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AccueilNuméros83Glyptique romaineAntike Gemmen aus der Awarenzeit

Glyptique romaine

Antike Gemmen aus der Awarenzeit

Gemmes antiques de l’époque avare
Antique gems from the Avar era
Tamás Gesztelyi
p. 99-116

Résumés

Étude de gemmes d’époque romaine, montées en pendentif ou sur des bagues avares, retrouvées dans des nécropoles avares des viie-viiie siècles, dans l’ancienne Pannonie. Parmi ces pièces, camées en verre, circulaires, avec un appendice de suspension traversé par un canal permettant de les enfiler, forme particulière provenant essentiellement des zones du moyen Danube. Remploi de ces gemmes d’abord pour leur couleur, même si le motif gravé est connu (une Victoire transformée en ange).

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Texte intégral

  • 1 Mócsy, 1962; Mócsy, 1974.
  • 2 Menghin et al., 1987.
  • 3 Pohl, 1988.

1Die Provinz Pannonien bestand ungefähr vom Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr. bis zum Ende des 4. Jahrhunderts.1 In der Folgezeit wurde das Territorium der Provinz von immer neuen Wellen der Völkerwanderung aus Mittelasien bzw. Nordeuropa überschwemmt. Zuerst kamen die Hunnen, dann wechselten sich im Verlauf des 5. Und 6. Jahrhunderts verschiedene germanische Stämme ab.2 In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts kamen aus dem Osten die Awaren und beherrschten das Karpatenbecken bis zum Anfang des 9. Jahrhunderts.3 Zur Zeit ihrer Ankunft trafen sie kaum noch auf lebende Gruppen der einstigen Bevölkerung der Römerzeit. Dagegen entwickelte sich ein enger Kontakt mit dem byzantinischen Reich. Für militärische Dienste bezahlten die Byzantiner ernstzunehmende Summen, aber wenn diese den Awaren zu gering gewesen wären, konnten sie mit dem einen oder anderen Raubfeldzug ihr Einkommen aufbessern. Auf diese Weise gelangten nicht nur Bargeld, sondern auch wertvolle Kunstobjekte römischen oder byzantinischen Ursprungs bzw. verschiedenste Gebrauchsgegenstände in den Besitz der Awaren. Daneben waren auch auf dem Boden Pannoniens in großer Menge Funde zu machen, welche die das Gebiet oft fluchtartig verlassenden Römer zurückgelassen hatten. Darüber hinaus schreckten die sich besonders für Schmuck interessierenden Awaren nicht davor zurück, am einen oder anderen viel versprechenden Ort die römischen Gräber aufzugraben, um an deren Beigaben zu kommen. Ein Teil der kleineren und größeren Werte gelangte dann wieder unter die Erde, doch nun bereits als Grabbeigabe ihrer awarischen Besitzer. Von alledem wollen wir eine Denkmalgruppe untersuchen, und zwar die antiken Gemmen. Auch wenn ihre Zahl nicht groß ist, sind sie doch der Untersuchung wert. Sie zeigen nämlich ein Beispiel dafür, wie eine von der römischen völlig verschiedene Kultur, ein nomadisierendes Reitervolk, auf die Hinterlassenschaft der Römer trifft und diese in die eigene Kultur bzw. Tracht integriert.

  • 4 Heinrich-Tamáska, 2006, p. 59‑60: Exkurs: Verwendung von Gemmen in der Awarenzeit.
  • 5 Ament, 1991, p. 402.
  • 6 Heinrich-Tamáska–Müller, 2009, p. 57.

2Mit der Frage der Wiederverwendung antiker Gemmen in der Awarenzeit hat sich bereits Heinrich-Tamáska beschäftigt, insofern diese in Metallrahmen gefasst waren.4 Dies bedeutete meist einen Ring, aber manchmal auch ein Gehänge oder eine Tasche(?). Eine derartige Aufwertung der römischen Gemmen wie die, von der Ament in der Merowingerzeit spricht, kann bei den Awaren nicht beobachtet werden.5 Während dort mehr als zwei Drittel der Gemmen in einen Goldring oder eine Goldfibel gefasst waren, zählte dies bei den Awaren zu den Ausnahmen. Nur in einem einzigen Fall gibt es eine in einen Goldring gefasste Gemme, doch ist umstritten, ob dieser etwas mit den Awaren zu tun hat oder aber mit der die so genannte „Keszthely-Kultur” bildenden, weiterlebenden, romanisierten Bevölkerung in Verbindung gebracht werden muss (Nr. 1). Nach Meinung des ausgrabenden Archäologen ist das gefundene Grab: „die Ruhestätte einer romanisierten, christianisierten germanischen Familie, die nach 536 hierher geflüchtet sei und 596 das Gebiet verlassen habe (Sági, 1991, p. 135‑137).... R. Müller datierte das Gräberfeld ebenfalls in die Mitte des 6. Jahrhunderts, hielt die dort bestattete Familie aber für alemannisch oder fränkisch...allein der Gürtelbeschlag... weist auf eine spätere Zeitstellung nach der awarischen Machtübernahme.”6

  • 7 Müller, 1999‑2000, p. 355.
  • 8 Müller, 1999‑2000, p. 355.
  • 9 Heinrich-Tamáska, 2009, 59.

3Ebenfalls in einem Fall ist eine Gemme in einen Silberring gefasst, doch auch hier ist umstritten, ob sein Besitzer zur awarischen Bevölkerung gehörte oder es sich um ein germanisches Grab aus der frühen Awarenzeit handelt (Nr. 2).7 Der ausgrabende Archäologe macht in der Zusammenfassung seiner Publikation folgende Feststellung: „Der vornehme Tote, der...irgendwann am Anfang des 7. Jahrhunderts bestattet wurde, war ein Germane.”8 Es steht freilich außer Zweifel, dass diese Epoche auf diesem Territorium bereits zur frühen Awarenzeit gehörte. Heinrich-Tamáska sagt im Fall beider Ringe kategorisch: „Aus einem frühawarenzeitlichen Grabzusammenhang stammen jedenfalls die Ringe aus Kesztely-Fenéki utca, Keszthely-Pusztaszentegyházi dűlő.”9 In Silberfassung kommt auch ein Gehänge (Nr. 5, pl. VII-1) in einem Grab vor, in dem sich eine Silberfibel byzantinischer Herkunft befindet (pl. VII-2) und auch das Gehänge selbst scheint eine byzantinische Arbeit zu sein.

  • 10 Tomka, 2008, p. 614.
  • 11 Ament, 1991, p. 402.

4In größter Zahl kommen Bronzefassungen vor (4 St.), drei davon sind Ringe und eine ein Gehänge. Einer der Ringe erscheint auf Basis der Zeichnung der Publikation original römisch zu sein (Nr. 7). Sicherlich um awarische Arbeiten aus der mittleren bzw. späten Awarenzeit handelt es sich bei zwei fragmentierten Bronzeringen (Nr. 3, 6, pl. VII-3) und einem Bronzegehänge (Nr. 15, fig. 1). Darüber hinaus gelangte eine ungefasste Gemme ans Tageslicht, ein gehüteter Wert, über dessen Verwendungsweise der Besitzer noch nicht entscheidenkonnte(Nr. 4). Sie bliebam Eisenzum FeuerschlageneinerTasche haftenderhalten und der ausgrabende Archäologe dachte an die Möglichkeit, dass sie als Taschenschmuck verwendet worden sein könnte.10 Wahrscheinlicher ist es aber, dass es sich um einen in der Tasche aufbewahrten, nicht verwendeten, aber für wertvoll erachteten Gegenstand handelt. Dafür gibt es auch Beispiele aus der Merowingerzeit.11

Fig. 1. Halskette aus Zamárdi (Nr. 15, Zeichnung nach Garam).

Fig. 1. Halskette aus Zamárdi (Nr. 15, Zeichnung nach Garam).

1. Keszthely; 2. Keszthely-Fenékpuszta; 3. Ménfőcsanak; 4. Ménfőcsanak; 5. Nagyharsány; 6. Pilismarót-Basaharc; 7. Kishegyes; 8. Várpalota; 9. Cserkút; 10. Győr; 11. Győr; 12. Pécs-Gartenstadt; 13. Kaposmérő; 14. Zillingtal; 15. Zamárdi; 16. Szarvas

5Was wirklich in die awarische Tracht passte, das war die auffädelbare Gemme. Nach dem Zeugnis der Grabfunde trugen nämlich die Frauen gewöhnlich Halsketten, auf die sie gleichsam wahllos alle Perlen auffädelten, die ihnen in die Hände gerieten. Von auffädelbaren Gemmen gab es bei den Römern aber nur eine Art, und zwar die in der späten Kaiserzeit auftretenden Glaskameen mit zwei Kanälen. Es ist kein Zufall, dass die Hälfte der von den Awaren verwendeten antiken Gemmen zu dieser Gruppe gehörte (Nr. 8‑14, fig. 2). Wegen ihrer Häufigkeit haben die Erforscher der Epoche diese Perlen manchmal für awarischen Ursprungs gehalten. Von sekundärer Verwendung zeugt aber eindeutig die Tatsache, dass zum Auffädeln immer nur der eine Kanal verwendet wurde, dass also der ursprüngliche Gebrauch davon abwich. Dass es sich um eine Spezialität des Karpatenbeckens handelt, darauf verweist die Tatsache, dass diese Gruppe unter den Gemmen aus der Merowingerzeit überhaupt nicht vorkommt. Die Erklärung dafür ist aber nicht nur im unterschiedlichen Geschmack der beiden Völker zu suchen, sondern mehr noch in der Tatsache, dass dieser Gemmentypus in den westlichen Territorien nicht verbreitet war. Am ehesten war er für Pannonien charakteristisch, es handelt sich also offensichtlich um vor Ort gesammelte Stücke.

Fig. 2. Halskette von Várpalota (Nr. 8, Zeichnung nach Bóna, 2000, Abb. 19)

Fig. 2. Halskette von Várpalota (Nr. 8, Zeichnung nach Bóna, 2000, Abb. 19)
  • 12 Gesztelyi, 1996‑1997, p. 69, Nr. 21‑22.
  • 13 Zwierlein-Diehl, 1991, p. 226 Nr. 2502.

6Vom Gesichtspunkt der Art und Wiese der Wiederverwendung antiker Gemmen her bedeutet das im Zuge der in den letzten Jahren in Zamárdi-Rétiföldek durchgeführten Ausgrabungen zum Vorschein gekommene Gehänge mit Bronzerahmen eine Überraschung. In diesen ist ein dunkler Glaskameo gefasst (Nr. 15, fig. 1), auf dem einer der für die Gemmen mit zwei Kanälen charakteristischen Typen des weiblichen Brustbildnisses zu sehen ist (auch ihre Maße stimmen überein).12 Ich kenne das Objekt leider nur von einer Zeichnung, daher konnte ich nicht untersuchen, ob irgendeine Spur der angenommenen zwei Kanäle aufzufinden ist. Da die Glaskameen mit zwei Kanälen eine unregelmäßige Kreis- oder ovale Form aufwiesen, konnten die Unregelmäßigkeiten mit der Fassung verdeckt werden oder aber der Glaskameo selbst kreisförmig geschliffen wird. Aber es gibt auch eine andere Lösungsmöglichkeit. Dieser Bildnistypus kam auch an mit einer Öse versehenen Glasgehängen vor, die eine mehr oder weniger regelmäßige Kreisform bildeten.13 Wenn die Öse abgebrochen war, musste man nur dessen Überreste glatt schleifen, um es in einen regelmäßig kreisförmigen Rahmen fassen zu können. Mit beiden Lösungen haben wir es mit einem Einzelfall zu tun, insofern dieser ansonsten auffädelbare Typus in einen Metallrahmen gefasst an eine Halskette gehängt wurde.

  • 14 Harmatta, 2004, p. 104‑105.

7Die Auffädelbarkeit spielte auch eine Rolle bei der Verwendung der als Besonderheit geltenden sasanidischen Gemme. Diese war nämlich ein in der Mitte durchbohrter Stempel und sein Besitzer trug sie tatsächlich aufgefädelt auf seine Halskette. Die ältere Frau konnte sie den Sitten der Zeit entsprechend gar nicht als Stempel verwenden, sondern nur als Schmuckstück. Die Halskette dürfte mit ihren weiteren Perlen – die übrigens im archäologischen Material Ungarns selten vorkommen – aus Mittelasien stammen. (Auf dem Territorium Pannoniens wurden bisher keine sasanidischen Gemmen gefunden.) Die Awaren nahmen am Sturz des mittelasiatischen Reichs der Hephtaliden teil, dabei dürften sie die Gemme als Beute gemacht und ins Karpatenbecken mitgebracht haben.14

  • 15 Werner, 1962, p. 28; Bóna, 2000, p. 150.

8Die chronologische Verteilung der Gemmenfunde unter den einzelnen Awarenzeitaltern ist relativ gleichmäßig. In die frühe Awarenzeit sind neben den schon erwähnten Gold- und Silberringen zwei der Glaskameen mit zwei Kanälen zu datieren (Nr. 8‑9). Der eine stammt aus einem reich mit Beigaben versehenen Grab des Awarenfriedhofes von Várpalota (fig. 2), den Reichtum der hier begrabenen Frau betont sowohl Werner, als auch Bóna.15 Auch wenn das Grab der Gemme von Cserkút (Nr. 9) nicht über mit dem vorigen vergleichbar reiche Beigaben verfügte, waren darin doch auch silberne Ohrgehänge, welche Werner als Zeichen des Reichtums in der awarischen Gesellschaft betrachtet. Aus dem Gesagten kann jedenfalls geschlossen werden, dass die in die frühe Awarenzeit datierbaren Gemmenfunde ziemlich wohlhabende Besitzer hatten, zu welcher – oft diskutierbaren – Ethnie sie auch immer gehörten. Hier kommt die einzige goldgefasste Gemme vor (Nr. 1) und unter den Beigaben sind anspruchsvolle Goldschmiedearbeiten bzw. Knochenschnitzereien zu finden. Zweifellos fiel die bis Anfang des 7. Jahrhunderts dauernde Periode mit dem goldenen Zeitalter des Awarenreiches zusammen.

  • 16 Egry et al., 1997, p. 72.
  • 17 Fettich, 1965, p. 93, Nr. 7.

9In die mittlere Awarenzeitsinddie Gemmenfundein Győr-Ménfőcsanak, Einkaufszentrum (Nr. 3‑4) einzuordnen,16 die auf Grund der brieflichen Mitteilung von P. Tomka ins letzte Drittel des 7. Jahrhunderts zu datieren sind. Wahrscheinlich sind in diese Epoche die Glaskameen mit zwei Kanälen des großen Awarenfriedhofs von Győr (Nr. 10‑11) zu datieren sowie auch das aus Nagyharsány stammende Fundensemble (Nr. 5).17 Zwei Intaglien (Nr. 6‑7) und zwei Gemmen mit zwei Kanälen (Nr. 12‑13) sind in die späte Awarenzeit (um die Mitte des 8. Jahrhunderts) zu datieren, während die Datierung der restlichen Gemme (Nr. 14) unsicher ist. Beide bleiben in Bezug auf den Reichtum der Beigaben hinter den frühawarenzeitlichen zurück. Als wirklich reiches Grab kann das von Nagyharsány (Nr. 5, pl. VII-1/2) angesehen werden, in dem das Ohrgehänge, die Fibel, die Halskette und das Gehänge alle aus Silber gefertigt wurden. Im spätawarenzeitlichen Grab von Pilismarót-Basaharc (Nr. 6, pl. VII-3) ist nur noch das Ohrgehänge aus Silber, die übrigen Schmuckstücke und so auch der Gemmenring sind aus Bronze. Und doch kann man beobachten, dass die Intaglien aus anspruchsvolleren (z. B. Nr. 5‑7), während die Gemmen mit zwei Kanälen aus ärmlicheren Gräbern (Nr. 10‑14) stammen, in denen oft außer der Halskette kaum weitere Beigaben zu finden waren.

Pl. VII-1. Gemme von Nagyharsány (Nr. 5, Museumsfoto)

Pl. VII-1. Gemme von Nagyharsány (Nr. 5, Museumsfoto)

Pl. VII-2. Scheibenfibel von Nagyharsány (Nr. 5, Museumsfoto)

Pl. VII-2. Scheibenfibel von Nagyharsány (Nr. 5, Museumsfoto)

Pl. VII-3. Gemme von Pilismarót-Basaharc (Nr. 6, Museumsfoto)

Pl. VII-3. Gemme von Pilismarót-Basaharc (Nr. 6, Museumsfoto)
  • 18 Ament, 1991, p. 410.
  • 19 Ament, 1991, p. 412.
  • 20 Platz-Horster, 1984.
  • 21 Platz-Horster, 1987, 1994.
  • 22 Krug, 1980.

10Wenn wir uns die räumliche Verteilung der Gemmenfunde vornehmen, dann sehen wir, dass sie mit zwei Ausnahmen aus der Westhälfte des Karpatenbeckens stammen, aus dem Gebiet des einstigen Pannoniens, wo römerzeitliche Gemmen überall auftauchen konnten (fig. 3). Östlich der Donau, also außerhalb der Provinz, aber doch nah genug am Limes liegt Kishegyes (Nr. 7). Im Fall des weiter entfernten Szarvas (Nr. 16) ist es wahrscheinlich, dass die Awaren den sasanidischen Stempelstein aus Innerasien mitgebracht haben, es sich also nicht um eine örtliche Erwerbung handelt. Im Fall des Karpatenbeckens können wir daher nicht von der Erscheinung sprechen, die Ament für das Vorkommen der merowingerzeitlichen Gemmenfunde festgestellt hat: „die merowingischen Gemmenfunde weniger im stark von römisch-antiken Traditionen geprägten Westen, sondern im ganz überwiegend germanisch besiedelten Osten zu Tage gekommen sind.”18 Die Erklärung für seine Feststellung halten wir nicht für begründet: „das Angebot an antiken Gemmen in der ehemaligen Grenzzone des Imperiums und außerhalb von diesem spärlicher, ihr Wert folglich höher gewesen sein als im Inneren des alten Galliens.”19 Wenn wir einen Blick auf Aments Karte werfen, dann sehen wir, dass die Fundstellen am Verlauf des Rheins am dichtesten sind, der tatsächlich den römischen Limes bildete, doch war dieses Territorium viel reicher an Gemmenfunden als die inneren Gebiete von Gallien. Nach unseren heutigen Kenntnissen waren die Legionszentren wie Bonn20, Xanten21, Köln22 zugleich auch die Hauptzentren des Gemmenhandels. Römische Gemmen gelangten bereits im Altertum auf Barbarengebiete nahe dem Limes, was sich im Mittelalter sicherlich fortsetzte.

Fig. 3. Räumliche Verteilung der Gemmenfunde

Fig. 3. Räumliche Verteilung der Gemmenfunde
  • 23 Tomka, 2008, p. 616.

11Nach Meinung von P. Tomka23 ist das Interesse der Awaren an antiken Gemmen als germanoide Erscheinung anzusehen. Zugleich betont er aber auch die Wichtigkeit des byzantinischen Einflusses, der in den südöstlichen transdanubischen Gebieten (besonders Nagyharsány, Cserkút) zu beobachten ist. Die Ausstrahlung davon meint er auch im Friedhof von Ménfőcsanak zu entdecken, was er folgendermaßen charakterisiert: „Die Träger dieser nicht-ganz-awarischen, nicht-ganz-germanischen, nicht-ganz-spätantiken, also polyethnisch geprägten Subkultur mit starken auswärtigen Beziehungen haben irgendetwas mit dem großräumigen Handel zu tun.” Wir halten es für wichtig, dies noch mit der Feststellung zu ergänzen, wonach: „In der Avaria, ja auch in Kleinräumen, existierten gleichzeitig und nebeneinander verschiedene Gruppen mit ungleichen Trachten und Sitten.”

  • 24 Vgl. Menghin et al., passim.
  • 25 László, 1938; Garam, 1993, p. 87‑88, Nr. 106.
  • 26 Garam, 1993, p. 107, Nr. 135.

12Wir können nicht behaupten, dass es unter den Awaren ein allgemeines Interesse an antiken Gemmen gegeben habe, und schon gar nicht, dass es sachverständig gewesen wäre. Wenn sie welche vorfanden, legten sie sie als für wertvoll gehaltenen Tand zur Seite, entweder in der ursprünglichen Form (im Ring) oder auch für sich. Für die Neufassung in eigne Schmuckstücke oder Gebrauchsgegenstände gibt es nur wenige Beispiele und auch in diesen Fällen tun sie es eher wegen des Materials des Schmucksteins als wegen der Darstellung. Dies können wir an einem Beispiel feststellen wie dem Fund von Ménfőcsanak (Nr. 3), bei dem die Gemme mit der Abbildung nach unten in den Ring gefasst wurde. Dies dürfte nicht nur damit in Zusammenhang gestanden haben, dass die Abbildung den Besitzer nicht interessierte, sondern auch damit, dass der Rand der Vorderseite beschädigt war. Als Schmuck hielten sie einen glänzend geschliffenen Schmuckstein für wertvoller als eine gravierte und beschädigte Oberfläche. Die Verwendung unverzierter Schmucksteine war schon in der späten Kaiserzeit verbreitet, bei den nicht-römischen Völkern wurden sie geradezu populärer als die gravierten.24 Im Fall des Kameo von Zamárdi wurde die mit einer Abbildung versehene Seite zwar nicht nach innen gekehrt, wohl aber auf den Kopf gestellt (fig. 1), noch dazu schief, woran wir wiederum das völlige Desinteresse an der Abbildung erkennen können. Für die schonungslose Zerteilung aus Edelmetallen gefertigter, feiner kunsthandwerklicher Arbeiten im Dienste der Wiederverwendung des Grundmaterials kennen wir mehrere Beispiele aus der Awarenzeit. Ein solches ist die reich verzierte Goldplatte von Kunágota, aus der ein Schwertgriffbeschlag hergestellt wurde,25 oder die verzierte Silberschüssel von Tépe, von der in Folge der Zerteilung nur ein Viertel übrig geblieben ist.26

13Eine Ausnahme vom Desinteresse an den Darstellungen stellt einzig die Gemme von Nagyharsány dar (Nr. 5, pl. VII-1), auf der eine geflügelte Frauenfigur in langem Gewand zu sehen ist, die in einer Hand einen langen, stabartigen Gegenstand hält. (In Wirklichkeit Ähre und Steuerruder.) Der publizierende Archäologe hielt diesen für einen Baumast. Es gibt allerdings zu denken, dass auf der Goldplatte der Fibel dieses Grabes eine sehr ähnliche Gestalt zu sehen ist (pl. VII-2): eine geflügelte Figur in langem Gewand, die einen langen Stab in der Hand hält, an dessen oberem Ende sicherlich ein Kreuz war, das aber bereits vollständig abgenützt ist. Um den Kopf herum sieht man einen Glorienschein, aus der griechischen Inschrift geht hervor, dass es sich um einen Erzengel handelt. Der halbkreisförmige Bogen des Helmkamms um den Kopf der Frauenfigur der Gemme herum ähnelt ebenfalls einem Glorienschein. Das gemeinsame Tragen der beiden Gegenstände könnte darauf verweisen, dass der Besitzer auf der Gemme die gleiche Gestalt gesehen hat wie in der ihm offensichtlich wohlbekannten Engelsgestalt. Dieses Exemplar der Umdeutung antiker Gemmendarstellungen ist eher auf Grund seiner Frühzeit als auf Grund seines Inhalts interessant, denn später begegnen wir der Interpretation der geflügelten Gestalten (Victoria, Nemesis) als Engel regelmäßig.

  • 27 László, 1940, p. 146.
  • 28 Pohl, 1988, p. 204.
  • 29 László, 1940, p. 151‑152.
  • 30 Pohl, 1988, p. 204.

14Eine andere Frage ist, wie christlich der Träger der genannten Gegenstände sein konnte. Die Awaren traten zwar nicht zum Christentum über, sie kamen im Zuge ihrer Wanderungen aber mehrmals mit ihm in Berührung. Zuerst an der Nordküste des Schwarzen Meeres und dann im Karpatenbecken kamen sie in Kontakt mit dem byzantinischen Christentum, doch konnten sich auch kleinere und größere christliche Gruppen unter ihnen angesiedelt haben.27 Tracht des Kreuzes begegnet uns in mehreren Gräbern (z. B. fig. 2), was auch dann auf christlichen Einfluss schließen lässt, wenn ihre Träger vielleicht nur ein Amulett darin sahen und nicht ein Zeichen ihres Glaubens.28 In bestimmten Fällen ist es aber auch möglich, dass die wertvolleren Schmuckstücke christlichen Charakters aus Gräbern byzantinischer Ehefrauen vornehmer Awaren stammen,29 wie z. B. die Scheibenfibeln, die man als aus dem Heiligen Land mitgebrachte Devotionalien der Pilger betrachten kann.30

Intaglien

1. Keszthely, Balatoni Museum, Inv. 75.71.17

  • 31 Vgl. Heinrich-Tamáska, 2006, Abb. I.

15Fundort: Keszthely, Fenéki Straße, Villa Szent-Gály, Grab 2. Das Grab wurde ausgeraubt, aber auch so blieben wertvolle Beigaben zurück: 1. 2 St. Goldanhängsel mit farbigen Glaseinlagen;31 2. 11 St. rechteckige, paarweise zusammengenagelte Goldplatten; 3. 30 St. auf die Vorderseite von Münzen aus dem 4. Jh. gehämmerte, aus Goldplatten hergestellte Anhängsel mit aus Golddraht geformten ringförmigen Aufhängern; 5. aus einem Knochen geschnitzter Tiegel in der Form eines zehnseitigen Prismas, dessen eine Seite ausziehbar ist; 6. einseitig verzierte Knochenplattenbruchstücke; 7. einseitiges Knochenkammbruchstück; 8. Anhängsel aus organischem Material; 9. Perlen; 10. 2 St. tonnenförmige Goldperlen; 11. Gürtelbeschlag aus gegossener Bronze; 12. aus Goldfäden gewobene Fetzen.
Gemme: Nicolo, hellblaue auf dunkelblauer Schicht. Hochoval, beidseitig flach, abgeschrägter Rand, gerade Kante. Oberfläche abgenützt.
Maße: 1,35 × 1 cm
In einem spätantiken Goldring gefasst. Die sich erhebende Fassung wird von einem beperlten Draht umfangen, der Ring ist aus einer Platte gefertigt.
Querdurchmesser: 2,1 cm
Datierung: Stein: 1/2. Jh. n. Chr., Ring: 4. Jh. n. Chr.
Frauen- und Männergestalt stehend, frontal, die Köpfe einander zugewandt, die einander an den benachbarten Händen halten. Beide in langer Tunika, der Mann windet seinen Mantel um den Unterkörper, während die Frau ihn über die Schulter geworfen trägt. Grundlinie. Publ.: Sági 1991, p. 118, Nr. 4, Abb. 7‑8; Heinrich-Tamáska, 2006, p. 59‑60, Abb. 93.

2. Keszthely, Balatoni Museum

16Fundort: Keszthely-Fenékpuszta, Pusztaszentegyházi dűlő. Beigaben: 1. Wehrgehängeknopf einer Spatha; 2. Riemenzunge aus Gold; 3. Goldschnalle; 4. Zwei schildförmige Gürtelhaften; 5. Fingerring aus Silber mit Gemme; 6. Dunkelbrauner Feuerstein; 7. Holzbecher; 8. Beinkamm mit Behälter.
Gemme: Nicolo, hellblaue auf dunkelblauer Schicht. Queroval, beidseitig flach, abgeschrägter Rand, gerade Kante. Oberfläche poliert.
Maße: 1,4 × 1,7 cm
In einem vergoldeten antiken Silberring gefasst. Ring von ovalem Schnitt, sich erhebende, glatte Fassung.
Querdurchmesser: 2,6 cm
Datierung: Stein: 1. Jh. n. Chr., Ring: 4. Jh. n. Chr.
Sitzender, geflügelter Löwen-Greif im Profil, stellt eines der Vorderbeine auf ein Speichenrad. Grundlinie.
Publ.: Müller, 2000, p. 345, Nr. 5; Heinrich-Tamáska, 2006, p. 59‑60, Abb. 68.

3. Győr, Xántus János Museum

17Fundort: Ménfőcsanak-Einkaufszentrum, Gräberfeld aus mittlerer Awarenzeit (letztes Drittel des 7. Jahrhunderts). Männergrab 489. Beigaben: 1. 2 St. dreischneidige Pfeilspitzen; 2. Fokosch; 3. Bleiröhrchen (Frauenhaarschmuck beim Knie des Mannes); 4. Eisenspange; 5. Stücke einer geschnittenen, bandgewobenen, lamellaren Gürtelgarnitur; 6. Gemme, in Lamellenfassung eines Bronzerings.
Gemme: Rotes Karneol. Hochoval, Kante zur Rückseite abgeschrägt. Am rechten Rand Absplitterungen. Besonderheit, dass die verzierte Vorderseite im Zuge der sekundären Verwendung von hinten eingebettet wurde.
Maße: 1,4 × 0,9 × 0,3 cm Datierung: 1. Jh. n. Chr.
Ceres steht frontal in langem Chiton, den Kopf zur Seite gewendet. In der erhobenen Hand hält er eine Fruchtschale, in der anderen zwei Ähren.
Publ.: Molnár–Nagy–Tomka, 2008, p. 129 mit Abb.

4. Győr, Xántus János Museum

  • 32 Für Daten und wertvolle Bemerkungen danke ich Herrn Péter Tomka.

18Ménfőcsanak-Einkaufszentrum, Männergrab 563. Beigaben: 1. Schwert; 2. Eisenspange; 3‑4. Gemme an einem Eisen zum Feuerschlagen haftend (nach dem ausgrabenden Archäologen eventuell Schmuck der Tasche); 5. zweischneidiges Eisenmesser; 6. 2 St. Pfeilspitzen.
Gemme: Geschichteter Sardonyx, unten schwarz, in der Mitte rauchgrau, oben rot. Hochoval, beiderseits flach, Kante zur Vorderseite abgeschrägt.
Maße: 1,4 × 1,1 × 0,4 cm Datierung: 2. Jh. n. Chr.
Behelmter Kopf der Minerva ; vor der ägisbewerten biiste zwei Schlangen. Unpubliziert.
32

5. Pécs, Janus Pannonius Museum, Inv. 60.47.1. (pl. VII-1)

  • 33 Für Daten und Fotos danke ich Frau Erzsébet Nagy.

19Fundort: Nagyharsány, Frauengrab. Beigaben: 1. ein Paar Silberohrgehänge mit granulierten Kugeln; 2. Silbergehänge mit Gemme; 3. Scheibenfibel aus Silberplatte (Durchmesser: 5,7 cm, pl. VII-2), in der Mitte gewölbte Goldplatte (Durchmesser: 2,7 cm, Dicke: 0,95 cm). Darstellung: frontaler, geflügelter Engel mit Glorienschein, in der Rechten bis zum Boden reichender Stab – sicherlich unterer Balken eines langen Kreuzes, dessen oberer Teil fehlt –, in der Linken ein kugelförmiger Gegenstand. Rund herum griechische Inschrift: + APXANΓEΛ[Λ]E BO[HΘI]; 4. Silberkette; 5. Bruchstücke einer Bulle; 6. Silberkügelchen; 7. Silberkugel; 8. Perlenschnur; 9. Bernsteinperlen.
Gemme: Schwarzer Jaspis mit braunen Verfärbungen. Hochoval, beiderseits flach, Kante zur Vorderseite abgeschrägt. Oberfläche stark abgenutzt, zerkratzt.
Maße: 1,45 × 1,2 cm
In Silberrahmen gefasst, an dessen Rand ein Perlenschnurmuster verläuft. Die halb abgebrochene Öse schließt sich in umgekehrter Herzform an die Fassung an.
Maße: 2 × 1,4 cm
Datierung: Stein: 2. Jh. n. Chr., Fassung: 6/7. Jh. n. Chr.
Geflügelte Fortuna steht frontal in langem Chiton, Mantel um Hüfte gewunden. Auf dem seitlich gedrehten Kopf ein Helm mit großem Kamm. In der vorgestreckten Hand hält sie Ähre und Mohn sowie Steuerruder. In der anderen hält sie das Ende des Mantels, das übliche Füllhorn ist hier nicht erkennbar, wahrscheinlich ist es mit der Flügeldarstellung verschmolzen. Grundlinie.
Publ.: Papp, 1963, p. 115. Taf. I. (Frontal stehende geflügelte Victoria, in der vorgestreckten Hand einen Ast haltend.)
33

6. Budapest, Ungarisches Nationalmuseum, Inv. 69.4.75. (pl. VII-3)

  • 34 Fettich, 1965, p. 22.
  • 35 Für Foto danke ich Herrn Ádám Szabó.

20Fundort: Pilismarót-Basaharc. Der Friedhof ist in das 2. Viertel des 8. Jahrhunderts zu datieren. Grab 22, Beigaben: „An der linken Seite des Halses ein Paar von zellenverzierten, glaseingelegten Schließen (11). Gleich daneben ein silberner Ohrring und ein Ohrgehänge (1)...Am Hals, bis zum Becken reichend, lag eine große Halskette, bestehend aus den verschiedensten Perlen (12‑22, 23‑51). An beiden Unterarmen ein Kolbenarmring (3) und ein massiver Bronzearmring mit viereckigem Querschnitt (4). An den mittleren drei Fingern der rechten Hand je ein Fingerring, darunter zwei mit Kopf versehen (8‑10), der eine ist römisch (9). An der linken Hand drei Fingerringe, verfertigt aus Bronzeblech (5‑7).”34
Gemme: Glasnicolo, hochoval, Vorderseite flach, Kante abgeschrägt. Oberfläche stark abgenützt, wahrscheinlich aus abgenützter Matrize, daher verwischte Umrisse. Oberer Teil gesprungen.
Maße: 1, 9 × 1,1 cm
In einem nicht antiken Bronzering gefasst. Ring aus flacher Platte, darauf eine stark brüchige ovale Platte geschweißt, auf der die in einen Bronzerahmen gefasste Gemme liegt.
Maße: 2,2 × 2 cm
Datierung: Gemme: 2/3. Jh. n. Chr., Ring: 1. Hälfte 8. Jh. n. Chr.
Auf Säule gestützte Venus Victrix steht in Dreiviertel-Rückansicht, der Oberkörper ist nackt, der Unterkörper von Mantel bedeckt. In der vorgestreckten Hand Helm, in der anderen kaum erkennbare Lanze, zu Füssen Spure des Schildes auffindbar.
Publ.: Fettich, 1965, p. 22, Nr. 37, Abb. 22.35

7. Sombor/Zombor, Stadtmuseum (heute Serbien)

21Fundort: Kishegyes, spätawarisches Gräberfeld. Grab 74 b. Beigaben: 1. Bronzegehänge; 2. Ring mit Gemme; 3. Messer in Eisenscheide; 4. Glasbecher; 5. 3 St. Spangen; 6. 10 St. Gürtelschmuck; 7. 3 St. Knöpfe, mit in kreisrunden Bronzerahmen gefassten halbkugelförmigen Glaseinlagen; 8. 6 St. Bandplatten; 9. Messer in Eisenscheide; 10. Lederreste; 11. 4 St. Bronzeringe.
Gemme: „Stempelring. Ring: dünner, glatter Bronzedraht. Verbogen. Der ovale Kopf liegt überkreuz auf dem Ring, die sich erhebende Fassung ist nach innen abgeschrägt und von Perlenschnurschmuck umfangen. Eingefasst ist ein blauer Stein, darauf ist die Gravur einer ein schreitendes Pferd antreibenden menschlichen Gestalt zu sehen.” So Gubitzas Beschreibung. Ich habe das Objekt nicht gesehen und konnte auch kein Foto und Daten beschaffen.
Publ.: Gubitza, 1907, p. 360 (mit Zeichnung).

Gemmen mit zwei Kanälen

8. Veszprém, Lackó Dezső Museum, Inv. 61.17.8. (fig. 2)

  • 36 Bóna, 2000, p. 132.

22Fundort: frühawarischer Friedhof von Várpalota, Unio-Sandgrube, Grab 20. Beigaben: „silbernes Ohrringpaar mit großen Kugelanhängern... 1. Halskette aus 20 St. rote-gelb- blau-braun-schwarzen farbigen Augenglasperlen und einer schwarzen Glasperle mit antiker Schauspielermaske, 2. glattes kleines Bleikreuz, Anhänger der Halskette....3a. rechteckige verzierte Knochenplatten, genau aufeinandergelegt, 3b. Bronzekette, am oberen Ende mit Eisenblech, 4. quadratische gepreßte Gürtelbeschläge... 5. Knochenpfeife, von den Knochenplatten abwärts in Richtung der Beine.... Hälfte einer bronzenen Pinzette; Bronzbleche mit punziertem Rand; 3/5 Fragment einer gepreßten Silberscheibe; aufnietbarer rechteckiger Bronzeschmuck mit gravierter Verzierung; eine halbe Glasperle; Fußfragment eines Glasbechers; Stücke eines Eisenmessers; gebogenes Silberband mit Niet.”36
Gemme: dunkelgrünes Glas, darin zwei waagrechte Kanäle, am linken Rand der Maske Luftblase. Vorderseite leicht abgenützt, Rückseite leicht gewölbt.
Maße: 1,3 × 2,1 × 0,6; Kanal: 0,3; Maske: 1,2 × 1. Datierung: 4. Jh. n. Chr.
Kahlköpfige Sklavenmaske frontal.
Publ. I. Bóna, 1956, p. 190, Abb. 19, Taf. XXXVI/11; Werner, 1962, p. 26‑28; Haevernick, 1974, p. 118; Gesztelyi, 1996‑1997, p. 68, Nr. 10; Bóna, 2000, p. 132, Taf. IV.

9. Pécs, Janus Pannonius Museum, Inv. 54.104.3

  • 37 Kiss, 1977, p. 20.

23Fundort: frühawarischer Friedhof von Cserkút, Grab I. Beigaben: 1. „silver earrings with globependants of silver plate, one on either side of the skull; 2. string of beads, a blue Roman facebead among the glass beads, round the cervical; 3. quadrangular iron buckle; 4. fragment of an iron knife.”37
Gemme: Dunkelgrünes Glas, darin zwei waagrechte Kanäle, Rückseite flach, darauf Gusslinien. Die Kanalöffnungen beidseitig abgeschlagen.
Maße: 1,6 × 1,3 × 0,5; Kanal: 0,5. Datierung: 4. Jh. n. Chr.
Längliches, mit klaren Linien gezeichnetes Gorgonenhaupt, Gesicht von gewelltem Haar umgeben, an den Schläfen verwischte Flügel erkennbar.
Publ.: Kiss, 1977, p. 20, Pl. LIII; Gesztelyi, 1991, p. 108, ff. Abb. 2.; Gesztelyi, 1996‑1997, p. 69, Nr. 26.

10. Győr, Xántus János Museum, Inv. 53.278.696

24Fundort: mittelawarischer Friedhof Győr, Ziegelei. Mädchengrab 648. Beigaben: 3 St. Glasperlen, darunter die mit dem Brustbild.
Gemme: Dunkelgrünes Glas, darin zwei waagrechte Kanäle, aber im Verlauf des rechtsseitigen ist die hintere Hälfte des Männerkopfes abgebrochen und fehlt. Oberfläche mit Luftblasen, stark abgenützt, Rückseite flach.
Maße: 1,5 × 1,6 × 0,5; Kanal: 0,2. Datierung: Mitte 3. Jh. n. Chr.
Einander anblickendes Frauen- und Männerbrustbild, auf ersterem Palla, auf letzterem Chlamys. Das Haar der Frauenfigur fällt in Wellen in den Nacken, von dort wird es in einem dünnen Zopf zum Scheitel zurückgeführt, die Männerfigur trägt einen kurzen Bart und kurzes Haar. Auf Grund ihrer Tracht Gallienus und Salonina.
Publ.: Börzsönyi, 1906, p. 305; Gesztelyi, 1996‑1997, p. 68 Nr. 15.

11. Győr, Xántus János Museum. Verloren

  • 38 Börzsönyi, 1904, p. 31.

25Fundort: mittelawarischer Friedhof Győr, Ziegelei. Grab 361. Beigaben: 1. Knochenzylinder mit gekerbter Oberfläche; 2. Perlen verschiedener Form; 3. gebrannte Tonspindel.
Gemme: «... schwarzes Exemplar aus gegossenem Material, auf dessen oberer Seitenplatte ein hübscher römischer Frauenkopf im Relief zu sehen ist.»
38
Publ.: Börzsönyi, 1904, p. 31 (mit Zeichnung); Haevernick, 1974, p. 117; Gesztelyi, 1996-1997, p. 70 Nr. 29.

12. Pécs, Janus Pannonius Museum

26Fundort: Pécs-Gartenstadt, spätawarischer Friedhof, Grab 316/1.
Gemme: Dunkelgrünes Glas, darin zwei waagrechte Kanäle, Rückseite leicht gewölbt, darauf Gusslinien, Oberfläche stark abgenützt.
Maße: 1,4 × 1 × 0,5; Kanal: 0,13.
Rundgesichtiges Gorgonenhaupt, Gesicht von gewelltem Haar umgeben, aus dem Schlangen hervorstehen, aus den Schläfen erheben sich Flügel. Der linke Rand der Darstellung passte nicht mehr auf die zur Verfügung stehende Fläche.
Publ.: Gesztelyi, 1996‑1997, p. 69, Nr. 27.

13. Kaposvár, Rippl-Rónai Museum

27Fundort: Kaposmérő-Tongrube, Friedhof aus dem 8‑9. Jahrhundert, Grab 225. Beigaben: 2 St. bronzene „S”-Ringe, Melonenkernperlen, durchbohrte römische Kleinbronze um den Hals gehängt, Geflügel- und Schafsknochen.
Gemme: Dunkelgrünes Glas, darin zwei waagrechte Kanäle, Rückseite leicht gewölbt, Vorderseite mit Luftblasen, darauf Gusslinien.
Maße: 1,6 × 1,65 × 0,5; Kanal: 0,2; Siegel: 1,3.
Reifes Frauengesicht im Profil mit schönen Zügen. Haar von breitem Band umschlungen, Ohrgehänge und doppelte Halskette, auf der Schulter Stola.
Publ.: Gesztelyi, 1996‑1997, p. 68, Nr. 18.

14. Eisenstadt, Burgenländisches Landesmuseum, Inv. Nr. 1298 Fundort: Zillingtal, Grab M 27

  • 39 Für Daten danke ich Herrn K. Kaus.

28Gemme: Dunkelgrünes Glas, darin zwei waagrechte Kanäle, Rückseite leicht gewölbt, Oberfläche stark abgenützt.
Maße: 1,3 × 1,3 cm
Nach links blickender Frauenkopf mit Haartracht aus dem 3. Jahrhundert, rund herum verwischte Inschriftspuren.
Publ.: Caspart, 1935, p. 8, Taf. IV/63; Haevernick, 1974, p. 121.
39

15. Kaposvár, Rippl-Rónai Museum (fig. 1)

  • 40 Für Daten und Zeichnung danke ich Frau Éva Garam.

29Fundort: Zamárdi-Rétiföldek Flurstück, Awarenfriedhof, Grab 1837 (entdeckt von E. Bárdos). Beigaben: kugelförmiges silbernes Ohrgehänge, Perlenhalskette, darunter drei runde Anhänger.
Gemme: In einem der Anhänger ist ein schwarzer Glaskameo mit schräg kopfüber eingefasstem weiblichem Brustbild.
Dieser Typus der Glaskameen wurde im Allgemeinen aus dunkelgrünem Glas hergestellt und in seinem Inneren verliefen zwei Kanäle oder er hatte eine Öse aus dem eigenen Material. Obwohl die Oberfläche abgenützt ist, zeichnen sich die Umrisse des Kopfes eindeutig ab.
Maße: Gemme: 1,2 cm, Fassung: 1,6 cm, mit Öse: 2 cm
Weibliches Brustbild frontal, mit in der Mitte geteiltem Haar, das von einem vom Scheitel bis zum Nacken und von dort zurück geführten Zopf umgeben wird. Auf der Schulter sind die Falten ihrer Palla zu sehen.
Vgl. zum Typ: Zwierlein-Diehl, 1991, p. 226 Nr. 2502; Gesztelyi, 1996‑1997, p. 69, Nr. 21‑22; Gesztelyi, 1998, 131‑132, Abb. 3; Gesztelyi, 2000, p. 90, Nr. 277. Unpubliziert.
40

Sasanidische Gemme

16. Szarvas, Tessedik Sámuel Museum, Inv. 88.33.2

  • 41 Juhász, 2004, p. 56.
  • 42 Juhász, 2004, p. 85.
  • 43 Für Daten und Foto danke ich Frau Irén Juhász.

30Fundort: Szarvas, Grexa-Ziegelei, FO 68, Grab 366: Frau, Stollengrab.
Beigaben: „Handgeformtes
Gefäß (6) mit Trichtermündung...Flacher Spinnwirtel (4)... Zwischen l. Schlüsselbein, oberen Rippen und Halswirbeln Perlen (3): mit Augen, gefleckt gemusterte, kugelige, zylindrische, bikonische, insges. 10 St. Gemme (2) mit Pehlevi-Inschrift und Tierdarstellung, zwischen den Perlen. Der Schaft des vermutlichen Silberohrgehänges (1) mit großem Kugelhänger lag auf der l. Seite des Unterkiefers. Eisenmesser (5), l. auf Knielinie.”41
Gemme: „Unter den Augenperlen und verschiedenen mehrfarbigen, gestreiften Karneol- und Kalzedonperlen aus Grab 366 befand sich ein Karneolstempel, den die hier ruhende, in hohem Alter verstorbene Frau an ihrer Halskette trug. In der in Pehlewi geschriebenen Umschrift des Stempels erkennt man eine Bergziege: kreisförmig, durchbohrt, bei Vierfünftel des Kreises waagerecht abgeschnitten, auf dieser Fläche sind die Umschrift sowie die ihr Zicklein sägende Bergziege zu sehen.”
42
Maße: 1,2 × 0,9 cm
Die Beine untergezogen sitzendes Mufflon. (Die größere Abschlagstelle am unteren Teil des stark abgenützten, brüchigen Steins mag die Publizistin des Friedhofs als säugendes Kitz gesehen haben.) Neben den Hörnern vorne verwischter Stern, hinten Mondsichel erkennbar. Die Inschrift nach J. Harmatta kommt häufig auf sasanidischen Gemmen vor: abastan o yazdan = Vertrauen in die Götter.
Publ.: Juhász, 2004, p. 56, 85; Harmatta, 2004, p. 103‑105.43

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Annexe

Résumé long en français

L’époque avare, dans le bassin des Carpates se situe entre 567‑822, le nombre des gemmes antiques provenant de ce période est de 16. Cependant, les gemmes antiques ne jouissaient pas d’une réévaluation considérable chez les Avares ; par contre, comme Ament nous vérifie, l’art mérovingien montrait un goût bien prononcé pour ces gemmes. Tandis que la plupart des gemmes apparaissent, à cette époque-là, enchâssées dans une bague ou bien montées en fibule d’or, les gemmes enchâssées constituaient des exceptions chez les avares. Il n’y avait qu’un seul cas où l’on peut retrouver des gemmes enchâssées dans une bague d’or (no. 1.) ou d’argent (no. 2.), mais il n’est pas évident si leur propriétaire appartient au peuple avare, ou il s’agit d’une trouvaille d’origine germanique de l’époque avare. L’on peut encore prendre en considération un pendant monté en argent (no. 5.) mis au jour d’une tombe contenant des boucles d’oreille et des pendants de provenance byzantine. Il est donc très probable que le pendant en question a été fait, lui aussi, en Byzance.

Parmi les métaux de monture, c’est le bronze qui est le plus fréquent (4 pièces), dont l’un est un pendant, les trois autres sont des bagues. L’une de ces bagues, d’après le dessin de la publication, semble être d’origine romaine (no. 7.). Toutefois, les deux bagues de bronze fragmentaires sont, de toute certitude, de provenance avare (No. 3, 6) de la période moyenne de l’Empire Avare, et il nous reste encore un pendant en bronze de la haute époque avare. Outre ces trouvailles on possède une gemme sans monture (no. 4.), attachée à la pierre à fusil de la bourse. La position particulière de cette gemme impliquera donc deux explications. D’une part, elle devait constituer une simple décoration de bourse. D’autre part, il nous semble plus probable qu’il s’agit, dans ce cas-là, d’un objet précieux, mais hors d’usage gardé dans la bourse.

Ce qui s’harmonisait le plus avec le costume des Avares c’était la gemme à enfiler. D’après le témoignage des matériaux archéologiques, c’était les femmes qui portaient, de leur part, des colliers de toute sorte de perles. Cependant, les Romains ne connaissaient qu’un seul type de gemme à enfiler : c’était le camée en verre à double canal, apparu à l’époque du haut Empire. Il n’est pas par hasard que la moitié des gemmes antiques employées par les Avares appartiennent à ce type (no. 8‑14). Ces gemmes, en plus, constituent une particularité des trouvailles du bassin carpatique, puisqu’elles n’apparaissent nulle fois parmi les matériaux archéologiques de l’époque mérovingienne. Cette particularité ne s’explique pas seulement par le goût différent de deux peuples. Il est donc plus probable que ce type de gemme n’est pas largement répandu à l’Occident : il s’agit plutôt d’un type de gemme caractéristique de Pannonie, alors, les pièces en question proviennent donc d’un ensemble collectionné sur les sites de Pannonie.

Ce qui attire notre attention le plus, du point de vue de remploi des gemmes antiques, c’est le pendant en monture de bronze récemment retrouvé à Zamárdi-Rétiföld, qui se compose d’un camée en verre obscure monté en bronze (no. 15) avec un portrait de femme, figure très caractéristique des gemmes à double canal. Car les camées à double canal figuraient un cercle ou un ovale irrégulier, la monture servait à corriger les irrégularités ; parfois, c’était le verre même qui était poli en rond. Outre ces deux techniques, on retrouve encore une autre méthode, appliquée surtout au cas des gemmes rondes à crochet. Le crochet brisé, il ne fallait que polir ses restes pour monter la gemme dans un cadre rond régulier. Toutefois, il faut se rendre compte d’un cas particulier, fréquent chez les deux types, qui consiste d’une gemme à enfiler, mais montée en métal, remployée comme pendentif d’un collier.

La répartition chronologique des gemmes retrouvées est plus au moins homogène parmi les époques de l’Empire Avare. A part les bagues déjà mentionnées, ce sont encore deux camées à double canal (no. 8‑9) qui datent de l’époque du bas Empire. Ces gemmes devaient, sans doute, appartenir à des propriétaires très aisés sans regard à leurs origines ethniques. Cette période durant jusqu’au début du 7e siècle coïncide avec l’âge d’or de l’Empire Avare. Les gemmes retrouvées à Ménfőcsanak–Centre Commercial (no. 3‑4) proviennent de la période moyenne (le dernier tiers du 7e siècle). Les camées à double canal de la grande sépulture de Győr et l’ensemble de trouvailles de Nagyharsány datent, eux aussi, de cette période. Cependant, il nous reste deux intaglios (no. 6‑7) et deux gemmes à double canal (no. 12‑13) de l’époque tardive (8e siècle), tandis que la datation de la gemme no. 14 reste encore incertaine. En ce qui concerne la richesse des mobiliers, aucune de ces trouvailles ne surpasse les tombes avares du bas Empire. La sépulture de Nagyharsány (no. 5), par sa grande variété de mobiliers ensevelis, constitue une exception, contenant des boucles d’oreille, une fibule, un collier et un pendant d’argent. La tombe de Basaharc (no. 6) de l’époque tardive ne contient qu’une paire de boucles d’oreille d’argent, les autres mobiliers, la bague à la gemme aussi, sont en bronze. Malgré cette tendance, les intaglios (no. 5‑7) sont retrouvés dans les tombes plus riches, tandis que les gemmes à double canal (no. 10‑14) sont mises à jour des tombes plus pauvres, qui contenaient, sans compter les colliers, très peu de mobiliers.

En considérant la localisation des gemmes, on peut constater que chacune de ces gemmes, à l’exception de deux gemmes, provient de la partie occidentale du bassin carpatique, de l’ancienne province de Pannonie, du territoire où les gemmes romaines étaient très répandues partout. Le village de Kishegyes (no. 7), situé à l’Est du Danube, c’est-à-dire hors de l’ancienne Pannonie est encore assez proche au limes. Au cas de la ville de Szarvas, située beaucoup plus loin du Danube, on peut vérifier que les envahisseurs avares apportèrent des pierres de sceau sassanides. Ces preuves matérielles nous attestent donc qu’il ne s’agit pas d’une acquisition locale.

L’on ne peut quand même suggérer que la préférence pour les gemmes antiques était fréquente chez les Avares. Certes, ils n’étaient pas de grands amateurs et connaisseurs des gemmes, comme la trouvaille de Ménfőcsanak (no. 3) nous vérifie : la gemme est enchâssée dans la bague, la figure en bas. Les Avares, alors, estiment mieux, du point de vue de la décoration, une pierre brillantée qu’une surface gravée mais endommagée.

Malgré le manque d’intérêt presque général, la gemme de Nagyharsány (no. 5) constitue une exception, figurant une femme aux ailes, vêtue d’une robe longue, un objet pareil à une barre à la main. (Elle tient un épi et un gouvernail.) La plaque d’or de la fibule discoïde qui représente une figure très similaire mérite encore notre attention particulière : une femme ailée en robe longue avec une barre longue finissant, de toute probabilité, en croix, mais la croix est déjà tout effacée. Le port simultané de deux objets suggère que leur propriétaire connaissait déjà les représentations des anges, et il devait reconnaître la même figure sur la gemme.

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Notes

1 Mócsy, 1962; Mócsy, 1974.

2 Menghin et al., 1987.

3 Pohl, 1988.

4 Heinrich-Tamáska, 2006, p. 59‑60: Exkurs: Verwendung von Gemmen in der Awarenzeit.

5 Ament, 1991, p. 402.

6 Heinrich-Tamáska–Müller, 2009, p. 57.

7 Müller, 1999‑2000, p. 355.

8 Müller, 1999‑2000, p. 355.

9 Heinrich-Tamáska, 2009, 59.

10 Tomka, 2008, p. 614.

11 Ament, 1991, p. 402.

12 Gesztelyi, 1996‑1997, p. 69, Nr. 21‑22.

13 Zwierlein-Diehl, 1991, p. 226 Nr. 2502.

14 Harmatta, 2004, p. 104‑105.

15 Werner, 1962, p. 28; Bóna, 2000, p. 150.

16 Egry et al., 1997, p. 72.

17 Fettich, 1965, p. 93, Nr. 7.

18 Ament, 1991, p. 410.

19 Ament, 1991, p. 412.

20 Platz-Horster, 1984.

21 Platz-Horster, 1987, 1994.

22 Krug, 1980.

23 Tomka, 2008, p. 616.

24 Vgl. Menghin et al., passim.

25 László, 1938; Garam, 1993, p. 87‑88, Nr. 106.

26 Garam, 1993, p. 107, Nr. 135.

27 László, 1940, p. 146.

28 Pohl, 1988, p. 204.

29 László, 1940, p. 151‑152.

30 Pohl, 1988, p. 204.

31 Vgl. Heinrich-Tamáska, 2006, Abb. I.

32 Für Daten und wertvolle Bemerkungen danke ich Herrn Péter Tomka.

33 Für Daten und Fotos danke ich Frau Erzsébet Nagy.

34 Fettich, 1965, p. 22.

35 Für Foto danke ich Herrn Ádám Szabó.

36 Bóna, 2000, p. 132.

37 Kiss, 1977, p. 20.

38 Börzsönyi, 1904, p. 31.

39 Für Daten danke ich Herrn K. Kaus.

40 Für Daten und Zeichnung danke ich Frau Éva Garam.

41 Juhász, 2004, p. 56.

42 Juhász, 2004, p. 85.

43 Für Daten und Foto danke ich Frau Irén Juhász.

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Table des illustrations

Titre Fig. 1. Halskette aus Zamárdi (Nr. 15, Zeichnung nach Garam).
Légende 1. Keszthely; 2. Keszthely-Fenékpuszta; 3. Ménfőcsanak; 4. Ménfőcsanak; 5. Nagyharsány; 6. Pilismarót-Basaharc; 7. Kishegyes; 8. Várpalota; 9. Cserkút; 10. Győr; 11. Győr; 12. Pécs-Gartenstadt; 13. Kaposmérő; 14. Zillingtal; 15. Zamárdi; 16. Szarvas
URL http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/pallas/docannexe/image/10742/img-1.jpg
Fichier image/jpeg, 84k
Titre Fig. 2. Halskette von Várpalota (Nr. 8, Zeichnung nach Bóna, 2000, Abb. 19)
URL http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/pallas/docannexe/image/10742/img-2.jpg
Fichier image/jpeg, 188k
Titre Pl. VII-1. Gemme von Nagyharsány (Nr. 5, Museumsfoto)
URL http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/pallas/docannexe/image/10742/img-3.jpg
Fichier image/jpeg, 104k
Titre Pl. VII-2. Scheibenfibel von Nagyharsány (Nr. 5, Museumsfoto)
URL http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/pallas/docannexe/image/10742/img-4.jpg
Fichier image/jpeg, 148k
Titre Pl. VII-3. Gemme von Pilismarót-Basaharc (Nr. 6, Museumsfoto)
URL http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/pallas/docannexe/image/10742/img-5.jpg
Fichier image/jpeg, 84k
Titre Fig. 3. Räumliche Verteilung der Gemmenfunde
URL http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/pallas/docannexe/image/10742/img-6.jpg
Fichier image/jpeg, 65k
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Pour citer cet article

Référence papier

Tamás Gesztelyi, « Antike Gemmen aus der Awarenzeit »Pallas, 83 | 2010, 99-116.

Référence électronique

Tamás Gesztelyi, « Antike Gemmen aus der Awarenzeit »Pallas [En ligne], 83 | 2010, mis en ligne le 01 octobre 2010, consulté le 23 mai 2024. URL : http://0-journals-openedition-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/pallas/10742 ; DOI : https://0-doi-org.catalogue.libraries.london.ac.uk/10.4000/pallas.10742

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Auteur

Tamás Gesztelyi

Universität Debrecen (Hongrie)
gesztelyi[at]puma.unideb.hu

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Droits d’auteur

CC-BY-NC-ND-4.0

Le texte seul est utilisable sous licence CC BY-NC-ND 4.0. Les autres éléments (illustrations, fichiers annexes importés) sont « Tous droits réservés », sauf mention contraire.

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