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Lectures croisées de l’actualité – recensions françaises et allemandes

Véronique Krings (Hg.), L’Antiquité expliquée et représentée en figures de Bernard de Montfaucon. Histoire d’un livre

Deborah Schlauch
p. 115-118
Référence(s) :

Véronique Krings ( Hg.), L’Antiquité expliquée et représentée en figures, de Bernard de Montfaucon. Histoire d’un livre, Collection Scripta Receptoria, 19, Bordeaux : Ausonius Éditions, 2021, 2 Bd., 717 Seiten

Notes de la rédaction

https://0-doi-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/10.57732/rc.2022.12.94980

Texte intégral

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Crédits : Ausonius Éditions

1Die Auseinandersetzung mit den frühen Zeugnissen wissenschaftlicher Forschung als Mittel aktueller Beschäftigung mit einem Thema dient nicht nur der Kontextualisierung des Studienobjekts und seiner Rezeption, sondern leistet mit jeder neuen Publikation einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Wissenschaftsgeschichte. Einen solchen Beitrag stellt auch der 2021 unter der Leitung von Véronique Krings erschienene dreiteilige Sammelband L’Antiquité expliquée et représentée en figures de Bernard de Montfaucon dar, der sich in ausführlicher und vielschichtiger Weise mit dem vielbändigen und großformatigen Printwerk zur antiken Geschichte des französischen Gelehrten aus dem frühen 18. Jahrhundert auseinandersetzt.

  • 1 Francis Haskell und Nicholas Penny, Taste and the Antique. The Lure of Classical Sculpture 1500–190 (...)

2In zwei Textbänden mit dem Zusatztitel Histoire d’un livre und einem Supplementband untersuchen 23 Autor·innen die Genese, Zusammensetzung und Rezeption des 1719 erstmals erschienenen Werks L’Antiquité expliquée et représentée en figures des Benediktinermönchs Bernard de Montfaucon (1655–1741), das in vielerlei Hinsicht einen wichtigen Anknüpfungspunkt für die antiquarische und archäologische Forschung bildete. Die dichte und vielseitige Form des Tagungsbandes, der in aller Breite die verschiedenen Aspekte der Antiquité expliquée untersucht, ist schwerlich in Gänze zu beschreiben, leistet aber mit diesem Panorama einen wertvollen und umfangreichen Beitrag zur Geschichte der Erforschung der Arbeit Montfaucons. Das Werk L’Antiquité expliquée et représentée en figures bietet auch nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit den Antiquaren der Frühen Neuzeit und der Geschichte der Archäologie und Kunstgeschichte weiterhin Anlass zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Montfaucon zielte, im Geiste der antiquarischen Praxis des 17. Jahrhunderts, mit seinem fünf Bände und weitere fünf Supplementbände umfassenden Werk darauf ab, einen historischen Gesamtüberblick über die Kulturen der Antike zu liefern und diesen mit den Bildwerken der jeweiligen Zeit sowie deren geografischer Verortung zu belegen. Seine dazu von französischen Stechern geschaffenen Druckgrafiken ließ er nicht, wie dies beispielsweise Cassiano dal Pozzo (1588–1657) für sein Museum Cartaceum praktiziert hatte, nach den Originalen oder Gipsabgüssen anfertigen, sondern nutzte die Publikationen seiner Vorgänger, wie Pietro Santi Bartoli, Jacob Spon, François Perrier oder Domenico de Rossi, und ließ sie kopieren.1 Die Urheber dieser grafischen Bildschöpfungen sind jeweils unter den Darstellungen in L’Antiquité expliquée angeführt.

  • 2 Elena Vaiani, »Un correspondant du passé. Les manuscrits de Nicolas-Fabri de Peiresc«, in: Véroniqu (...)

3Die inhaltliche Auseinandersetzung mit seinen Vorgängern und den Gelehrten seiner Zeit steht im Zentrum des ersten Teils des vorliegenden Sammelbandes. Dies beschreibt unter anderem Elena Vaiani in ihrem Aufsatz, in dem sie die Auseinandersetzung Montfaucons mit einem der wichtigsten französischen Gelehrten des frühen 17. Jahrhunderts, Nicolas-Fabri de Peiresc, seinem »correspondant du passé«, untersucht.2 Vaiani analysiert, welche Zeichnungen und Schriften aus Peirescs Manuskripten Montfaucon in L’Antiquité expliquée und weiteren seiner Werke rezipiert und nachdruckt. Die Quellen des Benediktiners macht die Autorin in zwei Manuskripten Peirescs aus, die er im Original gesehen haben muss, und sie legt weitere indirekte Verweise frei, die u.a. durch Jacob Spons Miscellanea eruditae antiquitatis (1685) vermittelt worden sind. Unter den Zeichnungen in Peirescs Manuskript mit dem Titel Cabinet Peiresc, das heute in der Bibliothèque nationale de France verwahrt wird, findet sich eine große Zahl römischer, etruskischer und ägyptischer Kleinodien sowie Darstellungen von Architektur und Skulptur römischer Zeit. Ausführlich untersucht die Autorin die Abbildungen nach Peirescs Zeichnungen bei Montfaucon, identifiziert in den Schriften des Benediktiners die Ideen des Gelehrten aus Aix-en-Provence und reflektiert seine kritische Auseinandersetzung und Selektion der Arbeiten des Älteren. Im Anhang ihres Textes gibt sie die Schriften Montfaucons zu den Texten Peirescs und die zugehörigen Quellen wieder.

4Der zweite Teil der Publikation befasst sich mit den Themen des Werks L’Antiquité expliquée und widmet sich unter anderem dem Mithras-Kult und dessen Auslegung in Olivier Latteurs Aufsatz »Bernard de Montfaucon et le culte de Mithra. Approche historiographique, méthodologique et critique«. François de Callataÿ betrachtet die in Montfaucons Werk wiedergegebenen antiken Münzen und ordnet den Beitrag des Antiquars in die numismatische Forschungsgeschichte ein. Sydney H. Aufrère untersucht die Rezeption der ägyptischen Kultur in klassischer und römischer Zeit und deren Verständnis zu Beginn des 18. Jahrhunderts und leistet damit einen Beitrag zur Rezeptionsgeschichte von Montfaucons Bild der Antike zu seinen Lebzeiten.

5Im dritten Teil des Werks, der den Titel »L’entrée à tous les arts & à tous les sciences« trägt, wird die Rezeption im Verlauf des 18. Jahrhunderts weiterverfolgt. Laëtitia Pierre und Markus A. Castor betrachten die Auseinandersetzung mit Montfaucon beim Grafen Caylus, seinerseits Amateur, Künstler und Antiquar, und bei dem Künstler und Grafiker Michel-François Dandré-Bardon. Beide erlangten im 18. Jahrhundert unter anderem mit ihren Abhandlungen zur antiken Geschichte und den zugehörigen Drucken an Popularität und konnten sich hierbei auf die Schriften des Benediktiners stützen. Der Artikel zeigt, dass sich Frankreich, wie es auch für den Kunstbetrieb und die Académie Royale de peinture et sculpture festgestellt werden kann, in der Wissenschaft im 18. Jahrhundert von Italien abnabelt und eine eigene französische Forschungstradition begründet.

  • 3 Wallace Kirsop, »Vers une étude du marché anglais des œuvres de Bernard de Montfaucon«, in: Krings (...)
  • 4 Ibid., S. 603.
  • 5 Ibid., S. 607f.

6Die Verbreitung des Montfaucon’schen Werks und die damit verbundene Internationalisierung des Wissens untersucht Wallace Kirsop am Beispiel der Antiquité expliquée sowie weiterer Werke Montfaucons auf dem englischen Markt. Denn der Vertrieb erfolgte bereits kurz nach seiner Veröffentlichung auch auf den britischen Inseln, zuerst in französischer Sprache, schnell aber auch in Form einer englischen Übersetzung.3 Der Antiquar unterhielt Zeit seines Lebens Kontakte zu englischen Korrespondenten und den sogenannten souscripteurs seines Werkes, die finanzielle Unterstützung garantierten, zu denen ein Bestand an Briefen erhalten geblieben ist.4 Die Käufer·innen von L’Antiquité expliquée und anderen Publikationen wie Les Monumens de la monarchie françoise fanden sich in Großbritannien auf verschiedenste gesellschaftliche Gruppen. Der Autor beschreibt die Präsenz der Werke unter anderem in den Bibliotheken von Gelehrten, Architekten und Schauspielern.5 Über die britischen Inseln und den europäischen Kontinent hinaus erreichten Montfaucons Schriften auch die Kolonien in Nordamerika und Australien, wo sie heute noch zu den Beständen der dortigen Bibliotheken gehören. Mit seinen Überlegungen zu Fragen der Provenienz und des Verbleibs der zahlreichen Exemplare gelingt Wallace Kirsop ein runder Abschluss des dritten Teils des Bandes.

7Den vierten und abschließenden Teil bildet ein Supplement von Juliette Jestaz, ein überarbeiteter Auszug aus ihrer 1995 an der École des Chartes verfassten Dissertation zu Bernard de Montfaucon mauriste et antiquaire: la tentative de L’Antiquité expliquée (1719–1724). Die drei aus dieser Arbeit hervorgegangenen Aufsätze, die in den vorliegenden Sammelband aufgenommen wurden, setzen sich quellenkritisch mit dem Werk auseinander und enthalten einerseits eine kommentierte Edition der Publikationsverträge der Antiquité expliquée und seiner Supplementbände zwischen Montfaucon und den Pariser Bibliotheken. In ihrem zweiten Beitrag widmet sich die Autorin dem sogenannten livret des souscripteurs. Montfaucon nutzte für die Publikation seiner Antiquité expliquée und nachfolgender Werke ein Investorensystem, die souscriptions, mit dem er von wohlhabenden Interessent·innen bereits im Vorhinein finanzielle Mittel sammelte, die ihm die Möglichkeit gaben, das Werk verlegen und drucken zu lassen. Jestaz untersucht mithilfe quantitativer Auswertungen des livrets die Verteilung der souscripteurs auf Frankreich und den europäischen Kontinent und veranschaulicht so das breite Interesse an der Edition. Den abschließenden Artikel des Supplementteils und des gesamten Bandes bildet Jestazʼ kommentierte Bibliographie der von Montfaucon referenzierten Publikationen und antiken Quellen, die in der Antiquité expliquée und ihren Supplementbänden genutzt wurden. In einem Beiheft zu den beiden Textbänden wird von Juliette Jestaz die Chronologie der Herausgabe des Werkes von 1713 bis 1724 auf mehreren Seiten unter Ergänzung der Abbildung verschiedener Quellentexte in Form eines kreativ illustrierten und kommentierten Zeitstrahls von Alain Maes visualisiert. Die ansprechenden und didaktisch gewinnbringenden Illustrationen bieten eine Melange aus der Darstellung historischer Ereignisse und einer modernen Inszenierung des Werkes Bernard de Montfaucons.

8Der Sammelband bietet mit seiner vielfältigen, aufeinander aufbauenden Argumentation zum Werk des Benediktinermönches und französischen Gelehrten einen wichtigen, aktuelle Forschungen präsentierenden Beitrag zur Untersuchung der antiquarischen Forschung in der Frühen Neuzeit und stellt heraus, welche tragende Rolle Montfaucon für die Wissenschaft und im Besonderen die Auseinandersetzung mit der antiken Geschichte spielte. Die Werke des Antiquars und deren Rezeption repräsentieren die Aufklärungsbewegungen in Frankreich und Europa und mit ihnen den Beginn der modernen Wissenschaft. Die Autor·innen des Sammelbandes L’Antiquité expliquée et représentée en figures de Bernard de Montfaucon durchdringen das umfangreiche und vielschichtige Material dieser Werke zur antiken Geschichte und leisten durch ihre interdisziplinäre Expertise ein gelungenen Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte.

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Notes

1 Francis Haskell und Nicholas Penny, Taste and the Antique. The Lure of Classical Sculpture 1500–1900, New Haven, London: Yale University Press, 1994, S. 43.

2 Elena Vaiani, »Un correspondant du passé. Les manuscrits de Nicolas-Fabri de Peiresc«, in: Véronique Krings (Hg.), L’Antiquité expliquée et représentée en figures de Bernard de Montfaucon, Bordeaux: Ausonius, 2021, S. 150f.

3 Wallace Kirsop, »Vers une étude du marché anglais des œuvres de Bernard de Montfaucon«, in: Krings (Hg.), L’Antiquité expliquée…, op. cit., S. 603f.

4 Ibid., S. 603.

5 Ibid., S. 607f.

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Pour citer cet article

Référence papier

Deborah Schlauch, « Véronique Krings (Hg.), L’Antiquité expliquée et représentée en figures de Bernard de Montfaucon. Histoire d’un livre »Regards croisés, 12 | 2022, 115-118.

Référence électronique

Deborah Schlauch, « Véronique Krings (Hg.), L’Antiquité expliquée et représentée en figures de Bernard de Montfaucon. Histoire d’un livre »Regards croisés [En ligne], 12 | 2022, mis en ligne le 01 juillet 2023, consulté le 16 juin 2024. URL : http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/regardscroises/527

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