu deutschen Übersetzungen jansenistischer Werke sowie Erstpublikationen tendenziell jansenistischer Prägung, um die Rezeption im deutschsprachigen Raum im späten 17. Jahrhundert aufzuzeigen.

Deutsche Übersetzungen jansenistischer Werke

11In methodischer Hinsicht dem „translational turn“ nahestehend, erhellte exemplarisch Corinne Bayerl die jansenistische Theaterkritik französischer Provenienz und deren Adaption in der pietistischen Bewegung im Alten Reich im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert. (Bayerl, 2023) Bereits seit dem 16. und verstärkt im 17. Jahrhundert setzte sich in verschiedenen Strömungen, mitunter im Calvinismus, Puritanismus, Jansenismus und Quietismus, eine regelrechte „Theaterfeindschaft“ durch. Sowohl die Anhängerinnen und Anhänger des Pietismus als auch des durchaus in manchen Bereichen geistesverwandten Jansenismus verurteilten das Theater wie die nahestehende Oper aus mehrerlei Gründen : Solch „weltliche Freuden“ wurden als Zeitvergeudung für das Seelenheil angesehen, die theatralische Darstellung religiöser Inhalte als sündhaft und unwahr verurteilt und die Inhalte von Theaterstücken als lasterhaft und unvereinbar mit den christlichen Tugenden verschmäht. (Thomke, 2002 : 165–169)

12Bayerl widmet sich in ihrem Beitrag der deutschsprachigen, pietistischen Übersetzung des Werkes De la comédie, einem „Hauptstück der jansenistischen Theaterkritik“, das von dem Jansenisten Pierre Nicole (1625–1695) verfasst und 1667 erstmals in Frankreich veröffentlicht wurde. (Bayerl, 2023 : 82) Sie legt dar, wie dieses Werk spätestens Ende des 17. Jahrhunderts von dem Hallenser Pietisten Gottfried Vockerodt (1665–1727), der bereits andere theaterkritische Schriften verfasst hatte, ins Deutsche übersetzt wurde : zunächst 1698 in einer Teilübersetzung als Zusatz zu einem Traktat, schließlich 1700 in einer vollständigen Übersetzung unter dem Titel Deutlicher Erweiß Daß Operen und Comoedien spielen und sehen kein Mittel-Ding/ sondern eine genommene Freyheit seye (…). Bayerl stellt als Charakteristika des Originaltextes mitunter dessen einprägsamen, nicht ermüdenden Argumentationsstil und die häufigen Verweise auf den europaweit bekannten Dramatiker Pierre Corneille (1606–1684) heraus. Somit bot das Werk viele Anknüpfungspunkte, die es auch im außerfranzösischen, nichtkatholischen Raum verständlich machten. Vockerodt konnte das Werk folglich an die Interessen der pietistischen Bewegung anpassen und es entsprechend umdeuten. (Bayerl, 2023 : 83–85) Dieses Beispiel unterstreicht die Thesen Hartmut Lehmanns und Ernst Hinrichs, dass es in der Tat eine (enge) Verwandtschaft zwischen dem Pietismus und dem Jansenismus gegeben habe. Diese sei allerdings noch nicht tiefergehend untersucht worden, da sowohl die Erforschung des Jansenismus als auch die des Pietismus überwiegend im nationalen und innerkonfessionellen Rahmen durchgeführt werde. (Lehmann, 1972 ; Hinrichs, 2002) Ein transkonfessioneller Forschungsansatz bietet somit weitere Anknüpfungspunkte, um den Einfluss des Jansenismus im internationalen Kontext zu betrachten.

13Weitere Übersetzungsbeispiele jansenistischer Werke bieten mitunter die Studien Ruth Bottigheimers, Juliette Guilbauds und Mona Garloffs. Bottigheimer erörtert in einem Beitrag die deutschen Übersetzungen der Histoire du Vieux et du Nouveau Testament, einer „jansenistischen Kinderbibel“, die vom französischen Jansenisten Nicolas Fontaine (1625–1707) verfasst und 1670 erstmals in Paris veröffentlicht wurde. Im Reich wurden die drei ersten deutschsprachigen Übersetzungen dieser Kinderbibel 1684 publiziert : zwei Übersetzungen in Neuburg-Sulzbach sowie eine Übersetzung in Dillingen (Bistum Augsburg). Bottigheimer charakterisiert eine der Neuburg-Sulzbacher Übersetzungen mit dem Titel Andächtige Catholischer Christen Gott-geheiligte Bibel-Lust als eindeutig jansenistische Übersetzung. Sie konstatiert, dass der Übersetzer dieser Ausgabe anonym blieb, und schließt hieraus, dass Anonymität für Anhängerinnen und Anhänger des Jansenismus im Alten Reich von gleicher Bedeutung gewesen sei wie in Frankreich. Für Bottigheimer ist es demnach „keine Überraschung“, dass es „deutsche Jansenisten“ gab, und Fontaines Histoire somit auch im Alten Reich veröffentlich wurde. (Bottigheimer, 2002 : 237) Für sie ist es evident, dass der Jansenismus östlich des Rheins Anklang fand.

14Zeitlich etwas später siedelt sich Juliette Guilbauds Studie zur ersten deutschen Übersetzung der Réflexions morales an, einer kommentierten Bibelübersetzung des ehemaligen Oratorianers und führenden Jansenisten Pasquier Quesnel (1634–1719), von der Hand des protestantischen Johann Andreas Grammlich (1689–1728) im Jahre 1718. (Guilbaud, 2023) Diesen Faden greift auch die Studie Mona Garloffs zu den Publikations- und Übersetzungsaktivitäten sowie den Netzwerken rund um den böhmischstämmigen Franz Anton Reichsgraf von Sporck (1662–1738) auf, der wiederholt jansenistische, aber auch nichtkatholische Werke übersetzte und publizierte. (Garloff, 2023)

15Die deutschen Übersetzungen der drei angeführten jansenistischen, ursprünglich aus Frankreich stammenden Werke – De la comédie, L’Histoire du Vieux et du Nouveau Testament, Réflexions morales – können Bayerls Begriff des „bearbeitenden Übersetzens“ zugeordnet werden. (Bayerl, 2023 : 89) Diese Übersetzungen folgten dem in der Frühen Neuzeit verbreiteten Modell der sinnhaften Übersetzung, die von der Originalversion stark abweichen konnten, da sie teils gekürzt oder verlängert, teils um neue Aussagen erweitert, in andere Kontexte und Gegebenheiten „transponiert“ und durch eigene Meinungsäußerungen der Übersetzerinnen und Übersetzer ergänzt wurden. (Burke, 2007 : 26–27, 31–32) Die drei genannten Übersetzungen zeigen somit auf, dass eine Rezeption des Jansenismus in der deutschen Übersetzungspraxis stattfand, gleichwohl mitunter sehr unterschiedlich und auch nicht immer den Ansichten und Glaubensüberzeugungen der ursprünglichen Autorinnen und Autoren entsprechend. So erweitert beispielsweise Vockerodt bereits im Titel seiner Übersetzung die Theaterkritik Nicoles um eine Opernkritik und ordnet sie in die pietistische Kritik der sogenannten „Mitteldinge“ ein. (Bayerl, 2023 : 88)

16An dieser Stelle sei kurz auf die Gemeinsamkeiten aber auch Abgrenzungen zwischen dem Jansenismus und protestantischen Bewegungen wie dem Pietismus oder dem Calvinismus zu verweisen, die eine solche interkonfessionelle Übersetzungspraxis ermöglicht oder erschwert haben könnten. So führt Ernst Hinrichs zum Vergleich von Pietismus und Jansenismus an : „Daß beide Bewegungen auf Augustin gründen, ist einerseits bemerkenswert, andererseits wenig überraschend. Denn das taten mehr oder minder alle auf eine Intensivierung der christlichen Frömmigkeit gerichteten Bewegungen nach der Reformation.“ (Hinrichs, 2002 : 136) Diese strenge, augustinisch geprägte Frömmigkeit führte auch in Frankreich dazu, dass (vermeintliche) Anhängerinnen und Anhänger des Jansenismus wiederholt des Calvinismus beschuldigt wurden. Diese Zuschreibung kommt mitunter in den Werken des Calvinisten Pierre Jurieu (1637–1713) als auch in jenen des Jesuiten François Annat (1590–1670) zum Ausdruck. (Bom, 1998 : 81 ; DeMeuse, 2019 : 272) Gegen diese Anschuldigungen wehrte sich beispielsweise Pierre Nicole in seinen Préjugez légitimes contre les calvinistes. Weitere Vergleiche stellt mitunter André Gounelle auf, der anführt, dass sowohl Jansen als auch Calvin der göttlichen Gnade die absolute Macht über das Seelenheil zuschrieben. Allerdings konnten sich die auserwählten Gläubigen in der Lehre Calvins ihrer göttlichen Vorherbestimmung und ihrem Seelenheil sicher sein, wohingegen die gewährte göttliche Gnade in der jansenistischen Auffassung jederzeit widerrufen werden konnte. (Gounelle, 1998 : 16) Auch in der Abendmahllehre unterschieden sich Calvin und Jansen, da letzterer diese im Sinne der Dekrete des Konzils von Trient auslegte. Als Gemeinsamkeiten zwischen Calvin und Jansen führt Gounelle an, dass beide strenge, rigoristische Moralvorstellungen vertraten und Nachsicht in der Morallehre ablehnten. (Gounelle, 1998 : 18) Eine positive Rezeption jansenistischer Werke über die Konfessions- und Landesgrenzen hinweg war somit insbesondere bei moraltheologischen Publikationen wie Nicoles De la comédie möglich.

Deutsche Erstpublikationen jansenistischer Prägung

17Neben Übersetzungen jansenistischer Werke finden sich im deutschsprachigen Raum auch autochthone Erstpublikationen, denen eine jansenistische Prägung zugeschrieben wurde. Eines der vielleicht am weitesten verbreiteten Werke vermeintlich jansenistischer Orientierung deutschen Ursprungs sind die sogenannten Monita salutaria Beatae Virginis Mariae ad suos cultores indicsretos, die vom Kölner Advokaten Adam Widenfeldt (auch Widenfeld oder Wisenfeldt ; 1618–1678) 1673 erstmals publiziert wurden. (Hoffer, 1938 : 193) Darin richtet sich Widenfeldt gegen barock-volksfromme Formen der Marienverehrung und versuchte diese religionsreformerisch gewissermaßen von aus seiner Sicht „Übertreibungen und Mißbräuche[n]“ zu „reinigen“. Damit wollte er, Heribert Raab zufolge, nicht zuletzt den Neugläubigen eine Konversion zum Katholizismus annehmbar machen. (Raab, 1989a : 18–21)

  • 5 Siehe u.a. : Gallerand, Jules (1969) : Le jansénisme en Blésois. Le conflit entre le P. de Brisac (...)

18Exkursartig sei hier zum besseren Verständnis eingeschaltet, dass sich innerhalb dieser breiteren Strömung der „Fundamentalkritik der Marienfrömmigkeit der Katholischen Reform“ des 17. Jahrhunderts (Tricoire, 2020 : 202) bereits 1657 der französische Jansenist Blaise Pascal (1623–1662) gegen das 1644 veröffentlichte Werk, Le paradis ouvert à Philagie par cent dévotions à la Mère de Dieu, richtete, das von dem Jesuiten Paul de Barry (1587-1661) verfasst worden war. Pascal prangerte das dort verkündete Heilsversprechen durch die Fürbitte der Gottesmutter an, stellte sich damit aber geradezu konfrontativ gegen das katholisch-tridentinische Verständnis der Heiligenverehrung. (Tricoire, 2020 : 199) Ein solches Infragestellen der barocken Marienverehrung wurde schnell mit der Anschuldigung des Jansenismus gleichgesetzt. So vertrat mitunter 1651 der französische Jesuit Jean de Brisacier (1592/1603–1668) in seinem Werk Jansénisme confondu dans l’avocat du sieur Callaghan die Ansicht, die „Jansenisten“ wollten den Marien- und Heiligenkult „abschaffen“.5

19Wenig verwunderlich, rief auch Widenfeldts Werk polemische Reaktionen hervor und provozierte zwischen 1674 und 1679 die Veröffentlichung von über vierzig Für- und Gegenschriften im deutschen, niederländischen und französischsprachigen Raum. (Raab, 1989a : 18 ; Tricoire, 2020 : 202) Es wurde mitunter von den bekannten Jansenisten Antoine Arnauld (1612–1694), Gabriel Gerberon (1628–1711) und Pasquier Quesnel positiv beurteilt und auch vom Utrechter Erzbischof Johannes van Neercassel (1625–1686), der wiederholt Anhängerinnen und Anhänger des Jansenismus unterstützte, befürwortet. (Schmitt-Maaß, 2020 : 233) Gerberon fertigte sogar eine eigene Übersetzung des Werkes an. Auch wenn Hoffer Widenfeldt trotz dieser Unterstützung nicht als „wirklichen“ Jansenist einordnet, illustriert das Beispiel, dass jansenistische Ideen nicht nur von Frankreich ausgehend im Alten Reich rezipiert wurden, sondern auch die hier erstpublizierten Schriften jansenistischer Prägung über die Reichsgrenzen hinaus Anklang fanden. (Hoffer, 1938 : 193)

20Neben Veröffentlichungen zur Marienverehrung kann im vermeintlich jansenistischen Umfeld Widenfeldts zudem auf den Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels (1623–1693) verwiesen werden, der mit ersterem in Kontakt stand. (Raab, 1989a : 21) Der Landgraf konvertierte 1652 gemeinsam mit seiner Ehefrau zum Katholizismus und wurde, Alexander Ritter zufolge, in Rom wiederholt des „Kryptocalvinismus und des Jansenismus“ verdächtigt. (Ritter, 2003 : 135) Heribert Raab legt zudem die Beziehungen des Landgrafen zu den französischen Jansenisten Antoine Arnauld und Louis du Vaucel dar (1641–1715). Mit ersterem stand er ab 1682 in regelmäßigem Briefaustausch. Raab führt aus, dass sich sowohl Arnauld als auch der Landgraf um eine Reform der Kirche bemüht hätten. (Raab 1989a : 9) So habe sich der Landgraf insbesondere für eine Reunion der katholischen und protestantischen Glaubensgemeinschaften eingesetzt, wofür er mitunter auf die „rigoristischen Auffassungen der Jansenisten“ zurückgriffen habe. (Raab, 1989b, S. 80) Diese Reformvorschläge des Landgrafen finden sich in dessen 1666 anonym veröffentlichten Werk Der so warhaffte/ als gantz auffrichtig- und discret-gesinnte Catholische, in dem er seine eigene Konversion rechtfertigte und seine ehemaligen Glaubensgenossen zur Konversion anzuregen versuchte. In seiner Publikation geht der Landgraf kurz auf den Jansenismusstreit ein, wozu Alexander Breuer abschließend konstatiert, dass Ernst den Jansenismus als eine „Reformbewegung innerhalb der römischen Kirche“ – also nicht als häretisch – beurteilt habe. (Breuer, 2023 : 49) Dennoch habe er sich nicht auf die „rigoristisch verschärfte augustinische Gnaden- und Prädestinationslehre“ seiner jansenistisch geprägten Freunde eingelassen. (Breuer, 2023 : 51)

  • 6 Einen vergleichbaren Rückgriff auf jansenistische Schriften zum Voranbringen von Unionsbestrebungen (...)

21Die beiden Beispiele zeigen, dass auch die angeführten Autoren im Reich in die Nähe jansenistischer Einstellungen einzuordnen sind. Sie zeichnen sich durch dezidiert innerkatholische Reformbestrebungen aus, oftmals mit dem Ziel zur Konversion Neugläubiger zu einem reformierten, rigorosen Katholizismus.6 Zudem setzte sich der Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels für die seit dem Augsburger Religionsfrieden erfolglos geführten Bestrebungen der Reunion ein. Sowohl der Augsburger Religionsfrieden als auch der Westfälische Friede erkannten die konfessionelle Spaltung in zunächst zwei und schließlich drei Konfessionen im Reich an, propagierten allerdings das Ziel einer Wiedervereinigung der Konfessionen. (Stumpf, 2000 : 342–346) Fortan herrschte auf Reichsebene „Parität“ und „bikonfessionelle Offenheit,“ wohingegen in den einzelnen Territorien „prinzipielle Konfessionseinheit“ und die Absolutheit der herrschenden Landeskonfession galten, die allerdings in Teilen durch die Normaljahrsregelung begrenzt wurden. (Heckel, 2007 : 11) In diesem rechtlichen Kontext förderte der Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels interkonfessionelle Religionsgespräche, zu denen er kurz vor seiner Konversion einlud. (Heckel, 1999 : 17f. ; Ritter, 2003 : 131)

22Inwiefern die Bemühungen des Landgrafen allerdings durch jansenistische Ideen motiviert gewesen sein könnten, lässt sich vor dem Hintergrund unzureichender Beiträge zur Irenik und den Reunionsbemühungen innerhalb des Jansenismus nur schwer einordnen. So konzentriert sich Bruno Bernards Beitrag „Jansenismus und Irenik“ zuvorderst auf die Reunionsbemühungen der Anhängerinnen und Anhänger des Jansenismus innerhalb der katholischen Kirche. Bernard führt mitunter an, dass sie kein Schisma in der katholischen Kirche hervorrufen, sondern diese reformieren wollten und großen Wert auf den „notwendigen Zusammenhalt der Kirche“ gegenüber dem Calvinismus legten. (Bernard, 2003 : 196) Zudem erörtert André Gounelle, dass die Jansenistinnen und Jansenisten ihre Bewegung nicht als einen „Ast“ des Christentums ansahen, sondern als das Christentum „tout court“. (Gounelle, 1998 : 10) Auch sie gingen somit von der Allgemeingültigkeit ihrer christlichen Lehre aus und strebten keine Annahme protestantischer Ideen, sondern durch eine Reform der katholischen Kirche eine Rückkehr der Protestantinnen und Protestanten in ebendiese an.

23Eine eindeutige theologische Zuordnung der genannten Werke und ihrer Verfasser zum Jansenismus bleibt somit schwer zu belegen und ihre Einstellung zu der Bewegung oftmals ambivalent. Zudem wird in den angeführten Beiträgen nicht diskutiert, inwiefern solche Werke im Alten Reich rezipiert und tatsächlich zu Bekehrungen zum katholischen Glauben beigetragen haben könnten.

Geistlich-politische Reaktionen auf den Jansenismus auf Ebene der Reichsstände

  • 7 Zur Verbindung zwischen Oratorium und Jansenismus u.a. : Lesaulnier, Jean (2001) : Port-Royal et l’ (...)

24Neben den referierten Zugangswegen sind schließlich herrschaftsgeschichtliche Ansätze mit Blick auf Einflüsse des Jansenismus einzubeziehen. Beispielhaft hat Marcel Albert die Konstellationen in Erzstift und -diözese Köln in der antijansenistischen Frühphase aufgewiesen, die von der Kölner Nuntiatur Fabio Chigis (1599–1667), dem späteren Papst Alexander VII., von 1640 bis 1651 bestimmt wurde. Albert zufolge spielte der Jansenismus in der Erzdiözese Köln zu dieser Zeit keine „nennenswerte Rolle“, was er insbesondere den Aktivitäten Chigis zuschreibt. (Albert, 2014 : 193) So sei Chigi mitunter gegen (anti-)jansenistische Publikationen in seinem Einzugsgebiet vorgegangen, indem er Anfang der 1640er-Jahre die Verbreitung von Jansens Augustinus sowie auch von Gegenschriften Löwener Jesuiten gegen dieses Werk untersagte. 1644 wurde Chigi zum kurialen Verhandlungsführer auf die Westfälischen Friedensgespräche bis 1648 abberufen. Konnte bislang unter Chigis Anwesenheit der Jansenismus in Köln laut Albert „nicht Fuß fassen“, so habe die Abwesenheit des Nuntius 1645 die dortige Niederlassung zweier Oratorianer begünstigt, denen oftmals Nähe zum Jansenismus unterstellt wurde.7 (Albert, 2014 : 214) Zudem konnte Chigi das Erstarken des Jansenismus im Fürstbistum Lüttich nicht unterbinden, das ebenfalls zu seinem Nuntiaturbezirk zählte. (Albert, 2014 : 229)

25Über die Thematik des Jansenismus hinaus weist der Beitrag Alberts auf die Bedeutung der 1584 begründeten Kölner Nuntiatur hin. Diese war von Beginn an mit der Förderung der Verkündigung und Einhaltung der Reformdekrete des Trienter Konzils betraut und befasste sich mit vielfältigen innerkirchlichen, kirchenrechtlichen sowie theologisch-dogmatischen Problemen. Somit hatte der Nuntius weitreichende Einflussmöglichkeiten und geriet infolgedessen wiederholt mit dem Kölner Erzbischof und Kurfürsten in Konflikt, sei es aufgrund von Jurisdiktionsfragen, persönlicher Abneigung oder theologischer Debatten. (Feldkamp, 1990 : 205–211 ; Braun, 2013 : 176–188) Alberts Studie zeigt diesbezüglich auf, dass Chigi in der Tat von seinen verschiedenen Fakultäten als Nuntius Gebrauch machte, um die Ausbreitung jansenistischer Ideen in schriftlicher und personeller Form zu unterbinden. Er sollte somit zu der Verbreitung einer einheitlichen Auslegung des Katholizismus im Sinne der Dekrete des Konzils von Trient, das die dogmatischen Lehren des Katholizismus gefestigt hatte (Bireley, 2007 : 148), in seinem Einflussbereich beitragen.

26Neben den Aktivitäten der päpstlichen Nuntien kann als weiteres Beispiel für das Vorgehen gegen den Jansenismus in der Erzdiözese Köln auf einen Beitrag Leo Justs zum Kölner Erzbischof und Kurfürst Joseph Clemens von Bayern (1671–1723) verwiesen werden. (Just, 1929) Der Erzbischof setzte sich 1703 und 1719 gegen die Ausbreitung der Bewegung in seiner Diözese ein : So forderte er 1703 vom Diözesanklerus die Unterzeichnung des Formulars Alexanders VII. von 1656, welches fünf Thesen aus Jansens Werk als häretisch verurteilte. Zudem setzte er sich ab 1719 für eine strenge Befolgung der päpstlichen Bulle Unigenitus von 1713 ein, die 101 Thesen aus der bereits angesprochenen Bibelübersetzung Réflexions morales verurteilte. Allerdings vermutet Just, dass Joseph Clemens wohl eher aus politischem Kalkül als aus theologischer Überzeugung heraus agiert habe, da er in dieser Zeit des währenden Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) vom habsburgischen Kaisertum zusammen mit seiner wittelsbachischen Dynastie der Reichsacht unterworfen, auf die Unterstützung des Papstes und des französischen Königs angewiesen war und diese durch sein Vorgehen gegen den Jansenismus zu stärken versuchte. (Just, 1940 : 133) Just kommt zum abschließenden Urteil, „daß die Gegnerschaft des Kurfürsten Josef Clemens zum Jansenismus nicht sehr tief gegangen“ sei, es aber nichtsdestotrotz von Bedeutung gewesen sei, „daß ein so einflußreicher Kirchenfürst die päpstliche Sache vertrat.“ (Just, 1929 : 138)

27Auch Eduard Hegel schreibt, Joseph Clemens habe dem Jansenismus zwar „unsicher“ gegenübergestanden, sich aber aufgrund der fortschreitenden jansenistischen Entwicklungen in Lüttich und des im Exil in Lille erfahrenen anti-jansenistischen Einflusses Fénelons (1651–1715), des Erzbischofs von Cambrai, für die Unterzeichnung des genannten Formulars Alexanders VII. eingesetzt. Hegel konstatiert, dass der Jansenismus in Köln im Gegensatz zu Lüttich, wo Joseph Clemens ebenfalls zum Fürstbischof gewählt worden war, „keine Verbreitung erfahren“ habe. (Hegel, 1979 : 433) Auch Bruno Demoulin führt die bereits angesprochenen Aktivitäten Joseph Clemens an, erweitert sie im Lütticher Kontext aber mitunter um die vom Fürstbischof im Jahre 1704 beauftragte Publikation eines Index, in den er 24 neue jansenistische Werke von Autoren wie Antoine Arnauld, Pasquier Quesnel und Gabriel Gerberon aufnahm. (Demoulin, 1983 : 127f.) Zudem setzt Demoulin die 1719 verzögerte Publikation des Hirtenbriefes in den Kontext der verhaltenen Stellung des Kaisers zur Bulle Unigenitus. (Demoulin, 1983 : 290 ; s. auch : Guilbaud, 2022)

28Diese Anführungen sind in vielerlei Hinsicht von Interesse : Zum einen weisen sie auf territoriale und rechtliche Besonderheiten, hier am Beispiel Kölns, hin. So war der Jansenismus in Lüttich, anders als in Köln, weitaus verbreiteter, worauf mitunter die Kontakte diverser Lütticher Theologen zu Antoine Arnauld und Pasquier Quesnel sowie die wiederholte Flucht der beiden nach Lüttich hinweisen. (Demoulin, 1983 : 39–47) Das Kölner Erzbistum, zu dem Lüttich als Suffraganbistum zählte, grenzte somit – ebenso wie andere Territorien des Alten Reiches – nicht nur an die des Jansenismus „verdächtigten“ Gebiete wie Frankreich, die spanischen und Vereinigten Niederlande an, sondern umfasste solche Gebiete teils auch. Dies lag mitunter daran, dass die kirchlichen Verwaltungsbezirke nicht den territorialen und politischen Grenzen entsprachen. (Guilbaud, 2022 : 145) Eine klare geographische Abgrenzung des Jansenismus erscheint somit geradezu unmöglich.

  • 8 Siehe zur eingeschränkten Existenz und Ausübung des Reformationsrechtes u.a. Laux, Stephan : Friede (...)

29Mitunter aufgrund dieser Grenzlage gingen demnach auch die Obrigkeiten in verschiedenen Territorien des Alten Reiches gegen den Jansenismus vor. Ob das Vorgehen gegen jansenistische Schriften und Unterstützerinnen und Unterstützer allerdings aus theologischer Überzeugung und/oder aus politischem Kalkül erfolgte, ist oftmals schwer zu bestimmen. Eine pro- oder anti-jansenistische Haltung der Akteurinnen und Akteure ist also aus dem Dickicht solcher Interessenverquickungen herauszufiltern. Diesbezüglich ist anzuführen, dass auch der Jansenismus im damaligen Reich verfassungsmäßig dem Reichsreligionsrecht des Westfälischen Friedens unterworfen war, sprich der landesherrlichen Obrigkeit und dem Religionsstand des Landes laut Normaljahr 1624. Auch wenn die Landesherren durch den Westfälischen Frieden faktisch auf die Ausübung ihres Reformationsrechtes verzichteten,8 hatten sie dennoch die Landeshoheit im geistlichen Bereich inne und versuchten die religiöse Einheit im eigenen Territorium weitestgehend zu wahren. (Kremer, 1989 : 134) Zudem verbot der Westfälische Friede ebenso wie der Augsburger Religionsfrieden die Ausbreitung von Sekten und begrenzte die Anzahl der anerkannten Konfessionen. „Divergierende Lehrmeinungen“ – zu denen der Jansenismus je nach Auslegung zählte – waren von diesen Konfessionen ausgeschlossen. (Stumpf, 2000 : 346) Es ist somit wenig verwunderlich, dass auch die fürstbischöflichen Landesherren gegen die jansenistische „Gefahr“ (Just, 1929 : 132) vorgingen, gerade in den dahingehend exponierten westlichen Grenzregionen zu Frankreich und den Niederlanden.

30Dieses Ziel, den Jansenismus als divergierende Lehrmeinung auszuschließen und zu bekämpfen, kann in den Kontext des Forschungsparadigmas der Konfessionalisierung eingeordnet werden. Die Konfessionalisierung umfasste, Heinz Schilling zufolge, neben der frühneuzeitlichen Entstehung von Konfessionskirchen und einer stärkeren Konfessionsbildung auch einen „gesellschaftlichen Fundamentalvorgang“, in dessen Zusammenhang sich eine „neuzeitlich disziplinierte Untertangesellschaft“ herausbildete. (Schilling, 1995 : 4) Als Ursachen der Konfessionalisierung können, Wolfgang Reinhard folgend, zudem religiöse Innovation, die Entstehung mehrerer Kirchen mit Absolutheitsanspruch und der daraus hervorgehende Konkurrenzdruck herausgearbeitet werden. Im Rahmen der Konfessionalisierung wurden vor diesem Hintergrund klare Glaubensbekenntnisse, strenge Propaganda- und Zensurmechanismen, eine starke Kontrolle im Inneren sowie die Entfernung von „Dissidenten“ als notwendig erachtet. (Reinhard, 1995 : 426) Der Jansenismus konnte vor diesem Hintergrund von bestimmten Akteurinnen und Akteuren als hinderlich für einen solchen innerkonfessionellen Vereinheitlichungs- und innerterritorialen Disziplinierungsprozess angesehen werden.

Fazit und Ausblick

31Dieser kurze Überblick möchte im Forschungsansatz darlegen, dass sich Einflüsse des Jansenismus im Heiligen Römischen Reich im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert sehr wohl finden lassen : So wurden jansenistische Werke, wie Fontaines Histoire in verschiedenen Versionen ins Deutsche übersetzt und Werke tendenziell jansenistischer Prägung, wie die Monita salutaria, im Reich erstveröffentlicht. Im Gegenzug gingen geistliche Reichsstände, so das Erzstift Köln, zu verschiedenen Phasen explizit gegen vermeintlich jansenistische Publikationen und Akteurinnen und Akteure vor.

32Gleichzeitig muss offenbleiben, ob die genannten Publikationen als ‚tatsächlich‘ jansenistisch angesehen und das Vorgehen hiergegen als klar anti-jansenistische Haltung eingeordnet werden können. Wie eingangs dargelegt, ist eine klare Definition und Zuschreibung bezüglich des Jansenismus schwierig, was weitere transnational vergleichende Untersuchungen bereits auf begrifflicher und hermeneutischer Ebene erschwert. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle für einen Konzept- bzw. Begriffswechsel plädiert, beispielsweise eines rigorosen Augustinismus, um Analyseansätze zu vereinfachen und Überschneidungen mit parallelen Frömmigkeitsformen der Epoche aufzuzeigen.

33Die Bezeichnung „rigoroser Augustinismus“ bietet sich auf hermeneutischer Ebene an, da das 17. Jahrhundert in der Forschung oftmals als ‚das‘ Jahrhundert des Augustinismus schlechthin bezeichnet wurde. (Dagens, 1953 : 31–38). Kerngedanken der augustinischen Gnadenlehre sind insbesondere der (pessimistische) Glaube an die willkürliche Prädestination und die daher einzig rettende Gnade Gottes zu nennen. (Cognet, 1961 : 8) Diese strikte Auslegung Augustins war eng mit rigorosen Moralvorstellungen verbunden und von daher einigen protestantischen Auffassungen durchaus verwandt, den Gnadenstand der Taufe im eigenen individuellen Leben möglichst nicht durch sündhaftes Handeln zu verlieren. Rigorose Moraltheorien sahen vor diesem Hintergrund eine strenge Beicht- und Bußpraxis als geboten und unerlässlich an. Der Jansenismus kann somit der Grundthese Quantins folgend, der Rigorismus mit „moralischem Jansenismus“ gleichsetzt, zumindest in diesem ethischen Bereich als eine französisch (und teils niederländisch) geprägte Variation der umfangreicheren rigoros-augustinischen Bewegungen des 17. Jahrhunderts verstanden werden. (Quantin, 2003)

  • 9 Siehe zur katholischen Reform oder Gegenreformation u.a. : Jedin, Hubert (1946) : Katholische Refor (...)

34Auf diesem Wege könnten und sollten weiterführende transnational vergleichende Studien die skizzierten unterschiedlichen, oftmals widersprüchlichen Strömungen innerhalb des breiten, freilich keineswegs uniformen katholischen Reformkontinuums seit dem Trienter Konzil (1545–1563) untersuchen, zu dem nach hier vertretener Ansicht zweifelsohne auch der rigorose Augustinismus zählt.9 Auch soll die bereits angesprochene teilweise Verwandtschaft des Jansenismus zu protestantischen Strömungen – mitunter in der Gnadenlehre und Moraltheologie – hervorgehoben werden, ohne allerdings deren Differenzen zu unterschlagen. So argumentiert mitunter Jordan Ballor, dass es im 16. und 17. Jahrhundert sowohl in der protestantischen als auch in der katholischen Kirche im Bereich der Gnadenlehre und Soteriologie „dueling Augustinianisms“ gegeben habe und sich „cross-confessional connections“ finden ließen. (Ballor, Gaetano, Sytsma, 2019 : 1) An dieser Stelle sei nochmals an Hartmut Lehmanns bereits angesprochenen Beitrag erinnert, der mitunter dazu anregt, Bewegungen wie den Pietismus „mit ähnlichen religiös-sozialen Bewegungen wie dem Puritanismus und dem Jansenismus zu vergleichen.“ (Lehmann, 1972 : 91) Es bietet sich somit an, unterschiedliche sowohl katholische als auch protestantische Bewegungen inner- und überkonfessionell aber auch interregional und -national zu untersuchen. (Hinrichs, 2002 : 136) Die „jansenistischen“ und rigoros-augustinischen Bewegungen des 17. Jahrhunderts sind also im Rahmen dieses weitergefassten Kontextes zu verorten und zu analysieren ; dies auch und gerade hinsichtlich der nicht zu unterschätzenden politischen Implikationen dieser Geistesbewegung.

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Notes

1 S. auch einen Forschungsbeitrag mit vergleichbarer Zielsetzung im französisch-niederländischen Raum : Berlis, Angela und Dick Schoon (2010) : Le jansénisme au-delà des frontières. L’interaction des théologiens catholiques en France et dans la République des Pays-Bas aux xviie et xviiie siècles, in : Krumenacker, Yves (Hg.) : Entre calvinistes et catholiques. Les relations religieuses entre la France et les Pays-Bas du Nord (xviexviiie siècle), Rennes, S. 151–180.

2 Siehe u.a. : Palmer, Thomas (2018) : Jansenism and England. Moral Rigorism across the Confessions, Oxford ; Rosa, Mario (2014) : Il giansenismo nell’Italia del Settecento. Dalla riforma della Chiesa alla democrazia rivoluzionaria, Rom ; Miguélez, Manuel Fraile (2010) : Jansenismo y regalismo en España. Estudio preliminar de Rafael Lazcano, Guadarrama ; O’Connor, Thomas (2008) : Irish Jansenists, 1600–70. Religion and Politics in Flanders, France, Ireland and Rome, Dublin ; Stella, Pietro (2006) : Il giansenismo in Italia, Rom ; Sales Souza, Evergton (2005) : L'incontournable jansénisme : L'Église d'Utrecht et la réforme ecclésiastique portugaise, in : Histoire, économie & société 24,2, S. 555–572 ; Mercadé, Jacques (1980) : Le jansénisme au Portugal (notes d´approche), in : Revista Portuguesa de Historia 18, S. 1–30 ; Appolis, Émile (1966) : Les jansénistes espagnols, Bordeaux.

3 Siehe u.a. Sales Souza, Evergton (2009) : Jansénisme et réforme de l'Église dans l'Amérique portugaise au XVIIIe siècle, in : in : Revue de l’histoire des religions 226,2, S. 201–226.

4 Siehe als Ausnahme : Hersche, 1977.

5 Siehe u.a. : Gallerand, Jules (1969) : Le jansénisme en Blésois. Le conflit entre le P. de Brisacier et Jean Callaghan (1651-1653), in : Revue d’histoire de l’Église de France 154, S. 29–47.

6 Einen vergleichbaren Rückgriff auf jansenistische Schriften zum Voranbringen von Unionsbestrebungen führt Thomas Palmer mitunter auch im englischen Kontext an.

7 Zur Verbindung zwischen Oratorium und Jansenismus u.a. : Lesaulnier, Jean (2001) : Port-Royal et l’Oratoire, in : Chroniques de Port-Royal, 50, S. 7–46.

8 Siehe zur eingeschränkten Existenz und Ausübung des Reformationsrechtes u.a. Laux, Stephan : Friedensstiftung und Staatsgewalt. Das „Ius reformandi“ des Augsburger Religionsfriedens in neuer Sicht, in : Rohrschneider, Michael (Hg.). Frühneuzeitliche Friedensstiftung in landesgeschichtlicher Perspektive, Köln 2020, S. 75–98.

9 Siehe zur katholischen Reform oder Gegenreformation u.a. : Jedin, Hubert (1946) : Katholische Reformation oder Gegenreformation ? Ein Versuch zur Klärung der Begriffe nebst einer Jubiläumsbetrachtung über das Trienter Konzil. Luzern 1946 ; Dickens, A. G. (1968) : The Counter Reformation, London ; Evennet, Outram (1968) : The Spirit of the Counter-Reformation, Cambridge ; Bireley, Robert (1999) : The Refashioning of Catholicism, 1450-1700. A Reassessment of the Counter Reformation, Houndmills ; Po-Chia Hsia, R. (2005) : The World of Catholic Renewal 1540–1770, Cambridge.

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Pour citer cet article

Référence électronique

Nele Döring, « „Jansenismus“ jenseits der französischen Grenzen. Ein Überblick zu jüngerer Literatur und aktuellen Forschungsthesen zu rigoros-augustinischen Verbindungen zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich im späten 17. Jahrhundert »Trajectoires [En ligne], 17 | 2024, mis en ligne le 28 mars 2024, consulté le 27 mai 2024. URL : http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/trajectoires/10514 ; DOI : https://0-doi-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/10.4000/trajectoires.10514

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Auteur

Nele Döring

Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Doktorandin am Lehrstuhl für Frühe Neuzeit, Universität Trier

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